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Borowka: "Großkreutz muss eine Chance bekommen"

Uli Borowka hat zur sportlichen Situation in Bremen eine klare Meinung
Uli Borowka hat zur sportlichen Situation in Bremen eine klare Meinung
Foto: © imago sportfotodienst
10. März 2017, 16:07
sport.de
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Uli Borowka hat dank seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen Kult-Status in der Bundesliga erlangt. Nach überwundenem Alkoholproblem schlug der heute 54-Jährige eine neue Karriere als Buchautor und Suchtberater ein.

Dennoch hat der ehemalige Außenverteidiger seine Ex-Vereine nicht aus dem Blick verloren. Im exklusiven Sport.de-Interview teilt Borowka nun gegen Werder Bremen aus. Auch zur Causa-Großkreutz hat Borowka eine klare Meinung.

Herr Borowka, mit ihrem Buch im Jahr 2012 haben Sie für ordentlich aufsehen gesorgt. Darin beschreiben Sie, wie Sie als Alkoholiker auf Topniveau Fußball spielen konnten. Wie geht es Ihnen heute?

Borowka: Ich bin seit der Veröffentlichung eigentlich kontinuierlich unterwegs und halte Vorträge zu diesem Thema. Dafür bin ich in Schulen, in Gefängnissen und in Firmen unterwegs. Zudem baue ich gerade mit meinem Team Seminare auf, die sich um Motivation aber natürlich auch um Sucht drehen. Der Terminkalender ist also sehr voll.

Sind Sie auch noch im Fußballbereich unterwegs oder haben Sie mit diesem Kapitel komplett abgeschlossen?

Ich kümmere mich um viele suchtkranke Sportler und darunter sind natürlich auch viele Fußballer. Außerdem arbeiten wir eng mit dem DFB zusammen, und dass, obwohl ich ja in der Vergangenheit gewisse Differenzen mit dem DFB hatte. Die sind aber inzwischen ausgeräumt. Hierzu kann ich noch nicht mehr erzählen, da wir noch ein, zwei Gespräche führen müssen. Wir sind aber mit dem neuen Generalsekretär und dem neuen Präsidenten auf einem sehr guten Weg.

Der alte Präsident hatte für viele Vorschläge kein offenes Ohr. Ihm waren, wie man ja jetzt weiß, andere Sachen wichtiger. Aber das ist Schnee von gestern. Jetzt freue ich mich, dass wir schon sehr weit sind. Möchte aber nicht weiter vorgreifen.

Glauben Sie, dass so ein ausschweifendes Leben, wie Sie es geführt haben, auch in der heutigen Zeit noch möglich wäre?

Die mediale Präsenz ist heute natürlich brutal groß geworden. Wir konnten ja damals auch unter der Woche immer mal wieder in unsere Stammkneipe gehen. Wir hatten ja nur zwei Journalisten von der "Bild" und vom Weser Kurier in Bremen. Und wenn wir gefeiert haben, dann haben wir die beiden einfach mitgenommen. So konnten sie auch nichts Böses über uns schreiben. Heute müsstest du für eine solche Aktion einen ganzen Bus chartern.

Spielt denn Alkohol oder eine andere Sucht auch heute noch eine so große Rolle im Profifußball? Vielleicht auch in Bezug auf Kevin Großkreutz?

Der Alkohol ist da, die Drogen sind da, die Medikamente und die Spielsucht natürlich auch. Eine europaweite Studie der FIFPro (Internationale Spielervereinigung, Anm. d. Red.) hat vor zwei Jahren ergeben, dass 19 Prozent der aktuellen Sportler suchtkrank sind. Psychisch belastet sind sogar 20 Prozent. Wenn man das umrechnet, kommt eine sehr hohe Zahl heraus.

Bei Kevin Großkreutz war natürlich die mediale Präsenz sofort vorhanden. Ich denke, er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat. In Deutschland ist das Problem: Wenn du einmal was Dummes begangen hast, bist du bis ans Lebensende gebranntmarkt. Wer einen Fehler macht, der hat Probleme wieder ins normale Leben zurückzukommen. Dieses Ausgrenzen aus der Gesellschaft bemängele ich zutiefst.

