Der Krieg im Iran erschüttert den Nahen Osten und trifft auch die Sportwelt mit Wucht. Ob die iranische Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in den USA/Kanada und Mexiko spielen wird, scheint derzeit noch fraglich. Für mögliche Nachrücker gibt es wohl zwei Alternativen.
100 Tage vor dem Start der Fußball-WM in Nordamerika drängen sich große Fragezeichen auf. Eines davon ist, ob Iran überhaupt an dem Turnier teilnehmen wird.
Am vergangenen Samstag starteten Israel und Co-Gastgeber USA einen großen Angriff auf den Iran und töteten unter anderem Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei.
Der iranische Fußballpräsident äußerte sich kurz darauf zur WM-Frage. "Sicher ist, dass nach diesem Angriff nicht zu erwarten ist, dass wir hoffnungsvoll auf die WM blicken", sagte Mehdi Taj einen Tag nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen dem Sportportal "Varzesh3".
Die Situation werde sicherlich auch in den sportlichen Betrachtungen ein Thema sein und erfordere eine Entscheidung. "Das US-Regime hat unser Heimatland angegriffen, und das ist ein Vorfall, der nicht unbeantwortet bleiben wird", betonte Taj weiter. Die Aussichten seien daher derzeit eher trüb.
Aufgrund der 40-tägigen Staatstrauer für den getöteten iranischen Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei ruht jetzt der Spielbetrieb. Im Iran werden nicht nur die Spiele der Liga, sondern auch die für März angesetzten WM-Vorbereitungsspiele ausfallen.
WM 2026: Keine festgelegte Regelung
Und die FIFA? Der Fußball-Weltverband werde die Situation "beobachten", hatte Generalsekretär Mattias Grafstrom am Samstag in Wales gesagt. Die oberste Priorität bleibe ein sicherer Ablauf der Weltmeisterschaft, bei der alle qualifizierten Mannschaften auch teilnehmen können.
Viele Fans fragen sich: Was passiert, wenn Iran nicht zur WM fährt?
Das Team soll bei der Fußball-WM vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA eigentlich in der Gruppe G mit Belgien, Neuseeland und Ägypten spielen.
Eine Nicht-Teilnahme wäre ein Kuriosum in der modernen WM-Ära. Seit 1950 hat sich noch nie eine Mannschaft nach der Auslosung zurückgezogen.
Was genau passiert, ist nicht klar in einer FIFA-Klausel festgelegt. Die Entscheidung liegt aber im Ermessen des Verbandes. Denn in den Turnier-Regularien (u.a. Art. 6) ist festgelegt, dass bei Rückzug oder Ausschluss eine zuständige FIFA-Instanz "nach eigenem Ermessen" entscheidet, welche Maßnahmen ergriffen werden.
Dazu gehört ausdrücklich die Möglichkeit, das Team zu ersetzen oder das Turnierformat bzw. die Gruppe anzupassen (zum Beispiel Dreiergruppe statt Vierergruppe).
Wer rückt nach? Zwei Teams im Fokus
Das sind die realistischsten Nachrücker: Die FIFA würde wohl sehr wahrscheinlich den Ersatz im selben Kontinentalverband (AFC) suchen. Mehrere Medien berichten daher, dass der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate als erste Nachrücker-Kandidaten gelten.
Der Irak steht Ende März im interkontinentalen Playoff-Finale gegen Bolivien oder Suriname und kann dort unabhängig von den aktuellen Diskussionen das WM-Ticket lösen.
Am wahrscheinlichsten gilt derzeit:
- Falls Irak das Ticket in den Playoffs verpasst, könnte das Team als Nachrücker für den Iran nominiert werden.
- Wenn sich der Irak dort qualifiziert, würden wohl die VAE nachrücken. Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten in den Playoffs zuvor gegen Irak verloren. Sie wären also das höchstgerankte Team aus dem Verband, das nicht an der WM teilnimmt.
Dem Iran drohen im Falle einer Absage/Nichtantretens zudem Geldstrafen. Der Verband müsste dann Vorrundenprämien an die FIFA zurückzahlen, auch Sperren sind dann möglich. Je näher die Absage am Turnier liegt, desto höher wären die Strafen laut FIFA-Regularien.









