Oliver Bierhoff, langjähriger Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, greift seinen ehemaligen Arbeitgeber im Interview mit dem "Stern" scharf an.
Während der politisch hoch umstrittenen WM 2022 in Katar habe er sich vom DFB allein gelassen gefühlt, klagt Bierhoff: "Damals hätte ich mir gewünscht, dass sich das Präsidium des Verbandes klarer zu Katar äußern und vor die Mannschaft stellen würde. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt."
Das WM-Turnier im Golfstaat stand wegen eingeschränkter Menschen- und Freiheitsrechte in der öffentlichen Debatte.
Die DFB-Auswahl hatte dazu kritisch Stellung bezogen. Eine Entscheidung, die Bierhoff in der Nachbetrachtung für fragwürdig hält: "Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert."
Die Spieler sollten sich nicht verpflichtet fühlen, etwas zu sagen, so Bierhoff: "Das zu verlangen, halte ich für überzogen und unangebracht. Im Übrigen: Die Welt wundert sich über uns Deutsche, weil wir glauben, alle belehren zu müssen."
Bierhoff gegen WM-Boykott
Mit Blick auf die WM im Sommer, die wegen des Gastgebers USA unter anderem von Menschenrechtsorganisationen abgelehnt wird, sagte Bierhoff dem "Stern": "Ich halte generell nichts von einem Turnierboykott. Es gibt enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Vereinigten Staaten und unsere Regierung ist weiterhin um gute Beziehungen bemüht. Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?"
Auf die Frage, ob das WM-Turnier nicht von US-Präsident Donald Trump als Bühne für eigene Zwecke missbraucht werden könne, sagte Bierhoff: "Daran wird der kritische Kommentar eines einzelnen Fußballers nichts ändern. Der DFB sollte einmal Position beziehen und dann deutlich machen: Lasst die Mannschaft in Ruhe! Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler."