Wenn man einen Fehler macht, muss es natürlich eine Strafe geben, aber Großkreutz muss definitiv auch eine neue Chance bekommen. Jeder kleinste Fehler wird immer direkt an die große Glocke gehängt. Vielleicht sollte einfach mal jeder darüber nachdenken, wie wir uns zwischenmenschlich verhalten sollten und nicht ständig über Menschen herziehen und niedermachen.

Kommen wir zu Ihren ehemaligen Vereinen. Wie ist ihr Verhältnis zu Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach heute?

Zu Werder Bremen habe ich seit ewigen Jahren keinen Kontakt mehr. Ich habe zu meiner Zeit vielen Leuten auf die Füße getreten, da ich immer meine Meinung geäußert habe. Seitdem bin ich dort geächtet. Keiner möchte mehr mit mir etwas zu tun haben, aber so ist das im Leben. Es gibt eindeutig Schlimmeres.

Vor kurzem haben Sie Werder noch öffentlich als nicht bundesligatauglich zerrissen und Trainer Alexander Nouri an den Pranger gestellt. Hat sich Ihre Meinung nach den letzten drei Siegen in Folge geändert?

Nein, absolut nicht! Gegen Mainz muss man sagen, haben sie wirklich gut gespielt. Aber gegen Wolfsburg haben die Grün-Weißen eine Viertelstunde Fußball gespielt, danach ihre Arbeit eingestellt. Zum Glück sind die Wolfsburger in den restlichen 75 Minuten so blind gewesen. Aber Werder hätte auch locker mit 5:2 verlieren können.

Und dann wirst du auch noch im Weserstadion vom Tabellenletzten eine Halbzeit komplett vorgeführt. Am Ende musst du drei Kreuze machen, dass die Darmstädter den Ball nicht ins Tor treffen. Wer mir allerdings wirklich gut gefallen hat, war Felix Wiedwald. Es kann jedoch nicht jedes Mal der Torhüter der beste Mann auf dem Platz sein.

Spielt Werder also bis zum letzten Spieltag um den Abstieg?

Auf jeden Fall! Du darfst die Füße jetzt natürlich nicht hochlegen. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist ja nicht groß. Die Relegation wäre für Werder schon sehr schlimm. Aber zum Glück sind auch die Wolfsburger neben dem Hamburger SV dabei. Schalke wird sich eventuell auch noch im Abstiegskampf einmischen. Für Werder wird es dadurch aber nicht leichter.

Wo sehen Sie die größten Schwächen bei Werder?

Die Baustellen sind überall. Seit Jahren findet bei Werder ein Stillstand statt. Es gibt doch in allen Bereichen keine Weiterentwicklung.

Neben dem Trainer nehme ich natürlich auch die Herren Bode, Baumann, Filbry und Hess-Grunewald in die Pflicht. Die sind ja daran beteiligt, dass Werder eine Wohlfühlgesellschaft geworden ist. Jeder kann schalten und walten wie er will. Und der Trainer sagt, 'Ich kann noch dreimal mehr verlieren und mir passiert trotzdem nichts. Ist doch alles halb so schlimm'. Da sehe ich das größte Problem bei Werder Bremen.

Auch in Mönchengladbach lief es in der Hinrunde nicht wie gewünscht. War der Trainerwechsel der ausschlaggebende Punkt?

Das muss man eindeutig so sagen. Seitdem Hecking da ist, läuft es für die Borussia sehr gut. Aus meiner Sicht war der Trainerwechsel und der Zeitpunkt des Wechsels genau richtig. Die Spiele werden wieder gewonnen und einige Partien werden wie in Leverkusen oder in der Europa League gegen den AC Florenz mit einer unglaublichen Moral der Mannschaft noch umgedreht. Das neue Selbstvertrauen, mit dem die Mannschaft auftritt, ist sensationell.

Auch die spielerischen Mittel, vor allem in der Offensive, sind vom Allerfeinsten. Da macht es wirklich Spaß zuzuschauen. Von daher freue ich mich natürlich, dass Gladbach die Kurve gekriegt hat.

Was trauen Sie den Fohlen in dieser Saison noch zu?

