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"Russland raus!": Späte Einsicht bei Putins "Freunden"

Auch IOC-Boss Thomas Bach konnte nicht mehr anders und kritisierte Vladimir Putin
Auch IOC-Boss Thomas Bach konnte nicht mehr anders und kritisierte Vladimir Putin
Foto: © imago sportfotodienst
01. März 2022, 12:42

Der russische Sport muss die Weltbühne verlassen. Die Führer der großen Verbände knicken aber erst ein, als der von ihnen hofierte Vladimir Putin einen neuen Krieg anzettelt.

Sie ließen Vladimir Putin schalten und walten. Sie ließen ihm sein Staatsdoping durchgehen, viel schlimmer noch: Sie hofierten den russischen Präsidenten auch dann noch, nachdem er 2008 in Georgien einmarschiert war und 2014 die Krim annektiert hatte - was schon damals ein Verstoß gegen das Völkerrecht war. Auf die Nachsicht von Thomas Bach und den ebenso opportunistischen Gianni Infantino konnte sich Putin stets verlassen.

Erst jetzt sind auch die Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Fußball-Weltverbandes FIFA zur Besinnung gekommen. Ein brutaler Angriffskrieg gegen die Ukraine, ein Aufschrei der Weltöffentlichkeit - selbst die Führer der beiden mächtigsten Sportverbände der Welt mussten Putin nun fallen lassen. Russland ist raus. Ebenso sein Vasall Belarus. Bach hat Putin sogar den Olympischen Orden entzogen.

Russland beklagt diskriminierende Entscheidung

Für Russland und seine Sportler heißt das nun: keine Teilnahme an der Eiskunstlauf-WM, der Eishockey-WM, der Fußball-EM der Frauen und so weiter, vor allem aber auch: keine Teilnahme an der Fußball-WM. Noch keine Entscheidung hat das Internationale Paralympische Komitee (IPC) getroffen - es will erst am Mittwoch beraten, wie nun mit den Teams aus Russland und Belarus bei den am Freitag beginnenden Paralympics verfahren wird.

Die ersten Reaktionen aus Russland auf die weltweite Ächtung waren erwartbar, der Fußballverband etwa klagte: "Die Entscheidung hat einen eindeutig diskriminierenden Charakter." Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zeigte sich in einer Stellungnahme dagegen "erleichtert, dass nunmehr auch im Einklang mit der FIFA weltweit eine gemeinsame Entscheidung getroffen worden ist." Der FIFA-kritische Gary Lineker twitterte: "Gut gemacht, FIFA!"

Auschluss für UEFA und FIFA alternativlos

Die FIFA konnte freilich nicht mehr anders. Polen um seinen Mannschaftskapitän Robert Lewandowski hatte sich geweigert, am 24. März zum Playoff-Spiel der WM-Qualifikation gegen Russland anzutreten. Tschechien und Schweden, potenzielle Gegner bei einem Sieg Russlands, hatten sich dem Boykott angeschlossen. Da konnte sich dann auch der stets wendige Infantino nicht mehr herauslavieren - der Ausschluss erfolgte sogar im Schulterschluss mit der UEFA.

RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wehrte sich am Dienstag vehement gegen Vorhaltungen, der Klub hätte von sich aus die Achtelfinal-Spiele in der Europa League gegen Spartak Moskau boykottieren sollen. "Beim Boykott trifft man nicht die Richtigen - dafür müssen wir uns nicht schämen, dass das Gedanken waren, die wir am Anfang hatten und dann ein Stück weit revidiert haben", sagte er bei einem emotionalen Auftritt.

Wie geht es mit dem Sport innerhalb Russlands weiter?

Auch die UEFA, die nun unter anderem ihre Frauen-EM im Juli in England ohne Russland austragen wird, hatte erst am Montag, am mittlerweile fünften Tag des Krieges, den Rauswurf beschlossen - und sich dann mit der FIFA abgestimmt. Präsident Alexander Ceferin galt zwar nicht als "Freund" von Putin, hatte bislang aber auch kein Problem damit, mit Autokraten in Ungarn oder Aserbaidschan gemeinsame Sache zu machen - siehe die EM im vergangenen Jahr.

Neben dem Ausschluss aus der Fußball-Wettbewerben WM oder Europapokal trifft Russland wohl der Bann in zwei anderen prominenten Sportarten besonders hart: Im Eiskunstlauf gewann Russland bei Olympia in Peking immerhin sechs von 15 möglichen Medaillen; im Eishockey, das auch Putin schon gerne und oft zur Selbstdarstellung genutzt hat, ist Russland gemeinsam mit Kanada Rekordweltmeister. Fraglich bleibt, wie es mit dem Sport in Russland weitergeht.

Daniil Medvedev und Co. dürfen weiterspielen

Außerhalb ihres Landes sind russische Sportler bis auf Weiteres nicht erwünscht - Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Profitennis-Vereinigungen WTA (Frauen) und ATP (Männer) lassen russische und belarussische Spielerinnen und Spieler weiter zu, wenn auch nicht mehr unter den Flaggen ihrer Länder.

Der neue Weltranglistenerste Daniil Medvedev & Co. dürfen aber weiter bei allen Turnieren inklusive der Grand Slams antreten, dies wurde am Dienstagabend verkündet. Ihre Verbände wurden hingegen vom Internationalen Tennisverband (ITF) suspendiert - Russland wird seine Titel im Davis Cup (Männer) und Billie Jean King Cup (Frauen) somit nicht verteidigen können.

Von sich aus gehandelt hat dagegen Markus Gisdol, der erst im Oktober den Trainerposten bei Lokomotive Moskau übernommen hatte. Er ist beim Tabellensiebten der ersten russischen Liga zurückgetreten. "Ich kann meiner Berufung nicht in einem Land nachgehen, dessen Staatsführer einen Angriffskrieg mitten in Europa verantwortet", sagte der 52-Jährige der "Bild": "Das geht mit meinen Werten nicht überein." Gisdol ist bereits zurück in Deutschland.

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