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"Collinas Erben" sind verstimmt

Warum die Dortmunder Schiri-Schelte unberechtigt war

Der BVB um Kapitän Marco Reus fühlte sich im Top-Spiel gegen den FC Bayern ungerecht behandelt
Der BVB um Kapitän Marco Reus fühlte sich im Top-Spiel gegen den FC Bayern ungerecht behandelt
Foto: © Bernd Feil/M.i.S./Pool
08. März 2021, 14:50
sport.de
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Borussia Dortmund fühlt sich im Spitzenspiel beim FC Bayern vom Schiedsrichter benachteiligt, doch bei näherem Hinsehen gibt es für die BVB-Beschwerden keinen triftigen Grund. Auch die Bremer und Augsburger kritisieren die Unparteiischen, obwohl diese zumindest vertretbare Entscheidungen in spielrelevanten Situationen treffen.

Unzufrieden waren sie beim BVB nach dem Spiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund (4:2) mit dem Unparteiischen Marco Fritz. "Zu viel auf Zuruf gepfiffen" habe dieser in der zweiten Hälfte zugunsten des Rekordmeisters, fand Emre Can. Sein Mitspieler Marco Reus unterstellte dem Referee sogar, mit zweierlei Maß gemessen zu haben: "Vor dem 3:2 war es ein klares Foulspiel. Wenn das bei Bayern gewesen wäre, hätte der Schiedsrichter gepfiffen", sagte der Dortmunder Kapitän im Interview des Senders "Sky". Sein Trainer Edin Terzić stimmte dem ersten Teil dieser Aussage zu: "Für mich ist es auch ein klares Foul."

In der betreffenden Situation war der Münchner Leroy Sané im Mittelfeld nach einem Ballverlust in einen Zweikampf mit dem ballführenden Emre Can gegangen und hatte dabei seinen angelegten Oberarm engagiert eingesetzt. Ein strafbares Rempeln oder ein Stoßen? Der Dortmunder ging jedenfalls zu Boden, Marco Fritz ließ gleichwohl weiterspielen, die Bayern kamen in Ballbesitz. Eine halbe Minute später traf Leon Goretzka zum 3:2 für die Gastgeber, und der BVB protestierte beim Unparteiischen. Der aber stand auch einen Tag später zu seiner Einschätzung. "Ich habe mir die Szene noch mal angeschaut und bleibe dabei: Das war für mich kein Foulspiel", sagte er der "Bild am Sonntag".

"Kann er pfeifen, muss er nicht"

Anders als Reus und Terzić konnte Can selbst die Entscheidung zumindest nachvollziehen: "Kann er pfeifen, muss er nicht", sagte der 27-Jährige, der vier Jahre lang für den FC Liverpool in der Premier League gespielt hat, wo die Referees insgesamt deutlich weniger Freistöße geben als die Schiedsrichter in anderen europäischen Top-Ligen. Die Linie des Unparteiischen bei der Zweikampfbeurteilung ist auch in diesem Fall von Bedeutung: Ob man den energischen Körpereinsatz von Sané als Foulspiel bewertet oder nicht, ist eine Ermessenssache – und dabei hilft der Blick darauf, wie großzügig oder kleinlich der Referee ansonsten in Grenzfällen amtiert hat.

Marco Fritz führte die Partie insgesamt an der langen Leine, ließ also eine körperbetone Spielweise zu und zerpfiff den Spielfluss nicht unnötig, was den beiden technisch und spielerisch starken Teams entgegenkam und von ihnen angenommen wurde. Elf Freistößen für den FC Bayern standen neun für Borussia Dortmund gegenüber, was zum einen deutlich unter dem Durchschnittswert in dieser Saison von 25,3 Freistößen pro Spiel liegt und zum anderen das vom BVB beklagte Ungleichgewicht bei der Ahndung von Vergehen nicht widerspiegelt. Beim Duell von Sané und Can weiterspielen zu lassen, passte jedenfalls zu Fritz' Linie.

In jedem Fall war diese Entscheidung nicht klar und offensichtlich falsch, doch auch aus einem anderen Grund hätte der Video-Assistent hier nicht eingreifen dürfen, selbst wenn es sich um ein eindeutiges Foul gehandelt hätte: In den 32 Sekunden, die zwischen dem Zweikampf und der Torerzielung vergingen, wechselte einmal der Ballbesitz, als Mats Hummels die Kugel aus dem Strafraum schlug und Nico Schulz sie unbedrängt annahm, um dann jedoch einen Fehlpass zu spielen. Erst danach begann regeltechnisch jene Angriffsphase, die im Treffer der Münchner mündete. Und nur diese wird vom VAR überprüft.

