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Mainz-Dreier "wie eine kleine Droge"

Martin Schmidt darf endlich wieder einen Sieg mit den Mainzern bejubeln
Martin Schmidt darf endlich wieder einen Sieg mit den Mainzern bejubeln
Foto: © getty, Alexander Scheuber
15. April 2017, 19:33

Martin Schmidt zeigte die Siegerfaust - aber verlor danach den Kampf gegen seine Spieler. Immer wieder wollte sich der Coach des abstiegsgefährdeten FSV Mainz 05 aus der Jubeltraube seines Teams lösen und vorzeitig in die Kabine verschwinden. Aber die Anhänger forderten nach dem erlösenden 1:0 (1:0)-Erfolg gegen Hertha BSC Berlin in lang anhaltenden Sprechchören die Präsenz des Schweizers: "Wir wollen den Trainer sehen."

Also ließ sich Schmidt fünf Tage nach seiner erhaltenen Jobgarantie und drei Tage nach seinem 50. Geburtstag vor der Fankurve feiern. Und nach der abgelegten Zurückhaltung zeigte er sogar strahlend ein Transparent, auf dem geschrieben stand: "100% Einsatz für unser Ziel."

Bei Schmidt war die gute Festtagsstimmung über Ostern angesichts des ersten Sieges nach zuvor fünf Pleiten in Folge bereits vorprogrammiert. "Wir haben lange gefastet. Gut, dass diese Fastenzeit vorbei ist. Es ist ein neuer Glauben entstanden", sagte der Walliser, der jetzt auch im nächsten Spiel gegen Gastgeber Bayern München am 22. April mutig auftreten will: "Der Glaube ist da, der macht alles wahr. Das können wir am nächsten Wochenende zeigen und beweisen."

Schröder: Siege "wie eine kleine Droge"

FSV-Sportdirektor Rouven Schröder jedenfalls durfte sich angesichts des ersten Heimcoups nach über neun Wochen in seiner Entscheidung bestätigt fühlen, den angezählten Schmidt in der Woche zuvor nicht entlassen zu haben.

"Die Erleichterung ist riesengroß. Einen Sieg kann nichts ersetzen. Und wir wollen jetzt mehr davon, das ist wie eine kleine Droge", jubelte Schröder, der wie Schmidt ganz stolz ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift "Mainzbleibt1" trug und von der einzigartigen Stadion-Atmosphäre schwärmte: "Es hat gezeigt, dass alle aufgewacht sind." Von den Leibchen waren vor der Partie 20.000 Stück verteilt worden.

Auch für Kapitän Stefan Bell war das Votum pro Schmidt und gegen die Mechanismen der Branche mitentscheidend für den Befreiungsschlag. "Es war eine gute Entscheidung und hat Ruhe reingebracht. Denn jeder wusste: Es gibt kein Alibi, hinter dem man sich verstecken kann", meinte der Innenverteidiger, der vor den letzten fünf Punktspielen der Runde eine "Jetzt-erst-recht"-Stimmung ausgemacht hat.

"Es hat alles gepasst"

Als Paradebeispiel für das von Schmidt immer wieder erwähnte "zurückgekehrte Matchglück" stand Ersatztorhüter Jannik Huth. An seinem 23. Geburtstag vertrat er erneut Stammkeeper Jonas Lössl - und hielt nicht nur gegen Salomon Kalou (49.) prächtig. "Es hat alles gepasst", sagte Huth. Dazu zählte der olympische Silbermedaillen-Gewinner von Rio auch den entscheidenden Treffer durch Danny Latza (45.+1). Den Schlenzer hatte der Berliner Anthony Brooks mit dem Kopf abgefälscht.

Doch da auch einige Konkurrenten gewannen, steht Mainz weiterhin punktgleich mit dem FC Augsburg (Relegationsplatz 16) auf Rang 15 (beide 32 Zähler).

Die international ambitionierten Berliner dagegen kassierten die achte Auswärtsschlappe in Folge und haben durch diese Misere eine Vereins-Negativmarke aufgestellt. "Der Rekord ist ein wunderschöner Rekord, das nehme ich auch mit, das gehört zum Leben", sagte der sichtlich angefressene Dárdai ironisch. Unterstützung erhielt der Ungar von Mittelfeldabräumer Per Skjelbred, der ein vernichtendes Urteil fällte: "Unsere erste Halbzeit war eine Katastrophe."

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