Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund ist der Auftakt in die neue Saison der Champions League geglückt. Bei Besiktas gewann der BVB mit 2:1 (2:0) und hat das wohl schwerste Auswärtsspiel damit schon hinter sich gebracht.
Was lief bei der Mannschaft von Borussen-Trainer Marco Rose gut? Woran muss der Revierklub unbedingt noch arbeiten? Die Lehren aus dem Dortmunder Sieg.
Gregor Kobel verhindert unnötige Torwart-Diskussion beim BVB
Drei Schweizer Torhüter hat der BVB in seinen Reihen, die Rangordnung ist klar geregelt. Neuzugang Gregor Kobel ist die Nummer eins, Dortmunds Stammtorwart aus der vergangenen Rückrunde Marwin Hitz sein Ersatzmann. Für den langjährigen Platzhirsch Roman Bürki bleibt nur der Status der Nummer drei.
Marco Rose überraschte allerdings vor dem Champions-League-Auftakt mit seiner Kader-Nominierung: Statt Roman Bürki darf Eigengewächs Luca Unbehaun, der für Dortmund II in der 3. Liga zwischen den Pfosten steht, zu den Königsklassen-Spielen reisen. Eine durchaus mutige Entscheidung des Trainers, die für reichlich Gesprächsstoff bei den Westfalen auslöste und nach hinten hätte losgehen können.
Dass derzeit aber keine Torwart-Diskussion rund um den BVB aufkeimt, liegt an den guten Auftritten von Gregor Kobel. Auch in Istanbul gab sich der 23-Jährige als starker Rückhalt (sport.de-Note 2,0). Mit einer genialen Parade in der Anfangsphase gegen Batshuayi verhinderte er das 0:1. Später reagierte er erneut bärenstark im Duell mit dem Ex-Torjäger der Borussia (67.). Solange Kobel so spielt, ertönen auch keine Rufe nach Hitz und Bürki.
Weniger Ballbesitz, trotzdem erfolgreich
In der Bundesliga kurbelt Dortmund in der Regel das Spiel selbst an und versucht das Spiel zu bestimmen. So geschehen bislang an allen vier Spieltagen in der Liga. Mal fällt der Ballbesitz prozentual etwas höher aus, wie beim Spiel in Freiburg (69,6 zu 30,4 Prozent), mal etwas niedriger, wie zuletzt bei Bayer Leverkusen (56,2 zu 43,8 Prozent).
In der Champions League ließ der BVB dem Gastgeber aus Istanbul überwiegend das Spielgerät. Besiktas kam am Ende auf 54 Prozent Ballbesitz, gerade im ersten Durchgang ließen die Türken das Leder auch in der Dortmunder Hälfte gut laufen.
Mehr dazu: BVB besiegt Besiktas - Noten und Einzelkritik
Eine gelungene Ball-Stafette war es letztlich dennoch, die zum 1:0 durch Bellingham führte. Nach Balleroberung in der eigenen Hälfte hielt der BVB den Ball exakt 60 Sekunden in den eigenen Reihen, bis eine geeignete Lücke gefunden war: Dahoud verlagerte auf Meunier, der mit einem Kontakt in den Strafraum steckte. Eine Brustannahme und ein Schuss des Engländers später zappelte die Kugel im Netz.
Deutlich schneller ging das 2:0 über die Bühne: Nach einem Blitz-Einwurf von Guerreiro tanzte sich Bellingham in Richtung Grundlinie. Der Youngster legte in die Mitte ab, wo Haaland den Fuß hinhielt. Handgestoppte sechs Sekunden benötigte das Trio für den Treffer.
Miese Chancenverwertung wird beinahe bestraft
Dass es im Vodafone Park von Besiktas am Ende noch einmal laut wurde, hatte nicht nur mit dem Anschlusstreffer (90.+4) zu tun. Der BVB hatte es in der zweiten Hälfte ein ums andere Mal verpasst, den Deckel frühzeitig drauf zu machen.
Guerreiro (52.) und Dahoud (53.) zielten nach der Pause noch zu ungenau, Haaland (59.) hätte nach Malen-Vorlage per Kopf etwas tiefer zielen müssen. Bellingham (67.) ließ eine Hundertprozentige aus und ermöglichte letztlich einen mehr als gefährlichen Konter, den Kobel entschärfte. Erneut Haaland (70.) im Eins gegen Eins sowie Moukoko (88.), Meunier (90.) und Knauff (90.+2) hätten mindestens eine der Dortmunder Gelegenheiten nutzen können, wenn nicht müssen. Das Spiel wäre längst entschieden gewesen.
Jude Bellingham ist die perfekte Nummer 22
Es gibt diese Anekdote von Bellinghams Junioren-Trainer Mike Dodds, warum der Youngster das Trikot mit der Nummer 22 trägt. Dodds erklärte dem damals 13-Jährigen, in welcher Rolle er ihn auf dem Feld sieht - mit der Annahme, der Teenager würde sich selbst als eine Nummer zehn beschreiben. "Wir denken, du bist eine Nummer 22", so der Coach zu Bellingham, der offenbar sichtlich geschockt war.
Dodds erklärte: "Du kannst ein defensiver Mittelfeldspieler vor der Abwehrreihe sein, also eine Vier. Oder ein Box-to-Box-Spieler, also eine Acht. Und du kannst Tore schießen und vorbereiten, also eine Zehn."
Nach einer sehr guten Debütsaison beim BVB zeigt Jude Bellingham nun Woche für Woche, dass er alle diese Rollen tatsächlich verkörpern kann. Sein Tor und seine Vorlage gegen Besiktas waren technisch brillant, gleichzeitig kämpfte er defensiv um jeden Zentimeter. 80 (!) Prozent seiner Zweikämpfe entschied der gerade einmal 18-Jährige für sich, seine Passquote (86 Prozent) war zudem etwas besser als die von Nebenmann Mahmoud Dahoud (79 Prozent).
Jude Bellingham ist derzeit die perfekte Nummer 22 - und in dieser Form unersetzlich.
Sorgenkind Meunier zeigt offensive Qualitäten
Niemand war bei Borussia Dortmund mit den Leistungen von Rechtsverteidiger Thomas Meunier zufrieden, er selbst schon gar nicht. Der selbstkritische Belgier versprach, im zweiten BVB-Jahr sein wahres Gesicht zu zeigen.
In den vergangenen zwei Partien der Borussia war eben jenes durchaus zu erkennen: Meunier zeigte gegen Bayer Leverkusen (4:3) offensiv eine gelungene Vorstellung. Einen Treffer legte er mit einer punktgenauen Flanke auf Haaland vor, beim 2:2-Ausgleich von Brandt hatte er ebenfalls seine Füße im Spiel. Gegen Besiktas folgte die nächste direkte Torbeteiligung.
Allerdings: Gänzlich fehlerfrei ist der 30-Jährige in seinem Spiel noch nicht. Arbeitet Meunier nun noch an seinem Stellungsspiel und seiner Zweikampfführung, dürfte der Trend noch weiter nach oben gehen.
Gerrit Kleiböhmer

















