Nur einmal benötigte Fritz die Hilfe des VAR

Auch beim Zweikampf zwischen Joshua Kimmich und Marco Reus im Münchner Strafraum kurz nach der Pause ließ Marco Fritz weiterspielen, was ebenfalls vertretbar war, weil sich ein eindeutiger strafwürdiger Kontakt nicht ausmachen ließ. Reus selbst bestätigte das, als er nach dem Abpfiff im Sky-Interview die Bilder gezeigt bekam. Umgekehrt stand er nach einer halben Stunde im Verdacht, den Ball im eigenen Sechzehnmeterraum strafwürdig mit dem Arm gespielt zu haben. Doch das Urteil des Unparteiischen, der sogleich anzeigte, einen Kontakt mit der Schulter wahrgenommen zu haben, widerlegten die Bilder zumindest nicht, weshalb aus der Kölner Videozentrale kein Widerspruch kam.

Nur in einer spielrelevanten Szene lag Fritz zunächst daneben: Als der Dortmunder Mahmoud Dahoud kurz vor der Pause im Strafraum den mit dem Ball davonziehenden Kingsley Coman deutlich am Fuß traf und ihn so zu Fall brachte, ließ der Referee weiterspielen. Doch das war selbst bei einer großzügigen Zweikampfbewertung nicht mehr zu rechtfertigen, weshalb der VAR eingriff und ein Review empfahl. Fritz verweilte nur kurz am Monitor am Spielfeldrand, dann korrigierte er sich und entschied auf Strafstoß für die Hausherren. Ansonsten hatte er die Begegnung fest im Griff – und seine Herangehensweise, auch im Umgang mit den Spielern, passte sehr gut zu dieser Partie.

Was sonst noch wichtig war:

  •  War der Ausgleichstreffer für den 1. FC Köln gegen Werder Bremen (1:1) durch Jonas Hector irregulär, weil Emmanuel Dennis zuvor den Bremer Torwart Jiří Pavlenka unfair angegangen war? Dieser Meinung war jedenfalls Florian Kohfeldt, der Trainer der Gäste. "Dennis drückt den Arm von Pavlenka weg – und ein Torwart braucht beide Arme, um einen Ball zu fangen. Deshalb ist es ein klares Foul", fand er. Doch so eindeutig war die Sache nicht. Der Kölner ging aus einer besseren Position zum Kopfball, seine Arme setzte er dazu ein, wie es für eine Sprungbewegung im Fußball normal ist. Pavlenka entschied sich gegen die sicherere Faustabwehr, wirkte dabei aber etwas unentschlossen. Die Ballkontrolle erlangte er nicht, deshalb durfte er angegriffen werden. Es kam zu einem Kontakt zwischen den rechten Armen der beiden Spieler; ein Stoßen oder gar Schlagen durch Dennis war dabei nicht auszumachen, sondern lediglich ein leichter Druck. Besondere Rechte im Zweikampf genießen die Torhüter im Strafraum schon länger nicht mehr, daher war es vertretbar, dass Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck den anschließenden Treffer gab und auch der VAR nicht intervenierte. Pavlenka war aus dem Zweikampf einfach als Verlierer hervorgegangen, weil er sich verschätzt hatte.
     
  • Auch um den Strafstoß für Hertha BSC im Spiel gegen den FC Augsburg, der kurz vor Schluss den Siegtreffer zum 2:1 für die Gastgeber brachte, gab es Kontroversen. Der Augsburger Mads Pedersen hatte gegen Lucas Tousart nicht den Ball gespielt, sondern nur mit den Stollen den Fuß des Berliners erwischt. Dieser geriet daraufhin aus dem Tritt, fiel aber erst nach einem Zwischenschritt, weshalb sich manche fragten, ob der Kontakt ursächlich für den Sturz war. Schiedsrichter Florian Badstübner bejahte das und gab deshalb einen Elfmeter, der VAR verzichtete auf eine Intervention. Zu Recht, denn die Strafstoß-Entscheidung war zumindest nicht klar falsch und lässt sich mit der Floskel "hart, aber vertretbar" bewerten.

Alex Feuerherdt

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