Die Spätstarter in Europa
- Der spanische Fußball fristete über viele Jahrzehnte ein angesichts heutiger Stärke erstaunliches Schattendasein. Platz 4 bei der WM 1950, als das Turnier von Absagen und mangelnder sportlicher Balance geprägt war, war für viele Jahrzehnte das beste Resultat bei Weltmeisterschaften, und das, obwohl die Auswahl seit 1978 stets zumindest die Qualifikation für die WM-Endrunde schaffte.
- Erst 2010 gelang „La Roja“ der große Wurf, als das Team getragen von Akteuren wie Xavi und Iniesta vom FC Barcelona, der in dieser Phase den Vereinsfußball dominierte, den WM-Titel erstmals auf die Iberische Halbinsel holte. Bei den drei WM-Endrunden danach enttäuschte der Titelkandidat dann aber und kam nie über das Achtelfinale hinaus.
- Anders lief es bei Europameisterschaften, bei denen Spanien ab 2008 drei von fünf Titeln holte und sich mit dem Erfolg 2024 mit zum Rekord-Europameister kürte (1964, 2008, 2012 und 2024). Im Jahr 2023 gewann „La Roja“ zudem die Nations League und ist neben Frankreich die einzige Auswahl, die bereits Weltmeister, Europameister und Nations-League-Sieger wurde.
Traditionen und Legenden
Rivalitäten
- Wenig überraschend besteht eine große Rivalität gegenüber dem iberischen Bruderstaat Portugal, allerdings ohne übertriebene Abneigungen. Die Spanier haben den kleineren Nachbarn sportlich weitgehend überflügelt, allerdings konnte Portugal mit dem 1:0-Sieg im Gruppenspiel bei der EM 2004 und mit dem Erfolg im Elfmeterschießen im Finale der Nations League 2025 Achtungserfolge feiern.
- Auch das Kräftemessen mit den anderen großen Fußballnationen Europas ist stets ein besonderes, allerdings gibt es hier nur punktuell und meist nicht nachhaltig Animositäten. Bei deutschen Fans kochen die Emotionen seit dem EM-Viertelfinale 2024 und einem nicht geahndeten Handspiel des Spaniers Marc Cucurella hoch. Dazu verloren die DFB-Kicker das EM-Finale 2008 und das WM-Halbfinale 2010 jeweils mit 0:1 gegen „La Roja“.
Legenden
- Iker Casillas ist der Torhüter, in dessen Ära der Aufstieg Spaniens zu einer Größe im Weltfußball fällt. Als Vereinsikone von Real Madrid war er auf Klub-Ebene ein Titelsammler und mit dem Nationalteam gewann „San Iker“ die WM 2010 sowie die EM 2008 und 2012, jeweils als Nummer 1 seiner Auswahl. Casillas‘ 167 Länderspiele übertrifft nur Sergio Ramos (180), mit dem er im Trikot der Königlichen und der Nationalelf in über 450 Pflichtspielen gemeinsam auf dem Platz stand.
- Pep Guardiola und Luis Enrique stehen exemplarisch für eine spanische Spieler-Generation, die zwar mit der Nationalelf keinen Titel gewann, aber den Übergang zur Weltklasse einleitete. Nach erfolgreichen Spieler-Karrieren wurden beide die bekanntesten Protagonisten der „spanischen Trainerschule“, die international höchstes Renommee hat. Exemplarisch zu sehen am Champions-League-Finale 2026, in dem Luis Enrique mit Paris Saint-Germain den FC Arsenal unter seinem spanischen Landsmann Mikel Arteta bezwang.
- Xavi und Andres Iniesta sind neben dem Argentinier Lionel Messi die Gesichter des „Tiki-Taka“-Stils, mit dem der FC Barcelona unter Trainer Pep Guardiola ab Mitte der 2000er Jahre zum besten Team Europas aufstieg. Das kongeniale Mittelfeld-Duo hatte auch großen Anteil an den WM- und EM-Titeln Spaniens in jenen Jahren und beide prägten mit jeweils mindestens 130 Länderspielen den Stil von „La Roja“ maßgeblich.
Sonstiges
- Spanien stellt mit Real Madrid den nach Wertigkeit der Titel erfolgreichsten Verein der Welt und mit dem FC Barcelona einen weiteren Topklub in dieser Hinsicht. Die Rivalität der beiden Vereine, die auch in den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens begründet ist, führte lange dazu, dass die Nationalelf mit einem „Real-Block“ und einem „Barca-Block“ oft als Team scheiterte.
- Speziell in Zeiten des faschistoiden Diktators Francisco Franco (1936-75 an der Macht) war die Rivalität zwischen den beiden Großklubs weit mehr als sportlich. Die Nationalelf litt unter dem zentralistisch organisierten Staat, dem sich Spieler aus fern von Madrid liegenden Regionen nicht willkommen fühlten.
Rekorde
Meiste Länderspiele | Sergio Ramos | 180 Einsätze | Meiste Länderspiel-Tore | David Villa | 59 Tore | Rekordtrainer nach Amtszeit | László Kubala | 3899 Tage oder 69 Länderspiele (1969-1980) |
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