In der Europa League ist mit dieser Truppe und diesem Selbstbewusstsein absolut alles drin. Man schaltet ja eine Mannschaft wie Florenz nicht einfach eben so aus. Die haben ja auch richtig Qualität. In der Bundesliga können so natürlich auch sehr viele Spiele gewonnen werden. Auch da ist noch sehr viel möglich.

Die Gerüchte um Max Eberls Wechsel zum FC Bayern nehmen einfach nicht ab. Wäre sein Abschied ein schwerer Verlust?

Max Eberl gehört zu den besten Managern, die die Liga zu bieten hat. Und bei den Managern ist es doch wie bei den Spielern. Wenn der FC Bayern anklopft, muss man natürlich darüber nachdenken, ob man nicht vielleicht doch zu so einer Topmannschaft wechselt. Das Geschäft ist heutzutage nun mal so - der eine kommt, der andere geht. Und wenn Eberl geht, wird ein anderer seinen Platz einnehmen. Ich mache mir da aber für die Borussia keine allzu großen Sorgen.

Das Gespräch führte Henning Harlacher

ZUR PERSON: Uli Borowka begann 1981 seine Bundesliga-Karriere bei Borussia Mönchengladbach. Nach sechs Jahren am Niederrhein verschlug es den gebürtigen Mendener an die Weser. Bei Bremen avancierte der Außenverteidiger zum Kult-Kicker. Zwei deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege und ein Europapokal der Pokalsieger gewann der heute 54-Jährige mit den Grün-Weißen. Heute ist der Ex-Profi Buchautor und arbeitet als Berater für Suchtprävention.

9. Spieltag
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Hamburger SV
Hamburger SV
Hamburger SV
3
1
Borussia Mönchengladbach
Borussia Mönchengladbach
M'gladbach
1
1
20:30
Beendet
Borussia Dortmund
Borussia Dortmund
BVB
2
0
SV 07 Elversberg
SV 07 Elversberg
Elversberg
1
0
15:30
Beendet
RB Leipzig
RB Leipzig
RB Leipzig
5
3
FC Augsburg
FC Augsburg
Augsburg
2
1
15:30
Beendet
1. FSV Mainz 05
1. FSV Mainz 05
Mainz 05
1
0
FC Bayern München
FC Bayern München
FC Bayern
2
1
15:30
Beendet
SC Paderborn 07
SC Paderborn 07
Paderborn
2
1
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt
E. Frankfurt
2
1
15:30
Beendet
1. FC Köln
1. FC Köln
1. FC Köln
0
Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen
Leverkusen
0
15:30
SC Freiburg
SC Freiburg
Freiburg
0
1. FC Union Berlin
1. FC Union Berlin
Union Berlin
0
17:30
TSG Hoffenheim
TSG Hoffenheim
Hoffenheim
0
FC Schalke 04
FC Schalke 04
Schalke 04
0
19:30
#MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1FC Bayern MünchenFC Bayern MünchenFC Bayern963029:92021
2Borussia DortmundBorussia DortmundBVB963016:7921
3RB LeipzigRB LeipzigRB Leipzig960327:131418
4SC FreiburgSC FreiburgFreiburg851218:10816
5SV Werder BremenSV Werder BremenSV Werder943217:15215
6Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusen841318:16213
7SV 07 ElversbergSV 07 ElversbergElversberg941417:18-113
8VfB StuttgartVfB StuttgartStuttgart940515:15012
9Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtE. Frankfurt933315:20-512
10Hamburger SVHamburger SVHamburger SV940510:20-1012
111. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05931518:19-110
12SC Paderborn 07SC Paderborn 07Paderborn92438:11-310
13FC AugsburgFC AugsburgAugsburg923420:2009
14TSG HoffenheimTSG HoffenheimHoffenheim830514:16-29
151. FC Köln1. FC Köln1. FC Köln82339:12-39
161. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion Berlin81437:19-127
17FC Schalke 04FC Schalke 04Schalke 0481344:9-56
18Borussia MönchengladbachBorussia MönchengladbachM'gladbach911712:25-134
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1SV Werder BremenNiclas Füllkrug39
2Bayer LeverkusenPatrik Schick07
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FC Bayern MünchenMichael Olise06
1. FSV Mainz 05Phillip Tietz06
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