Alexander Zverev kämpft beim Laver Cup zwischenzeitlich mit der Gesundheit und stöhnt über die lange Tennissaison. Gegen seinen neuen Angstgegner verliert er erneut. Am Ende gelingt ihm ein Sieg.
Alexander Zverev riss die Arme in die Höhe und sprang vor Freude in die Luft, auf der Tribüne hielt es Boris Becker nicht auf seinem Sitz. Mit großem Kampf hatte Deutschlands bester Tennisprofi in seinem dritten Spiel beim Laver Cup in Berlin den ersehnten ersten Sieg gefeiert, die dreitägige Show beim Heimspiel in der Arena am Ostbahnhof endete für Zverev versöhnlich.
6:7 (5:7), 7:5, 10:5 bezwang Zverev am Sonntagabend den US-Amerikaner Frances Tiafoe, die Niederlage für das Team Europa im Duell mit einer Weltauswahl war vorerst abgewendet. Für die Entscheidung im Showturnier sorgte dann der Spanier Carlos Alcaraz durch ein 6:2, 7:5 gegen Taylor Fritz aus dem USA. Team Europa gewann 13:11 und feierte den fünften Gesamtsieg.
"Es war ein Alles-oder-Nichts-Spiel. Ich musste all meine Energie auf dem Platz lassen. Ich bin froh, dass es zum Sieg gereicht hat", sagte Zverev, der das Publikum lobte: "Es war unglaublich. Das war eine der besten Atmosphären, vor denen ich je gespielt habe."
Zverev pustete erleichtert durch, er wirkte nach drei Einsätzen innerhalb von 48 Stunden - der letzte über 2:34 Stunden - müde. "Eine Woche Urlaub", kündigte Zverev über das Hallenmikrofon an, wolle er sich nun gönnen.
Zverev erklärt Boykott für unmöglich
Sein Gesundheitszustand hatte sich gebessert. Am Samstag hatte Zverev beim 4:6, 5:7 gegen Fritz gekränkelt. "Ich war diese Woche ein bisschen krank. Ich glaube, meine Herzfrequenz war ziemlich hoch", sagte Zverev, der weiterspielte.
Glaubt man Zverev, tut er das ganz generell aber zu viel und viel zu oft. Auf die ATP war der 27-Jährige alles andere als gut zu sprechen. Seinem Unmut über die lange Tennissaison machte Zverev Luft. Die Organisatoren der Profitour würde es "nicht interessieren, was die Spieler zur Belastung sagen", denn es gehe "ums Geld". Die ATP-Saison sei "die längste im Sport" mit "unnötig vielen Turnieren".
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Topstars der Szene immer wieder auch an zusätzlichen lukrativen Showveranstaltungen wie in Saudi-Arabien teilnehmen.
Die Saison begann im Dezember des Vorjahres mit den Vorbereitungsturnieren für die Australian Open und endet mit den Finals im Davis Cup in Malaga Ende November. Die deutsche Mannschaft von Bundestrainer Michael Kohlmann hofft dort auf Zverevs Teilnahme. Eine Zusage des Weltranglistenzweiten ist derzeit aber kaum vorstellbar.
Zu viele Turniere, zu viele Spiele, zu wenig Pausen - eine Lösung ist nicht in Sicht. Zu viele Interessen wollen bedient werden. Die ATP verdient mit der Vergabe von Lizenzen viel Geld, die Ausrichter wollen einen Gegenwert für ihr Investment. Die Spieler brauchen Punkte für das Ranking, längere Pausen seien daher keine Option, sagte Zverev.
Auch einen Boykott könne es nicht geben. "Wir können nicht streiken, wir werden bestraft, wenn wir keine Turniere spielen", sagte Zverev. Und so wird munter weitergespielt, als nächstes in Asien. Die Tour macht in Japan und China Station, Anfang Oktober findet das Masters in Shanghai statt.
Berlin verließ Zverev dank des späten Siegs mit einem guten Gefühl.





