Polens Skisprung-Legende Adam Malysz hat in einem ausführlichen Interview spannende Einblicke in die wendungsreiche Posse rund um die mögliche Verpflichtung von Ex-Bundestrainer Stefan Horngacher gegeben.
"Wir hatten bereits vor etwa zwei Monaten die Gespräche mit Stefan Horngacher aufgenommen und über die gesamte Struktur geredet", schilderte Malysz gegenüber "skijumping.pl".
Eine Einigung war praktisch erzielt, dann jedoch legte der polnische Verband die Personalie auf Eis. Hintergrund: die anstehende Vorstandswahl am 13. Juni, zu der Verbandschef Malysz nicht mehr antritt, wie er inzwischen mitteilte.
"Das hat mich alles ein bisschen getroffen", gab der 48-Jährige zu. "Ehrlich gesagt war ich anfangs ein bisschen verärgert über diese Situation. [...] Ich habe versucht zu erklären, dass bei Funktionären dieses Kalibers Zeit ein entscheidender Faktor ist. Solche Verträge werden normalerweise im April unterzeichnet oder zumindest gibt es dann konkrete Zusagen."
Horngacher von Polen-Posse "ziemlich mitgenommen"
Für begehrte Mitarbeiter wie Horngacher, der in Polen als Sportdirektor der Skispringer anheuern soll, gebe es zahlreiche Offerten. "Wenn man also wirklich jemanden verpflichten will, muss man ihm ein Gefühl der Sicherheit vermitteln", betonte Malysz.
Er stellte aber auch klar, dass er inzwischen zu dem Schluss gekommen sei, dass der Vorstand das Recht dazu hatte, die Entscheidung in der Causa Horngacher auf die Zeit nach der Wahl zu vertagen.
Am 56 Jahre alten Österreicher geht das Hin und Her laut Malysz wohl nicht spurlos vorbei. "Das hat ihn sicher ziemlich mitgenommen. Mich hat es auch mitgenommen, weil es mir in dieser Situation einfach peinlich war, mit ihm zu sprechen. Man könnte sagen, dass ich ihm an einem Punkt sogar versichert hatte, wir würden zusammenarbeiten, was es mir noch schwerer machte, ihn anzurufen und ihm die Neuigkeiten mitzuteilen."
"Viele Menschen" in Horngachers Lage, ergänzte die Skisprung-Ikone, "wären beleidigt gewesen, hätten aufgegeben oder wären woanders hingegangen. Aber Stefan kennt Polen, er kennt dieses Umfeld".
Skispringen: Horngacher hat "größere Ambitionen"
Der ehemalige Bundestrainer habe "erzählt, dass er in Deutschland eine bestimmte Vision umsetzen wollte, dies aber nicht vollständig möglich war" und verfolge "größere Ambitionen".
Horngacher wolle "etwas schaffen, das über Jahre Bestand hat, sein Wissen weitergeben und ein System aufbauen, anstatt nur im Hier und Jetzt zu agieren", erklärte Malysz.
Ihm zufolge sei Horngacher weiterhin dazu bereit, den Sportdirektorenposten anzutreten, so der viermalige Skisprung-Weltmeister.
Er selbst sei in die Angelegenheit aber nicht mehr involviert. "Ich führe derzeit keine Gespräche mehr mit ihm. Natürlich stehen wir in Kontakt und tauschen uns aus, aber ich bin nicht befugt, die Verhandlungen fortzusetzen."
