Ex-Skispringer Sven Hannawald blickt auf eine extrem bewegte Karriere zurück - mit Höhen, aber auch Tiefen. Litt er wirklich an Magersucht? Und wie war das mit seinem Burn-Out? Das sagt der 51-Jährige selbst dazu.
Der Kampf ums Gewicht begleitete Hannawald zwar auch während seiner erfolgreichsten sportlichen Phase rund um den Vierfach-Triumph bei der Vierschanzentournee 2001/2002. Magersüchtig sei er aber nie gewesen, betonte er in einem Beitrag der Serie "Die 50 größten Sportler Deutschlands" von "Sport Bild".
"Ich war lediglich in einem Grenzbereich", sagte der 1,85 Meter große Ex-Athlet, der damals zeitweise nur 63 Kilogramm wog. "Leicht fliegt besser, so ist das eben in unserer Sportart. Ich wollte immer leichter werden, um noch weiter fliegen zu können."
Die damit verbundenen Entbehrungen zahlten sich aus. Mit seinen Tournee-Siegen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen schrieb Hannawald ein Kapitel Sportgeschichte. "Ich habe mich in einen Rausch gesprungen", blickte er auf den historischen Triumph zurück, der ihm als erstem Skispringer überhaupt gelang.
Hannawald erzählte: "Ich habe einfach mein Zeugs gemacht, wie ich es ja auch immer in diversen Interviews erzählt habe. Doch die zwei Tage bis zum letzten Springen in Bischofshofen waren grausam. Meine Gedanken kreisten ständig um den möglichen Vierfachsieg. Nachts habe ich kaum ein Auge zugemacht."
Nach dem Tournee-Erfolg folgte noch der Team-Olympiasieg in Salt Lake City. In Deutschland brach ein regelrechter Hype um Hannwald aus.
Dann aber ging es mental und auch sportlich bergab. "Die Erwartungen, vor allem meine eigenen, belasteten mich zunehmend. Irgendwann breitete sich eine große Müdigkeit in meinem Kopf aus. Es war, als wäre mein inneres Feuer erloschen. Häufig hatte ich keine Kraft mehr, das zu tun, was ich eigentlich tun wollte", blickte er auf diese Zeit zurück.
Skispringen: "Perfektionist" Hannawald zieht "Lehre aus der Vergangenheit"
Nach langem Rätselraten und einem "Horror-Urlaub" in Barcelona im März 2024 erhielt Hannawald die Diagnose Burn-Out.
"Im Nachhinein betrachtet habe ich mich zu sehr von dem Leistungssport vereinnahmen lassen", gab er zu. "Ich habe 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche nur an Skispringen gedacht. Ich bin ein Perfektionist, habe die Latte immer so hoch wie möglich gelegt, schon als Kind. Siege haben mir nicht gereicht, es musste mit Schanzenrekord sein. In jungen Jahren steckt man das noch weg. Aber irgendwann meldet sich der Körper, und du platzt. Ich hätte mir viel früher Auszeiten nehmen sollen."
2005 beendete Hannawald offiziell seine Skisprung-Karriere. Heute lebt er ganz anders als früher. "Ich teile mir meine Zeit gut ein, auch das ist eine Lehre aus der Vergangenheit", betonte Deutschlands Sportler des Jahres 2002, der heute unter anderem als TV-Experte tätig ist.
