Horrende Preise, Sitzplatz-Chaos und undurchsichtige Ticketpolitik: Die Vorfreude vieler Stadionbesucher der Weltmeisterschaft wird etwa zwei Monate vor dem Start des Turniers in den USA, Kanada und Mexiko getrübt.
Das weltweite Fußball-Spektakel dürfte für Fans das teuerste der Geschichte werden - und der Stadionbesuch für Normalverdiener unerreichbar. Selbst auf dem Zweitmarkt haben Preise der deutschen Vorrundenspiele Finalcharakter. Der Weltverband FIFA steht wieder einmal in der Kritik. Das steckt dahinter:
Wie teuer sind die Tickets?
Schon seit dem Verkaufsstart gibt es dicke Luft: Die dynamische Preisgestaltung, bei der die Kosten je nach Nachfrage steigen oder fallen, steht dabei im Mittelpunkt des Ärgers. Die FIFA hat Medienberichten zufolge vor kurzem noch einmal höhere Preise veranschlagt. Allein für das erste Spiel der US-Amerikaner gegen Paraguay verlangt der Weltverband bis zu 4.105 US-Dollar (knapp 3.480 Euro) für einen Sitzplatz der ersten Kategorie. Aktuell sind die Vorrundenspiele der Deutschen nur noch über den Zweitmarkt erhältlich.
Die FIFA erhöhte außerdem den Höchstpreis für Tickets zum WM-Finale auf 10.990 US-Dollar (9.315 Euro). Nach der Auslosung im Dezember lag der Preis bei 8.680 US-Dollar.
Was ist zuletzt passiert?
Einige Ticketkäufer werfen der FIFA vor, sie mit Stadionplänen in die Irre geführt zu haben. Sie bemängeln, dass der letztendliche Standort der Plätze falsch dargestellt worden sei. Hinweiskarten ließen vermuten, dass man mit Tickets der ersten und teuersten von vier Kategorien im zentralen Unterrang sitzt. Doch einige Ticketinhaber der ersten Kategorie behaupteten laut eines Berichts der "New York Times", dass sie in Blöcken platziert wurden, die zwischenzeitlich Kategorie zwei waren.
Die FIFA bot mehrere Verkaufsphasen an. Seit dem 1. April gibt es den Last-Minute-Abschnitt, in dem nun auch bestimmte Plätze und nicht Kategorien ausgewählt werden können. Als bei dieser Phase offenbar Sitzpläne einer Ansicht aus dem Dezember gezeigt wurden, wiesen einige Ticketkäufer der höheren Kategorie darauf hin, dass ihnen Plätze in Kategorie-Zwei-Blöcken zugewiesen worden seien. Daraufhin habe die FIFA die Sitzpläne von der Informationsseite entfernt, hieß es im Bericht.
Einige Fans werfen der FIFA laut "New York Times" vor, dass ursprüngliche Plätze der ersten Kategorie später für Firmenpartner und VIP-Gäste vorgesehen wurden. Als die FIFA zuletzt neue Premiumsitze anbot, nährte dies den Verdacht der Fans.
Wie reagiert die FIFA?
Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur äußerte sich die FIFA. Die vor der Last-Minute-Phase veröffentlichten Pläne "dienten lediglich als Orientierungshilfe und nicht als exakte Sitzplatzübersicht", teilte ein Sprecher mit. So wollte die FIFA mit dem Start der Verkaufsphase organisierten Fans einer Nationalmannschaft dabei helfen zusammenzusitzen.
Die FIFA widersprach, dass die zentralen Unterrangplätze ursprünglich in der ersten Kategorie waren. "Die Einführung neuer Produkte für die erste Reihe spiegelt die aktuelle Verkaufsphase wider, in der einzelne Plätze angeboten werden können, und ändert nichts an dem kategorienbasierten Modell, nach dem frühere Tickets verkauft wurden", teilte die FIFA mit. Allen Fans seien Plätze innerhalb der gekauften Kategorie oder besser zugewiesen worden.
Wie reagieren Fan-Verbände?
Die Organisation Football Supporters Europe (FSE) reichte bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde gegen die WM-Ticketpolitik der FIFA ein.
"Für die mitreisenden Fans ist dies die teuerste Weltmeisterschaft aller Zeiten - von den Eintrittskarten über die Reise bis hin zur Unterkunft", sagte ein Sprecher der britischen Football Supporters' Association Anfang des Monats der Nachrichtenagentur PA. "Die lächerlichen Ticketpreise und die undurchsichtigen Richtlinien der FIFA haben viele Fans zu dem Schluss geführt, dass sie es sich schlichtweg nicht leisten können, das größte globale Fußballereignis zu besuchen."
Was hat es mit dem Zweitmarkt auf sich?
Auch der Zweitmarkt der FIFA, auf dem erworbene Tickets weiterverkauft werden können, schreckt viele Fans ab. Der Grund: Die Preise können ohne Regulierung von Verkäufern bestimmt werden, teilweise werden horrende Preise verlangt. Der Weltverband kassiert eine Provision von 15 Prozent der verkauften Zweitmarkttickets. Lediglich in Mexiko gelten offenbar Bestimmungen, dass die Zweitmarktpreise den eigentlichen Ticketpreis nicht übersteigen dürfen.
Für einen Platz im Unterrang beim ersten Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curacao in Houston werden auf dem Zweitmarkt 2.300 Dollar verlangt - das sind etwa 1.955 Euro. Selbst für einen Sitzplatz unter dem Dach werden 805 Dollar fällig.
Das Modell für den Zweitmarkt entspreche den gängigen Praktiken auf dem Ticketmarkt für große Sportveranstaltungen in den Gastgeberländern, verteidigt sich die FIFA. Im Gegensatz zu gewinnorientierten Drittanbietern von Ticketmarktplätzen würden die FIFA-Einnahmen über die 211 Mitgliedsverbände in die weltweite Entwicklung des Fußballs reinvestiert.










