In Edmonton brennt es nach dem frühen Playoff-Aus in der NHL lichterloh. Wie geht es für Connor McDavid, Leon Draisaitl und Co. jetzt weiter? Was sind die größten Brennpunkte bei den Oilers? Eine Analyse.
Die vermeintlich beste Nachricht erreichte Edmonton, noch bevor die erste Playoff-Minute überhaupt gespielt war. Die Florida Panthers, denen die Oilers in den Finals 2024 und 2025 knapp unterlegen waren, hatten sich nicht für die Playoffs qualifiziert.
War diesmal also der Weg frei für Connor McDavid und Co.? Mitnichten: Die Oilers scheiterten in der ersten Runde mit 2-4 an den Playoff-unerfahrenen Anaheim Ducks, die zum ersten Mal seit 2017 wieder eine Playoff-Serie gewannen und dabei 14 Playoff-Debütanten im Team hatten. Und die Oilers scheiterten völlig verdient.
Ja, Leon Draisaitl (Knie) und McDavid (Fuß) waren angeschlagen und konnten nicht 100 Prozent abliefern. Ja, kein NHL-Team hat seit 2022 mehr Playoffspiele abgespult als die Oilers (81) und dabei viele Körner liegen lassen (am besten mal bei den Panthers aus Florida nachfragen).
Aber das sollte für eine Organisation mit solch hohen Ansprüchen nicht als Ausrede herhalten. "Wir waren schon die ganze Saison nur ein durchschnittliches Team", sagte McDavid. "Wenn du eine durchschnittliche Mannschaft mit hohen Erwartungen bist, dann wirst du enttäuscht."
An den mehr als deutlichen und ehrlichen Aussagen von Draisaitl und McDavid nach dem enttäuschenden frühen Aus merkte man, dass bei den Oilers einiges im Argen liegt. Was bedeutet das für die kommende Saison? Was muss passieren, dass Edmonton wieder ganz vorn mitspielt? undrafted hat sich die wichtigsten vier Punkte herausgepickt – und sich auf die Suche nach Antworten gemacht.
Die Zukunft von Connor McDavid:
Die Worte von Leon Draisaitl waren klar und unmissverständlich. "In welcher Welt hast du den besten Spieler der Welt in deinem Team und strebst nicht den Erfolg an?", fragte Draisaitl rhetorisch nach dem Ausscheiden gegen die Ducks. Und dann fiel der Satz, der im NHL-Kosmos die Runde machte: "Wir haben noch zwei Jahre hier."
Zwei Jahre deshalb, weil dann, im Sommer 2028, McDavids Vertrag ausläuft. Während der Saison hatte der Kapitän den kurzen Vertrag unterschrieben, der ihm pro Saison 12,5 Millionen Dollar einbringt. Dass dieser deutlich unter dem eigentlichen Marktwert von McDavid ist, versteht sich von selbst. Der Kapitän wollte damit seinen Teil dazu beitragen, dass die Organisation rund um Draisaitl und ihn ein Championship-Team bauen kann. Diese Saison waren sie weit davon entfernt.
Nach dem enttäuschenden Playoff-Aus sagte McDavid: "Ich will Erfolg haben, und ich möchte hier in Edmonton Erfolg haben." Er sagte aber auch, der Geduldsfaden sei ziemlich dünn.
Das griff Ex-NHL-Spieler Anson Carter auf. Der TV-Experte bei TNT sagte, er gebe den Oilers ein Jahr. Er wisse, dass McDavid einen Zweijahresvertrag habe, aber wenn es nächste Saison nicht "drastische Verbesserungen" gebe, könne Carter sich vorstellen, dass McDavid getradet werde. Die Oilers ohne McDavid – alleine der Gedanke daran war bis vor wenigen Monaten unvorstellbar. So schnell kann sich die Lage ändern.
Es scheint klar: Wenn die Oilers McDavid langfristig halten wollen, müssen sie in der kommenden Saison wieder nahe an den Stanley Cup herankommen, oder ihn sogar gewinnen? Nahe dran war McDavid mit den Oilers ja schon. Und was passiert überhaupt, sollte McDavid nicht mehr in Edmonton spielen in ein paar Jahren? Würde dann Draisaitl trotz langfristigen Vertrags womöglich seine Zukunft auch lieber woanders sehen? Edmonton steht unter einem brutalen Druck.
