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"So ein Ding will man nicht, aber es ist passiert"

Slapstick im Ländle: VfB kann dennoch aufatmen

Ron-Robert Zieler machte keine glückliche Figur
Ron-Robert Zieler machte keine glückliche Figur
Foto: © getty, Christian Kaspar-Bartke
30. September 2018, 10:34

Im Ländle atmen sie auf: Dem VfB Stuttgart unterläuft ein verrücktes Eigentor, der Gegner Werder Bremen ist in Unterzahl klar besser - und trotzdem gelingt der erste Saisonsieg.

Ron-Robert Zieler war bestens gelaunt. Kein Wunder. Endlich war dem VfB Stuttgart der erste Sieg in dieser Saison gelungen, der Torhüter hatte dabei, wie er behauptete, "sehr, sehr gut gehalten" - vor allem aber musste er sich nach dem spektakulären wie kuriosen 2:1 (1:0) gegen Werder Bremen nicht mehr grämen, an einem irrwitzigen Eigentor beteiligt gewesen zu sein. "Das war", betonte Zieler, "ein Sieg des Willens".

Es war ein Sieg, der im Ländle erst einmal für ein bisschen Ruhe sorgen dürfte. Es war ein Sieg, nach dem Sportvorstand Michael Reschke frohgemut zur Jobsicherheit von Tayfun Korkut beteuerte: "Es gibt keine Trainerdiskussion bei uns."

Viel fehlte allerdings nicht, und Zieler hätte nach dem Spiel ähnlich belämmert dreingeschaut wie in der 68. Minute: Der Torhüter richtete gerade seine Stutzen und rechnete erkennbar nicht damit, dass ihm Borna Sosa einen Einwurf "so schnell und präzise" zuwarf. Zieler wollte klären, streifte den Ball nur leicht - und prompt kullerte die Kugel weiter ins Netz. Ohne die Berührung von Zieler hätte es Eckball gegeben.

"Dieser Sieg ist unglaublich wichtig"

"So ein Ding will man nicht, aber es ist passiert", sagte Zieler, und "weil es gut gegangen ist, ist alles okay." Dass es nochmal gut ging, verdankte der Schlussmann, der bis dahin in der Tat prächtig gehalten hatte, Gonzalo Castro, der in der 75. Minute den zweiten Heimtreffer des VfB in dieser Saison erzielte. Der erste war dem starken Anastasios Donis (19.) nach einem Zauberpass von Daniel Didavi gelungen. "Dieser Sieg ist unglaublich wichtig", sagte Sportvorstand Reschke.

Trainer Korkut lobte hernach die Moral seiner Mannschaft. Die spielte nach Gelb-Rot für Bremens Verteidiger Milos Veljkovic (36.) zwar fast eine Stunde lang in Überzahl, doch an diesem Eigentor der Marke Slapstick drohte sie zu zerbrechen. "Da wieder rauszukommen ... da muss ich der Mannschaft schon ein Kompliment machen", sagte Korkut. Mit den Verletzungen von Donis und Dennis Aogo (jeweils Verdacht auf Muskelfaserriss) wurde der Sieg freilich teuer erkauft.

"Eine unglückliche und aus meiner Sicht auch unverdiente Niederlage"

Korkut hob zudem hervor, wie mutig seine Mannschaft nach dem Ausgleich weiter nach vorne gespielt habe, dabei immer "mit dem Risiko, das Spiel auch zu verlieren, aber dieses Risiko mussten und wollten wir gehen". Die Folge war in den letzten Minuten eine wahre Flut an Chancen für die Stuttgarter - wie sie allen voran Nicolas Gonzalez vergab, war zum Haareraufen. "Ich habe mir ein paar ausgerissen", sagte Reschke im Scherz und betonte: Dieser Sieg werde "einen unglaublichen Schub geben".

Den Bremern wiederum sollte die Niederlage keinen Knacks geben. Sie waren überlegen, selbst in Unterzahl besser und nah dran am Sieg, nur: ihr Mut wurde nicht belohnt. Maximilian Eggestein (58.) und Claudio Pizarro (73.) etwa trafen nur den Pfosten. Trainer Florian Kohfeldt bescheinigte seiner Mannschaft eine "überragende Auswärtsleistung" und ergänzte: "Es war eine unglückliche und aus meiner Sicht auch unverdiente Niederlage."

Widerspruch erhob sich berechtigterweise nicht. Selbst der Stuttgarter Kapitän Christian Gentner räumte ein, dass es "sicherlich selten" sei, ein solches Spiel zu gewinnen. "Wir waren schlecht", sagte er, "und das Groteske ist, dass wir drei Punkte haben." Aber: Nichts anderes zählt.

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