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CR7 bleibt im Finale blass

Ronaldos Nations-League-Sieg: Champion, Diva und Vermittler

Cristiano Ronaldo gewann mit Portugal die Nations League
Cristiano Ronaldo gewann mit Portugal die Nations League
Foto: © Dean Mouhtaropoulos, getty
10. Juni 2019, 13:11

Cristiano Ronaldo war kein entscheidender Faktor bei Portugals Triumph im Nations-League-Finale gegen die Niederlande, aber natürlich waren in der Stunde des Sieges alle Augen auf ihn gerichtet. Auch in einem nicht ganz passenden Moment.

Der um einen halben Kopf kleinere Bernardo Silva schaute fast entschuldigend zu Cristiano Ronaldo hoch, doch der Superstar ließ ihn eiskalt abblitzen. Während die anderen Teamkollegen den kleinen Dribbelkönig anerkennend auf Kopf und Hals klopften, blickte Ronaldo nur missmutig auf ihn herab.

Womöglich empfand es Portugals Ausnahmekönner als Majestätsbeleidigung, dass nicht er, sondern Bernardo Silva zum besten Spieler im Premierenjahr der Nations League ernannt wurde.

Vielleicht lief Ronaldo anschließend im Estadio do Dragao von Porto auch deshalb mit fast kindlicher Freude mit der Silbertrophäe herum, die man ihm als Kapitän nach dem 1:0 (0:0)-Finalsieg Portugals gegen die Niederlande nicht vorenthalten konnte.

Ronaldo und Co. feierten so, als sei dieser Erfolg im neuen und umstrittenen UEFA-Wettbewerb ähnlich viel wert wie der Triumph vor drei Jahren bei der Europameisterschaft.

Ronaldo peilt Torjäger-Rekord an 

"Gott sei Dank haben sich die Dinge in den letzten Jahren für das Nationalteam sehr gut entwickelt. Portugal hat wichtige Wettbewerbe gewonnen wie die EURO 2016 und nun die Nations League", sagte Ronaldo, der in Gesprächen mit den Journalisten wieder sein breitestes Lächeln aufsetzte: "Es sieht nach einem einfachen Job aus, aber es ist hart. Es braucht sehr viel Entschlossenheit und Willen."

Und davon, das stellte der 34-Jährige klar, verfüge er noch im Übermaß. Er wolle noch "viele, viele Jahre" in der Nationalmannschaft auflaufen, sagte der Offensivspieler. Der Mann, der in seiner Karriere nun 29 Trophäen gewonnen und etliche Rekorde gebrochen hat, ist noch immer hungrig.

Und er ist noch immer ein Topstürmer. Im Endspiel war der dreimalige Weltfußballer zwar kein Faktor, doch im Halbfinale gegen die Schweiz (3:1) hatte er mit einem Dreierpack seine ganze Klasse gezeigt.

Nur noch 21 Tore fehlen ihm zum treffsicherster Länderspieltorschützen der Fußball-Geschichte, dem ehemaligen Bundesliga-Profi Ali Daei (Iran/109 Tore). "Ich denke, dass ich immer noch ein nützlicher Spieler bin. Ich fühle mich motiviert und spiele gerne für die Auswahl", sagte der Stürmer von Juventus Turin.

Ronaldo will in Zukunft weitere Trophäen gewinnen

Für seinen Arbeitgeber war Ronaldo auch unmittelbar nach dem Schlusspfiff unterwegs. Beim kurzen Plausch mit Matthijs de Ligt hatte er offenbar versucht, den niederländischen Jungstar zu Juve zu locken. "Ronaldo fragte mich, ob ich zu Juventus kommen will", berichtete der von fast allen Topklubs umworbene 19-Jährige von Ajax Amsterdam: "Ich war ein wenig geschockt wegen der Frage, deswegen habe ich gelacht. Anfangs hatte ich ihn gar nicht verstanden."

Den Niederländern war anzumerken, dass sie nach der langen Saison nicht mehr die notwendige Kraft hatten, um die sehr stabile Defensive der Portugiesen in Gefahr zu bringen.

"Ob wir müde waren, weiß ich nicht. Aber wir waren nicht gut genug", gab Bondscoach Ronald Koeman zu. Oranje muss weiter auf den zweiten internationalen Titel nach dem EM-Coup 1988 in Deutschland warten.

Portugals Siegtreffer erzielte Goncalo Guedes (60.) nach einer herrlichen Vorarbeit des bärenstarken Bernardo Silva. Portugal ist nicht mehr nur Ronaldo - und diesem Fakt kann sogar der Superstar selbst etwas Positives abgewinnen: "Diese Mannschaft hat großes Potenzial. Ich bin mir sicher, dass Portugal auch künftig wichtige Trophäen gewinnen kann."

 

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