Die wackelige Defensive:
26 Gegentore: So viele kassierten die Oilers in den sechs Playoff-Spielen gegen Anaheim – im Schnitt sind das mehr als vier pro Partie. Mit solchen Werten ist es schwer, Playoffspiele zu gewinnen. Sinnbildlich für die wackelige Defensive war eine Szene im entscheidenden Spiel sechs, als Evan Bouchard die Scheibe an der Bande verlor und die Ducks aus einem Konter heraus trafen. Ja, Bouchard ist einer der besten Offensivverteidiger der Liga, aber in den Playoffs reicht Offensivpower alleine nicht aus.
"Es ist die Geschichte der gesamten Saison, dass wir nicht gut genug verteidigt haben", sagte Oilers-Trainer Kris Knoblauch. "Normalerweise gewinnst oder verlierst du aufgrund deines Defensivspiels - und unseres war nicht gut genug."
TV-Analyst Craig Button formulierte es bei TSN noch deutlicher: Edmontons Defensive sei ein "großes Problem". Das machte sich auch in Unterzahl bemerkbar. Eine indiskutable Quote von 50 Prozent in der Serie gegen die Ducks war auch ein Grund, warum Edmontons Saison jetzt schon zu Ende ist. Verantwortlich für das Ducks-Power-Play ist übrigens Ex-Oilers-Trainer Jay Woodcroft.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis in der Oilers-Defensive stimmt an mehreren Stellen nicht. Darnell Nurse, der in der Hauptrunde eine Plus-Minus-Statistik von -12 aufwies und in den Playoffs in sechs Spielen keinen Scorerpunkt verbuchte, verdient mehr als neun Millionen Dollar pro Jahr; Verteidigerkollege Jake Walman (-17 in der Hauptrunde, zumindest vier Assists in den Playoffs) ab der kommenden Saison sieben Millionen.
Die Torhüter-Situation:
Connor Ingram und Tristan Jarry: So hießen die zwei Goalies, mit denen die Oilers in dieser Saison den Cup zurückholen wollten. Ihre Statistiken blieben vieles schuldig: In den Playoffs kam keiner von beiden an 90 Prozent Fangquote heran, auf die ganze Saison gesehen landete Jarry bei 85,8 Prozent, Ingram bei 89,9 Prozent. Große Namen suchte man in Edmontons Goalie-Team auch in dieser Saison vergeblich, die Statistiken passten sich dem an.
Besonders der Jarry-Skinner-Trade mit den Penguins ging so gar nicht auf. Er war ein kolossaler Fehler mit Ansage. Jarry konnte sich nicht als Nummer eins etablieren, bestritt in der Serie gegen die Ducks nur ein Spiel. Schlimmer noch: Seit Jarry in Edmonton ist, soll er wohl im Training sogar mal mit seinen Teamkollegen aneinander geraten sein.
Das Schlimmste an dem Trade aus Oilers-Sicht: Jarry hat noch einen Vertrag bis 2028 und verdient 5,4 Millionen Dollar pro Jahr. Das ist viel Geld. Zur Nummer eins, auch in den Playoffs, avancierte Ingram, der nach einer 22-Spiele-Saison in Utah nach Edmonton gewechselt war. Fakt ist: Ingram und Jarry sind keine Torhüter, die der Konkurrenz in den Playoffs Furcht einflößen.
Ein Blick auf den Goalies-Markt in der Liga seit dem Sommer 2025 zeigt, was die Oilers hätten haben können: Alex Lyon (Buffalo), Dan Vladar (Philadelphia), Arturs Silovs (Pittsburgh) oder Anton Forsberg (Los Angeles) wechselten seitdem ihre Klubs – einige von ihnen zeigen in den laufenden Playoffs, zu was sie in der Lage sind.
