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Es geht auch anders: Die schönsten Fairplay-Gesten

Aaron Hunt korrigierte 2014 eine Strafstoß-Entscheidung von Schiri Manuel Gräfe
Aaron Hunt korrigierte 2014 eine Strafstoß-Entscheidung von Schiri Manuel Gräfe
Foto: © imago sportfotodienst
18. September 2017, 18:28
sport.de
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Fußball-Deutschland diskutiert die Entstehung des Anschlusstreffers von Carl-Zeiss Jena beim 2:2 gegen den SV Meppen. Die unfaire, aber regelkonforme Aktion von Sören Eismann erhitzt die Gemüter. Der allgemeine Tenor: Das Fairplay wurde von dem Mittelfeldmann mit Füßen getreten.

Dass es auch anders geht, zeigen zahlreiche Beispiele der jüngeren Vergangenheit. sport.de hat vier der schönsten Fairplay-Gesten aus dem Archiv gekramt.

26. September 2012, SSC Neapel - Lazio Rom: Eine ehrenwerte Geste

Miroslav Klose im Blickpunkt: Der WM-Rekordtorschütze bringt Lazio im Spiel beim SSC Neapel im Anschluss an eine Ecke bereits nach drei Minuten in Führung. Im Anschluss protestieren die Hausherren heftig: Klose soll den Ball nicht mit dem Kopf, sondern mit der Hand ins Tor befördert haben.

Tatsächlich hatte der 137-fache deutsche Nationalspieler irregulär getroffen. Schiedsrichter Luca Banti übersah das Handspiel und befragte den Angreifer, der daraufhin zugab, dass das Tor nicht zählen dürfe. Die ganze Mannschaft Neapels bedankte sich bei Klose, für den es "das Normalste auf der Welt" war, sein regelwidriges Tor dem Unparteiischen zu melden. Die Partie verlor Lazio mit 0:3.

09. März 2014, 1. FC Nürnberg - Werder Bremen: Ein geständiger Schauspieler

Am 24. Spieltag der Bundesligasaison 13/14 sorgt der damalige Werder-Kapitän Aaron Hunt für Aufsehen. Im Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg läuft der Mittelfeldmann in Erwartung einer Flanke in den Sechzehner der Franken ein. Sein Gegenspieler Javier Pinola rauscht aus der Mitte des Strafraums heran, um den Pass auf Hunt abzufangen. Dabei trifft der Argentinier den Bremer scheinbar, sodass dieser zu Fall kommt. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigt sofort auf den Punkt.

Doch Hunt, der sich nach dem vermeintlichen Foul schnell wieder aufgerappelt hatte, sucht umgehend das Gespräch mit dem Unparteiischen, um zu gestehen, dass sein Sturz nicht durch den Nürnberger verursacht wurde.

"Ich wollte den Elfmeter haben, aber es war nicht die richtige Entscheidung von mir", erklärt Aaron Hunt nach dem Schlusspfiff. Seinem Team schadet die Ehrlichkeit am Ende nicht, die Hanseaten gewinnen auch ohne den Strafstoß mit 2:0. Für seine besondere Geste wurde der Bremer 2014 mit dem Fair-Play-Preis geehrt.

05. September 2017, FV Ravensburg - FSV 08 Bissingen: Ein luftiger Strafstoß

Während der Oberliga-Partie in Ravensburg kommt es zu einer besonders kuriosen Szene. Beim Spielstand von 1:0 bekommen die Gastgeber in der 59. Minute einen Eckstoß zugesprochen. Der Ball wandert flach in den Fünfmeterraum der Gäste, wo ihn Abwehrmann Alexander Götz kurz mit dem Fuß hochlupft, um ihn dann mit den Händen aus der Luft zu fischen. Der 24-Jährige hatte bei der Annahme gemerkt, dass das Spielgerät keine Luft mehr besaß.

Schiedsrichter Luigi Satriano ist das allerdings nicht bewusst. Deshalb entscheidet der Referee regelkonform auf Handelfmeter für die Hausherren. Auch nach Aufklärung der Szene bleibt er bei seinem Urteil. Steffen Wohlfarth, der mit dem FC Ingolstadt 2008 in die 2. Liga aufgestiegen war, tritt zum Strafstoß an. Der ehemalige Schanzer schiebt die Kugel nach kurzem Anlauf jedoch bewusst rechts am Tor vorbei.

Die Fans im Stadion sind begeistert von der fairen Aktion ihrer Mannschaft, die auch ohne den Elfmeter 2:0 gewinnt. Auch der Unglücksrabe ist von der Einstellung des Gegners beeindruckt: "Ich glaube, das hätte nicht jede Mannschaft gemacht. Diesen Strafstoß absichtlich zu verschießen, das ist schon ganz großes Fairplay", schwärmt Götz nach dem Spiel.

10. September 2017, SV Darmstadt 98 - VfL Bochum: Ein ehrlicher Kapitän

Den Fair-Play-Gedanken lebt auch der Bochumer Kapitän Felix Bastians vor. Nach 63 absolvierten Minuten am Böllenfalltor setzt der Abwehrspieler beim Spielstand von 0:1 auf dem linken Flügel zum Sprint an. Dabei lässt er drei Darmstädter stehen, zieht in den Strafraum und geht in einem Zweikampf schließlich zu Boden. Für Referee Benedikt Kempkes ist der Fall klar: Strafstoß für den VfL!

Die Lilien sind mit dem Pfiff jedoch überhaupt nicht einverstanden und belagern sowohl Bastians, als auch Kempkes. Der Schiedsrichter befragt den "Gefoulten", der daraufhin gesteht, nicht getroffen worden zu sein. Sofort nimmt ihn Gegenspieler Kevin Großkreutz in den Arm, die übrigen Darmstädter würdigen die außergewöhnliche Ehrlichkeit mit Applaus.

Am Ende werden die Gäste vom Schicksal belohnt: Bochum gewinnt durch zwei späte Treffer noch mit 2:1 beim Bundesliga-Absteiger. Bastians erhält für seine Aktion nicht nur Lob von allen Seiten, sondern auch die Fair-Play-Plakette der Deutschen Olympischen Gesellschaft. "Man sollte versuchen, ehrlich zu sein - so weit das im harten Profi-Fußball möglich ist. Deswegen war das für mich eine Selbstverständlichkeit, da nicht zu lügen", erklärt der Innenverteidiger den Vorfall. Vorbildlich!

 

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