Am 11. Juni beginnt de Fußball-Weltmeisterschaft in de USA, Mexiko und Kanada. Die deutsche Nationalmannschaft zählt in Gruppe E mit der Elfenbeinküste, Ecuador und Curacao dann zu den Favoriten aufs Weiterkommen. In der K.o.-Runde dürften dann jedoch auch die ganz dicken Brocken warten. Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident des FC Bayern, glaubt eher nicht, dass das DFB-Team für diese Herausforderungen schon gewappnet ist. Ein Umstand, den Hoeneß auch Bundestrainer Julian Nagelsmann anlastet.
"Die deutsche Mannschaft hat noch nie zweimal hintereinander mit derselben Elf gespielt – das werfe ich Julian auch vor, das habe ich ihm persönlich schon gesagt", führte der langjährige Macher des FC Bayern im Interview mit dem Streamingdienst "DAZN" aus. Dabei könne der DFB bei der WM nur "über das Teamgefüge" für Furore sorgen, da man aktuell schlicht über "keine wirkliche Weltklasse-Mannschaft" verfüge.
Wie man als Kollektiv die größtmöglichen Ziele erreichen könne, könne sich Nagelsmann zum Beispiel bei Bayern-Coach Vincent Kompany abschauen.
Konkret befürchtet Hoeneß jedoch, dass "wir zum ersten WM-Spiel eine Mannschaft auf den Platz schicken, die so noch nie zusammengespielt hat. Und das funktioniert nicht." Er sehe derzeit "weder hinten noch vorne eine klare Linie", moniert der Weltmeister von 1974 und stellt Fragen, die seiner Ansicht nach noch nicht geklärt sind: "Wer ist unser Mittelstürmer? Wer spielt im Tor? Wer ist rechter Verteidiger, wer linker?"
Hoeneß: Nagelsmann nach Austausch "leicht beleidigt"
Tatsächlich setzte Nagelsmann in der zurückliegenden Länderspielphase gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1), den letzten Länderspielen vor der Bekanntgabe des WM-Kaders auf überraschend wenig Kontinuität. Selbst im Tor, wo Oliver Baumann gesetzt sein dürfte, baute Nagelsmann gegen Ghana um und schickte Alexander Nübel ins Rennen. Für Nübel, der seit Jahren vom FC Bayern an Stuttgart verliehen ist, eine Belohnung, da die Partie im Ländle stattfand, für die Eingespieltheit des Teams aber sicher nicht hilfreich.

Auch auf der Linksverteidigerposition und im Sturmzentrum wechselte Nagelsmann, die Unbeständigkeit auf der rechten Defensivseite, die Hoeneß bemängelte, existiert jedoch nicht. Dort ist Joshua Kimmich unter dem DFB-Coach gesetzt. Zur Wahrheit gehört zudem, dass verletzungsbedingte Ausfälle Nagelsmann immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.
Hoeneß schüttelt aber noch einen weiteren Kritikpunkt aus dem Ärmel: Mangelnde Fähigkeit zur Selbstkritik bei Nagelsmann. Nach dem Austausch sei Nagelsmann "leicht beleidigt" gewesen, so Hoeneß. Er habe dem ehemaligen Trainer des FC Bayern aber "überhaupt nichts Böses" gewollt und "hoffe einfach, dass er darüber nachdenkt, dass diejenigen, die so etwas sagen - kürzlich hat ja auch Matthias Sammer Ähnliches geäußert -, ihm keine Niederlage wünschen, sondern seinen Erfolg."
Er vermisse bei Nagelsmann "diese Bereitschaft, zuzuhören und anzunehmen", sagte Hoeneß, der schloss: "Er wird mit seinen Entscheidungen leben müssen. Wenn er erfolgreich ist, bin ich der Erste, der ihm gratuliert. Wenn nicht, dann wird es für ihn schwer."










