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Erfolg auf dem Feld, Ärger auf der Tribüne

Hertha will trotz Traumstart "auf dem Boden bleiben"

Die Alte Dame aus Berlin ist auf einem Höheflug
Die Alte Dame aus Berlin ist auf einem Höheflug
Foto: © getty, Martin Rose
23. September 2018, 10:39

Hertha BSC ist mit einem Startrekord für ein paar Stunden an die Spitze der Bundesliga gestürmt. Gegen Gladbach überzeugte das Team auch spielerisch. In der Fankurve rumort es aber.

Arm in Arm tanzten die Hertha-Profis vor ihren Fans in der Ostkurve, wo ihnen seit gefühlten Ewigkeiten mal wieder der Jubelgesang "Spitzenreiter, Spitzenreiter" entgegenschlug. Doch so ganz wohl fühlten sich Vedad Ibisevic und Co. nach dem 4:2 (2:1)-Spektakel gegen Borussia Mönchengladbach in der Rolle des Tabellenführers nicht.

Nicht nur, weil die Berliner ahnten, dass Meister Bayern München drei Stunden später mit einem 2:0 (1:0)-Sieg bei Schalke 04 Platz eins zurückerobern sollte. Sondern vor allem, weil Hertha trotz des klubeigenen Startrekords bescheiden bleiben will. Trainer Pál Dárdai nahm das Wort "Spitzenreiter" fast verächtlich in den Mund, und dann mahnte er: "Wir dürfen uns nicht anlügen."

Dárdai schwärmt: "Das war heute Spaß."

Auf Augenhöhe mit den Bayern, die am kommenden Freitag zum Topspiel ins volle Olympiastadion kommen? Nicht doch, meinte auch Doppeltorschütze Ibisevic (31. und 63.). "Die Fans dürfen solche Sachen gerne raushauen. Wir müssen aber auf dem Boden bleiben", sagte der Kapitän.

Mit zehn Punkten aus vier Spielen ist die "Alte Dame" so gut wie noch nie aus den Startlöchern gekommen - und das nicht nur mit Betonfußball. Gegen die hochgehandelten Gladbacher gefielen die Berliner vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw mit sehr ansehnlichen Kombinationen. "So ein schönes Offensivspiel habe ich auch schon lange nicht gesehen", sagte Dárdai: "Danach bin ich zum Manager und habe gesagt: Das war heute Spaß."

Optimale Kaderzusammenstellung?

Manager Michael Preetz und Dardai haben ganz offensichtlich den Kader in der Sommerpause trotz schmalen Etats optimal zusammengestellt. "Die Mischung passt", sagt Dárdai.

Haudegen wie Ibisevic und Salomon Kalou, der das 3:1 für seinen Sturmpartner mustergültig vorbereitete, ergänzen sich prima mit den "jungen Wilden" um die Flügelflitzer Valentino Lazaro und Javairo Dilrosun. Und Spielmacher Ondrej Duda, Königstransfer der Saison 2016/17, zündet mit Verspätung. Das Tor zum 4:2-Endstand war bereits der vierte Saisontreffer für den Slowaken.

Ärger mit den Fans überschattet Siegesserie

Liegen sich also alle glückselig in den Armen beim Hauptstadtklub? Nicht ganz. Zum einen trübte der Bänder- und Kapselriss von Marko Grujic die Stimmung, die Liverpool-Leihe wird mehrere Wochen fehlen. Zum anderen rumort es nach wie vor in der aktiven Fanszene wegen der Digitalisierungs- und Marketing-Offensive, die Geschäftsführer Paul Keuter federführend vorantreibt.

Gegen Gladbach forderten Teile der Fans erneut den Rücktritt des ehemaligen Twitter-Sportchefs für Deutschland. Auf einem Plakat wurde der neueste Hertha-Werbeslogan ("In Berlin kannst Du alles sein. Auch Herthaner") umgewandelt in: "In Berlin kannst Du alles sein. Auch arbeitslos - Keuter raus!".

Der viel gescholtene Keuter lässt sich aber nicht von dem Weg abbringen, den er und seine Kollegen in der Geschäftsführung eingeschlagen haben. Hertha wolle "irgendwann die ganze Vielfalt Berlins im Stadion haben", betonte Keuter bei "Sky".

Spielt Hertha wie gegen Gladbach, dürften wieder mehr Fans ins Olympiastadion kommen. Im nächsten Heimspiel gegen Bayern ist die Riesenschüssel ohnehin voll. Es wird ein Spitzenspiel, egal ob Hertha zuvor am Dienstag in Bremen punktet. Wer hätte das gedacht.

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