Nach anhaltender Kritik aus Teilen des Fahrerlagers und ersten Anpassungen in den vergangenen Wochen kassiert die Formel 1 ein Konzept seines revolutionären Reglements wieder ein: Ab der kommenden Saison soll der Verbrenner in der Power Unit mehr Energie liefern als der Elektro-Anteil. Ein weiteres Anzeichen der "Rolle rückwärts", meint F1-Experte und RTL-Reporter Dr. Felix Görner.
Mehr Verbrenner statt Elektro: Die Formel 1 hat am Freitag in einer Online-Sitzung gemeinsam mit den Teamchefs, dem Management der Rennserie und Vertretern der Motorenhersteller erneute Änderungen am Reglement beschlossen.
Ab 2027 soll der Verbrennermotor in der Power Unit etwa 60 Prozent der Gesamtleistung liefern. Die Leistung soll um 50 Kilowatt (rund 67 PS) steigen - zu Lasten des Elektro-Anteils. Die Leistungssteigerung soll mit einer Erhöhung der Kraftstoffdurchflussrate einhergehen, wobei die Leistungsabgabe des Energierückgewinnungssystems (ERS) um 50 Kilowatt reduziert wird.
Erst zur Saison 2026 hatte die Formel 1 ihre Hybrid-Antriebe revolutioniert und den Anteil der Elektro-Energie auf fast 50 Prozent erhöht. Das führte jedoch dazu, dass die Fahrer aufgrund des hohen Stromverbrauchs nicht immer mit voller Geschwindigkeit fahren konnten, da sie die Batterie laden mussten. Auch Sicherheitsbedenken waren in diesem Zuge erneut aufgekommen, da die Piloten unterschiedlich schnell auf der Strecke waren.
"Die Fahrermeinung nimmt Gott sei Dank wieder mehr Gewicht ein"
Als Chefkritiker hatte sich etwa Max Verstappen aufgetan, der vierfache Formel-1-Weltmeister drohte gar offen mit einem Rückzug aus der Königsklasse - und geht inzwischen lieber bei den 24 Stunden vom Nürburgring (am 15. und 16. Mai live bei NITRO) an den Start.

"Die Fahrermeinung nimmt Gott sei Dank wieder mehr Gewicht ein", meint auch F1-Experte und RTL-Reporter Dr. Felix Görner in einer Einschätzung für sport.de. FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem, der sich zuletzt offen für die Rückkehr zu den V8-Motoren gezeigt hatte, befeuere damit "jetzt ganz klar die Stärkung des Verbrenners", so Görner: "Damit ist es auch ein Eingeständnis, dass das neue Reglement nicht gut ist."
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Das zeige sich etwa an den Änderungen, die bereits in der April-Pause auf den Weg gebracht wurden, sowie an der erneuten Kurskorrektur für die kommende Saison. "Die Rolle rückwärts ist richtig. Sie wird die Formel 1 wieder zumindest in die richtige Richtung treiben."
Wie weit dreht die Formel 1 das Rad zurück?
Laut Mitteilung der FIA herrschte nun "Einigkeit darüber, Änderungen einzuführen, die einen fairen und sicheren Wettbewerb weiter stärken, für Fahrer und Teams intuitiv verständlich sind und dem Wohl des Sports insgesamt dienen."
Bevor das "endgültige Maßnahmenpaket verabschiedet wird", sollen "weitere detaillierte Diskussionen in technischen Arbeitsgruppen" stattfinden. Bei dem Online-Meeting waren zunächst die zum Großen Preis von Miami eingeführten Regelanpassungen überprüft worden. Das Fazit fiel hierbei positiv aus. Es seien nach der Einführung dieser Anpassungen "keine wesentlichen Probleme oder Sicherheitsbedenken" festgestellt worden seien.
Bei den Fahrern hatten die Anpassungen in Miami für positive Reaktionen gesorgt, wenngleich es einigen noch nicht weit genug ging. "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wir sind noch nicht da, wo die Formel 1 sein sollte. Das wird nur gehen, wenn die Elektro-Batterie wieder abgeschafft wird. Vielleicht in ein paar Jahren", sagte etwa Weltmeister Lando Norris.
Auch das neue Verbrenner-Elektro-Verhältnis ab 2027 dürfe noch nicht bei allen Fahrern der Formel 1 auf Gegenliebe stoßen. "Ein Max Verstappen wird sagen: Das ist immer noch nicht genug", schätzte RTL-Experte Felix Görner ein.





