Nach langer Wartezeit erlöst
- Die Entwicklung des Fußballs in Portugal ist – auf etwas niedrigerem Niveau – vergleichbar mit derjenigen der spanischen Nachbarn. Die Portugiesen spielten im 20. Jahrhundert zunächst international kaum eine Rolle, hatten allerdings 1966 (WM-Dritter) und 1984 (EM-Halbfinale) jeweils einen positiven Ausreißer.
- Erst in den späten 1990er Jahren wurde die Seleção Portuguesa ein gefürchteter Gegner und schrammte 2004 bei der Europameisterschaft im eigenen Land nur knapp am Titel vorbei (0:1 im Finale gegen Sensationssieger Griechenland). Seit 1996 sind die Portugiesen Stammgast bei EM-Endrunden, standen seither 4-mal im Halbfinale und gewannen 2016 den lange ersehnten ersten großen Titel.
- Bei WMs gab es nach dem bemerkenswerten Lauf 1966 eine lange Durststrecke und erst seit 2002 ist die Seleção immer bei Endrunden dabei. Am weitesten ging es in dieser Zeit 2006, als die Iberer erst im Halbfinale von Frankreich gestoppt wurden und am Ende Rang 4 belegten.
- Portugal ist die erfolgreichste Nation in der noch jungen UEFA Nations League mit 2 Titeln (bei der Premiere 2019 sowie 2025).
Traditionen und Legenden
Rivalitäten
- Zum großen Nachbarn Spanien pflegt Portugal von jeher eine spezielle Rivalität, die in den letzten Jahren in einigen wichtigen Duellen sichtbar wurde: 2025 schlug die Seleção die Spanier im Nations-League-Finale im Elfmeterschießen und bei der EM 2004 warf Portugal den Nachbarn durch ein 1:0 in der Vorrunde aus dem Turnier. Spanien revanchierte sich im WM-Achtelfinale 2010 (1:0) und im EM-Halbfinale 2012, als man die besseren Nerven im Elfmeterschießen hatte.
- Frankreich steht für Portugal als Gegner für mehrere schmerzhafte Niederlagen, so ereilte die Iberer das Aus gegen die Equipe Tricolore bei den EMs 1984, 2000 jeweils im Halbfinale und 2024 im Viertelfinale sowie bei der WM 2006 im Halbfinale. Andererseits war Frankreich auch der Endspielgegner beim größten Triumph Portugals, als 2016 die EM im Land des Finalgegners gewonnen wurde.
Legenden
- Eusébio wurde im heutigen Mosambik geboren, damals eine Kolonie Portugals, und kam 18-jährig in die Heimat seines Vaters, wo ihn Benfica Lissabon unter Vertrag nahm. Der wuchtige Stürmer entwickelte sich schnell zu einem der besten Torjäger seiner Zeit und holte mit Benfica Titel um Titel. Im Nationalteam sorgte Eusébio bei der WM 1966 für Aufsehen, als er mit 9 Toren Torschützenkönig wurde und sein Team bis ins Halbfinale schoss. In einer Zeit des allgegenwärtigen Rassismus – Portugal war von 1926 bis 1974 eine Militärdiktatur – wurde der „schwarzer Panther“ genannte Stürmer ein Idol des ganzen Landes.
- Luis Figo war neben Rui Costa und Deco der bekannteste Protagonist der „goldenen Generation“ des portugiesischen Fußballs, die 2004 das EM-Finale und 2006 das WM-Halbfinale erreichte, aber ungekrönt abtrat. Figo spielte jeweils 5 Jahre für den FC Barcelona und Real Madrid und gehört zu den wenigen Spielern, die direkt von einem der beiden Erzrivalen zum anderen transferiert wurden. Real zahlte im Jahr 2000 stolze 60 Millionen Euro für den Portugiesen.
- Cristiano Ronaldo ist die größte Ikone des portugiesischen Fußballs und ein Kandidat für die nur subjektiv zu beantwortende Frage nach dem „besten Spieler der Fußball-Historie“. CR7 gewann mit Manchester United, Juventus und vor allem Real Madrid die wichtigsten Titel im Vereinsfußball und hält eine Vielzahl individueller Rekorde, auch als Nationalspieler. Als Kapitän führte er Portugal 2016 zum EM-Titel, dem größten Erfolg der Verbands-Historie – auch wenn er im Endspiel gegen Frankreich schon nach rund 25 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste.
Sonstiges
- Aus historischen Gründen besteht eine enge Verbindung zwischen Portugal und der ehemaligen Kolonie Brasilien, die sich auch im Fußball ausdrückt. So spielen viele Talente aus Brasilien oft in Europa zunächst für einen portugiesischen Verein, wo sie nicht an einer Sprachbarriere scheitern können. In den letzten Jahren gab es auch immer wieder gebürtige Brasilianer, die für die Nationalelf Portugals aufliefen, wie z.B. Abwehr-Raubein Pepe und Mittelfeld-Stratege Deco.
Rekorde
Meiste Länderspiele | Cristiano Ronaldo | 233 Einsätze (Stand 13.07.2026) | Meiste Länderspiel-Tore | Cristiano Ronaldo | 146 Tore (Stand 13.07.2026) | Rekordtrainer nach Amtszeit | Cândido de Oliveira | 4661 Tage oder 30 Länderspiele (1926-1929, 1935-45 und 1952) |
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