Das deutsche Biathlon befindet sich in einer tiefen Krise, das wurde in der abgelaufenen Saison überdeutlich. Herren-Bundestrainer Tobias Reiter glaubt zu wissen, woran es bei den Skijägerinnen und Skijägern des DSV zuletzt gehapert hat. Schnelle Besserung erwartet er nicht.
Geht es nach Tobias Reiter, dann war der fehlende Glaube an die eigene Stärke die "größte Baustelle" der deutschen Biathleten im Winter 2025/2026.
"Ich war überrascht, wie schlecht das Selbstvertrauen war", gestand der Bundestrainer nach seiner ersten kompletten Saison als Männer-Coach im Podcast "Extrarunde".
Bei seinem Amtsantritt im März 2025 sei "absolut kein Selbstvertrauen dagewesen. An den Trainingstagen zu den Wettkämpfen hin wurde von Tag zu Tag die Qualität schlechter, weil die Angst vorm Wettkampf wieder größer wurde. Da war ich enorm überrascht und habe versucht sehr viel zu intervenieren", erklärte der 40-Jährige.
Seine neuen Schützlinge hätten "nur noch erzählt, wie toll die Norweger und Franzosen alles gemacht haben. Aber sie konnten gar nicht mehr einschätzen, was sie selbst alles Gutes können und was wir selbst in Deutschland für ein gutes System haben und wie gut wir sind", so Reiter.
Es würde da einen "schönen Spruch geben, der da lautet: "Gewinner schauen auf Gewinner und Verlierer schauen nur auf die Gewinner. Wir müssen es schaffen, dass wir mehr auf uns schauen, auf uns vertrauen und unseren Weg mit Überzeugung gehen."
"Steiniger Weg" für das deutsche Biathlon
Man habe derzeit eben "nicht den einen Topathleten, der vorne alles abräumt. Wir müssen über unsere Gesamtstärke kommen. Wenn wir an einem Tag den Sportler X vorne haben und an einem anderen den Sportler Y, dann schaffen wir das auch", prophezeite Reiter.
Er selbst sei "weit davon entfernt zu sagen, dass die Biathlon-Welt in Deutschland untergeht". Aber die Rückkehr an die Weltspitze werde nunmal "kein Selbstläufer".
Vor dem DSV-Team liege noch "ein Weg, den wir gehen müssen". Dieser werde "steinig" und es warte "knüppelharte Arbeit", so der Chefcoach.

