Kurz nach Saisonstart kam es bei Formel-1-Neuling Audi zum Knall: Teamchef Jonathan Wheatley verließ die Ingolstädter auf eigenen Wunsch - auch wegen seines angespannten Verhältnisses zu Projektleiter Mattia Binotto?
"Das ist Tratsch aus dem Fahrerlager, der zur Formel 1 dazugehört", reagierte der Italiener im "Sport Bild"-Interview auf diese Gerüchte. "Jonathan und ich haben gut zusammengearbeitet. Ja, wir haben unterschiedliche Laufbahnen und kommen aus unterschiedlichen Motorsport-Kulturen, aber dadurch haben wir uns gut ergänzt. Das spiegeln ja auch die Ergebnisse wider. Wenn unser Verhältnis so angespannt gewesen wäre, wären wir sicherlich nicht so gut in die Saison gestartet."
Sowohl er als auch Wheatley, der bei Formel-1-Konkurrent Aston Martin gehandelt wird, seien "traurig" über die Trennung gewesen, die offiziell aus persönlichen Gründen erfolgte, wie Binotto betonte. "Ich hätte mir gewünscht, dass es nicht so weit gekommen wäre, aber wir müssen das respektieren und uns mit den Leuten, die noch da sind, auf das konzentrieren, was vor uns liegt."
Wheatley sei "eine Schlüsselfigur" für Audis ambitioniertes Formel-1-Projekt gewesen, gab Binotto zu, "und sein Ausscheiden hat Veränderungen erzwungen, die wir nicht geplant haben. Wir haben Jonathans Abgang aber gut als Kollektiv aufgefangen".
Der 56 Jahre alte frühere Ferrari-Teamchef übernahm die Aufgaben des Briten mit - und steht damit nun doppelt in der Pflicht.
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Formel 1: Audi-Boss Binotto "noch nicht zufrieden"
In die erste Saison als Werksteam in der Formel 1 ist Audi alles in allem ordentlich gestartet. "Ich bin glücklich, aber noch nicht zufrieden", sagte Binotto.
Er erklärte: "Dass wir auf Anhieb um Punkte fahren können, war nicht zu erwarten. Aber es zeigt, dass wir ein gutes Fundament geschaffen haben. Das Auto funktioniert in seinen Grundzügen und hat keine gravierenden Probleme. Das ist das Wichtigste."
Um die Top-Teams anzugreifen, fehle nur eins: Zeit. Binotto: "Wir sind ein neues Team, das in allen Bereichen Nachholbedarf hat. Wir haben weniger Erfahrung beim Bau eines Formel-1-Motors, wir haben eine in die Jahre gekommene Fabrik und noch immer rund 150 Mitarbeiter weniger als die Top-Teams. Aber wir arbeiten daran. Wir stellen Leute ein, wir sanieren unsere Fabrik und wir lernen jeden Tag. Aber all das braucht Zeit."




