Die vergangene Skisprung-Saison verlief für Polen keineswegs zufriedenstellend. Alleine Supertalent Kacper Tomasiak sorgte für positive Schlagzeilen. Es kam daher nicht überraschend, dass die stolze Skisprung-Nation tiefgreifende Änderung vornahm, auch über ein Aus von Nationalcoach Maciej Maciusiak wurde spekuliert. Nun geht das Land aber offenbar einen ganz eigenen Weg.
Wie Adam Małysz, Skisprung-Legende und Verbandspräsident der Polen, im Gespräch mit "TVP Sport" verrät, wird die polnische Nationalmannschaft zukünftig aufgeteilt und in zwei Trainingsgruppen von verschiedenen Übungsleitern trainiert. "Es wird weder eine Aufteilung nach Alter noch nach Trainingszentren geben. Drei ausgewählte Spieler werden für eine bestimmte Phase zu einem Trainer gehen, die anderen drei zum anderen", plauderte er aus.
Während sich um die eine Hälfte des A-Kaders der Nationalcoach Maciej Maciusiak kümmern wird, soll Michal Doleżal, der bis zum Karriereende von Kamil Stoch als dessen Privattrainer aktiv war, die anderen Akteure betreuen. "Man kann das sicherlich als Experiment bezeichnen. Ich weiß, dass es in einigen anderen Ländern etwas Ähnliches gibt und dass es dort funktioniert", glaubt Małysz an den Erfolg Modells.
"Trockentraining, Simulationsübungen, Krafttraining und Ähnliches werden sie gemeinsam absolvieren, aber auf der Schanze werden sie dem jeweiligen Trainer zugewiesen", verriet der 49-Jährige weitere Details zu den Trainingsbedingungen der stolzen Skisprung-Nation: "Es fällt unseren Trainern leichter, sich zu konzentrieren und Anweisungen zu geben, wenn sie weniger Athleten unter ihrer Obhut haben."
Skispringen: Horngacher leitete bereits Einheit
Neben Maciusiak und Doleżal soll bei der neuen Methode auch Stefan Horngacher eine wichtige Rolle einnehmen. "Er sieht sich als Trainer, als eine Art Berater und Leiter. Ich war sogar bei einem Training dabei, bei dem Stefan die Einheit leitete und gemeinsam mit den Trainern bestimmte Änderungen vorstellte. Es ist toll, dass er sich so aktiv einbringt", erklärte der "Polish Eagle" im Gespräch mit dem TV-Sender.
Sorgen, dass das Trio nicht erfolgreich zusammenarbeiten wird, macht sich Małysz nicht. "Nach Gesprächen mit Michal, Maciek und Stefan weiß ich nun, dass diese Gefahr nicht besteht", legte er sich fest: "Ich sehe, dass sie sich abends wieder zusammensetzen und über einzelne Spieler diskutieren. Das lohnt sich, denn jeder Trainer sieht etwas anderes."
Als Entmachtung des in der vergangenen Skisprung-Saison in die Kritik geratenen 44-Jährigen sei die neue Rolle für Doleżal übrigens nicht zu verstehen. "Man kann keine Position eines zweiten Cheftrainers einführen", erklärte der Mann aus Wisla das Machtgefüge mit Blick auf den Tschechen: "Michal versteht sich aber sicher gut mit Maciek. Er ist sozusagen ein Assistent, aber nicht in dem Sinne, dass der Cheftrainer allein das Sagen hat."