Die Oilers wären in der Theorie gut beraten, sich den diesjährigen Goalie-Free-Agent-Markt genauer anzuschauen. Gegenwärtig sind da noch Frederik Andersen, der mit Carolina großartige Playoffs spielt, und Floridas Meister-Goalie Sergej Bobrovsky auf dem Tisch. Ob diese Kaliber für Edmonton zu bezahlen sein werden, selbst mit ansteigendem Salary Cap ist die Situation für die Oilers herausfordernd, wird sich zeigen müssen. Eine einfache Lösung auf der Goalie-Position ist schlicht und ergreifend nicht wirklich in Sicht.
Die sportliche Leitung um GM Stan Bowman:
Scott Bowman sprach ruhig und konzentriert bei der finalen Medienrunde nach dem frühen Playoff-Aus. Mimik und Gestik verrieten wenig, wie es in ihm aussieht. Klar ist aber: Der Druck auf den General Manager steigt. Das hatten zuvor die Worte seiner zwei besten Spieler zu verstehen gegeben.
"Ich bin beunruhigt, denn wir bewegen uns nicht in die richtige Richtung", sagte Draisaitl – und legte noch nach: "Wir haben große Schritte nach hinten gemacht." McDavid stimmte Draisaitl zu und präzisierte es: Die Organisation "als Ganzes" habe sich nach hinten entwickelt. Das Management habe die Spieler im Stich gelassen, betonte TNT-Experte Paul Bissonnette. An der Spitze der Oilers gebe es "gravierende Mängel".
Im Fokus steht der komplette Kader. Defensive und Torhüter haben wir ja bereits besprochen, doch es geht auch generell um die Altersstruktur. Draisaitl ist 30 Jahre alt, McDavid 29 – und rund um die beiden Topstars sind einige wichtige Spieler noch älter: Ryan Nugent-Hopkins und Zach Hyman sind 33, Mattias Ekholm bereits 35. Nurse und Walman haben die 30 auch schon überschritten. Dazu kommt ein 27-Millionen-Dollar schwerer Sieben-Jahres-Vertrag für Trent Frederic, der in der gesamten Saison (inklusive Playoffs) sieben Scorerpunkte in 78 Spielen verbuchte.
Wenn man sich die Kaderprobleme der Oilers anschaut, kommt man auch immer wieder darauf zurück, wie man vor ein paar Jahren Dylan Holloway und Philip Broberg an die St. Louis Blues verlor. Es war eine katastrophale Fehlentscheidung, unter der Edmonton bis heute leidet. Mit Broberg in der Abwehr und Holloway (51 Scorerpunkte in 59 Spielen in der letzten Saison) im Sturm wären die Oilers ein anderes Team. Auch Ryan McLeod in Buffalo stark aufspielen zu sehen, dürfte Oilers-Fan wehtun.
Nicht alles davon ist Bowman anzulasten, weil es auch vor seiner Zeit passierte, aber Fakt ist, dass Edmonton unglaublich viele wichtige Rollenspieler verloren hat und einfach eine schlechtere Mannschaft geworden ist um die Superstars herum.
So hat Bowman jetzt einiges zu tun. "Wir brauchen tatsächlich einige neue Spieler", bestätigte er. Gleich zwölf Verträge laufen jetzt im Sommer aus, darunter die von Ingram, Kasperi Kapanen (mit vier Toren der erfolgreichste Oilers-Torschütze der Playoffs), Unterzahl-Spezialist Jason Dickinson und Connor Murphy.
"Die Uhr tickt", betonte Cheftrainer Kris Knoblauch. Man sehe es in der NHL: "Die Zeitfenster für erfolgreiche Teams sind begrenzt – sei es, weil Spieler altersbedingt ihren Zenit überschreiten oder aufgrund der Situation beim Salary Cap." Die Oilers seien in einer "Win now"-Situation, sagte Knoblauch. Daran werden sie sich kommende Saison messen lassen müssen, denn diese Spielzeit waren sie davon weit entfernt.
Artikel zur Verfügung gestellt von undrafted - new digital home of US sports, die neue Informationsplattform für alle Fans der NFL, NBA, NHL und MLB. undrafted ist als App verfügbar für iOS und Android. Weitere Informationen unter www.undrafted.ai.


















