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Schicksalstage: Köln und Veh vor Herkulesaufgaben

Armin Veh soll den 1. FC Köln wieder in die richtigen Bahnen lenken
Armin Veh soll den 1. FC Köln wieder in die richtigen Bahnen lenken
07. Dezember 2017, 10:53
sport.de
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Es könnte eine so schöne Vorweihnachtszeit in Köln sein. Die fünfte Jahreszeit nimmt ihren Lauf, im Schatten des Doms duften Glühwein und Punsch auf den Weihnachtsmärkten. Doch für die Fans des 1. FC Köln droht sich die bisherige Leidenszeit auch über die eigentlich so besinnlichen Tage auszudehnen. Immerhin: Mit dem neuen Sportchef Armin Veh soll es nun wieder aufwärts gehen.

Quasi zum Nikolaus präsentierte der Effzeh Veh als den neuen Geschäftsführer Sport, der sich einer äußerst schwierigen Aufgabe stellt. Der Weihnachts-Wunschzettel der Geißböcke ist nämlich lang: Ein neuer Trainer, ein Ende der Verletzten-Misere, ein erster Bundesliga-Sieg und vieles mehr.

Der geschasste Peter Stöger hatte in vier Jahren den einst als Karnevalsverein belächelten Klub in einen Europa-League-Teilnehmer verwandelt. Respektiert, finanziell saniert, solide. Mit Stögers Entlassung am vergangenen Sonntag ist dies allerdings weitestgehend Geschichte.

Präsident Werner Spinner, Geschäftsführer Alexander Wehrle und Co. schafften es dabei, die "einvernehmliche" Beurlaubung des bei den Fans beliebten Österreichers vollkommen an die Wand zu fahren. Interimstrainer Stefan Ruthenbeck trug seinen Teil dazu bei, in dem er bereits vor der Partie gegen Schalke in einer Ansprache an seine Jugend-Mannschaft ausplauderte, dass er in Kürze Stögers Job übernehmen werde. "Natürlich ist das nicht glücklich. Punkt", gab sich der 45-Jährige hinterher reumütig. Trotzdem: Kein guter Start für das Arbeitsverhältnis.

Ruthenbeck krempelt alles um 

Spinner suchte die Fehler eher bei den handelnden Verantwortlichen. "Wir müssen über unsere Gremienarbeit nachdenken. Was da alles an die Öffentlichkeit geraten ist, das ist sehr bedenklich", erklärte der FC-Boss. Doch auch der 69-Jährige kann sich nicht von Versäumnissen freisprechen. Seit Wochen waren Teile des Vereins im Zwiespalt mit Stöger. Der Klub hätte längst reagieren können. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Maßnahme wie pure Verzweiflung – denn die Kölner befinden sich sportlich in einer echten Schicksalswoche.

Am Donnerstagabend (21:05 Uhr im sport.de-Liveticker) können die Domstädter mit einem Sieg bei Roter Stern Belgrad das Weiterkommen in der Europa-League schaffen. Am Sonntag geht es dann gegen den SC Freiburg wohl um die letzte Chance, den Anschluss in der Bundesliga zu halten.

Von Stefan Ruthenbeck verspricht man sich bis zur Winterpause einen neuen Impuls. "Wir wollen aggressiver spielen, das geht aber nicht, wenn man die Hose voll hat", so der 45-Jährige: "Wir müssen Mut mitbringen. Passivität ist nicht mein Ding."

Konstantin Rausch und Co. brauchen dringend drei Punkte in der Bundesliga
Konstantin Rausch und Co. brauchen dringend drei Punkte in der Bundesliga

Der neue Mann an der Linie setzt auf Offensive, Pressing und Ballbesitz, ganz anders als sein Vorgänger Stöger, der defensiven, kontrollierten Konterfußball bevorzugte. Auch wenn er nicht ganz schuldlos an der Krise ist, Stögers Taktik hatte sich in Köln über Jahre bewährt. Seine Saisonplanung wurde jedoch durch eine beispiellose Verletzten-Misere torpediert.

Dass jetzt ausgerechnet Ruthenbeck, der bei seinen vorherigen Profi-Stationen in Aalen und Fürth scheiterte, mit einer komplett neuen Ausrichtung Erfolg haben soll, noch dazu mit wenig Vorbereitungszeit, scheint eher zweifelhaft.

Veh steht vor schwierigen Aufgaben

Der neue Sportchef sorgt da schon für mehr Zuversicht. "Dass wir Armin Veh überzeugen konnten, diese Aufgabe anzugehen, ist ein echtes Aufbruchssignal für den FC", sagte Werner Spinner. Auch Veh blickt nach vorn: "Ich sehe es als riesige Herausforderung und zugleich eine tolle Möglichkeit, in diesem faszinierenden Traditionsklub etwas zu bewegen." 

Besonders faszinierend wird die Suche nach einem neuen Trainer sein. Markus Anfang von Holstein Kiel gilt als Wunschlösung, doch nach dem PR-Desaster der letzten Tage könnte so mancher Kandidat seine Zweifel bekommen.

Moritz Wollert

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