Die Spielerrepräsentanten der Spielergewerkschaft NFLPA haben den ehemaligen Chefstrategen der Gewerkschaft und pensionierten Offensive Lineman der Cleveland Browns, JC Tretter, zu ihrem nächsten Executive Director gewählt, wie die Gewerkschaft am Dienstag bekannt gab.
"Ich bin mir der Verantwortung bewusst, die diese Rolle mit sich bringt, und weiß, wie wichtig es ist, Schulter an Schulter mit der Führung der Spieler zu stehen", sagte Tretter in einer auf X veröffentlichten Erklärung. "Diese Gewerkschaft hat schon immer eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des Spiels gespielt, und diese Arbeit ist heute so wichtig wie eh und je."
Die NFLPA war seit Juli auf der Suche nach einer dauerhaften Führungspersönlichkeit, nachdem der damalige geschäftsführende Direktor Lloyd Howell Jr. zurückgetreten war. Zuvor hatte "ESPN" berichtet, dass er zwei Besuche in Stripclubs über die Gewerkschaft abgerechnet habe. "ESPN" berichtete zudem, dass er Teilzeit für die Carlyle Group tätig war - eine Private-Equity-Gesellschaft, die Minderheitsbeteiligungen an NFL-Franchises anstrebt. Außerdem hieß es, dass die Gewerkschaft und die Liga eine Vertraulichkeitsvereinbarung geschlossen hatten, um Schiedssprüche über mögliche geheime Absprachen der NFL-Besitzer vor den Spielern geheim zu halten.
Tretter gehörte damals zur Gruppe derer, die Lloyd ins Amt gehoben und ihn unterstützt hatten. Nach Bekanntwerden des Skandals traten er und weitere Mitglieder des Exekutivkomitees der Gewerkschaft zurück.
Tretter nach "gründlicher" Suche ausgewählt
Tretter setzte sich gegen ein ursprüngliches Feld von 300 Kandidaten und zwei weitere Finalisten durch: den kommissarischen Geschäftsführer David White (ehemaliger Chef der Hollywood-Schauspielergewerkschaft) und den Commissioner der American Conference, Tim Pernetti.
"Wir haben eine gründliche und bewusste Suche durchgeführt, um die richtige langfristige Führungspersönlichkeit zu finden, die unseren Mitgliedern nachhaltige und bedeutsame Fortschritte bringt", erklärte der Vorstand der Spielerrepräsentanten in einer auf X veröffentlichten Stellungnahme.
Der Tarifvertrag (CBA) zwischen der NFL und der NFLPA läuft zwar erst 2030 aus, doch Tretter tritt sein Amt an, um Verhandlungen mit der Liga über die Einführung eines 18. Spieltags sowie eines internationalen Spiels für jedes Team zu führen - Ziele, die NFL Commissioner Roger Goodell und die Besitzer bereits lautstark artikuliert haben. Tretter war von 2020 bis 2024 Spielerpräsident der Gewerkschaft und von Oktober 2024 bis Juli 2025 deren Chefstratege, bevor auch er nach den Berichten von "ESPN" zurücktrat.
Er sagte "ESPN" im Juli, dass er keine Kenntnis von einer Vereinbarung hatte, die Howell mit der Liga getroffen hatte, um den Spielern die Erkenntnisse eines Schiedsrichters bezüglich Geheimabsprachen der NFL-Besitzer bei den Gehältern vorzuenthalten. Er war ursprünglich ein Kandidat für das Amt des kommissarischen Geschäftsführers nach Howells Rücktritt, zog seine Kandidatur jedoch zurück, als er von seinem Posten zurücktrat. Damals erklärte er gegenüber "CBS Sports", er sei "nicht daran interessiert", Geschäftsführer zu werden oder für diesen Posten in Betracht gezogen zu werden.
Tretter setzte verkürztes Wahlverfahren durch
Doch in den letzten Wochen kristallisierte sich Tretter als Finalist heraus. Seine Wahl ist der Höhepunkt eines vertraulichen Wahlverfahrens, das jenem ähnelt, welches das Exekutivkomitee 2023 bei der Wahl von Howell durchführte. Vor jener Wahl leitete Tretter eine Abstimmung der Spielerrepräsentanten zur Änderung der NFLPA-Satzung. Dabei wurde die Vorschrift gestrichen, dass die Finalisten für das Amt des Geschäftsführers dem Vorstand bereits 30 Tage vor einer Wahl namentlich bekannt gegeben werden müssen.
Goodell gratulierte Tretter indes in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung und hob die "einzigartige Perspektive" hervor, die er als ehemaliger Spieler mitbringe.
"Wir haben bereits mehrere Jahre lang mit JC zusammengearbeitet - zuerst als Gewerkschaftspräsident, als er der Liga und der NFLPA half, die Saison 2020 erfolgreich durch die COVID-Pandemie zu steuern", sagte Goodell. "Wir freuen uns darauf, auf dieser Beziehung aufzubauen, um unsere gemeinsamen Prioritäten voranzutreiben. Dazu gehören unser Engagement für die Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit der Spieler sowie die Sicherstellung des weltweiten Wachstums unseres Sports für unsere Fans, die Spieler und unsere Klubs."
Tretters Befürworter unter den Spielern haben seine "Player-First"-Mentalität hervorgehoben, die er bereits als Spielerpräsident und Chefstratege an den Tag legte. Er schrieb sich die jährlichen "NFLPA Report Cards" auf die Fahne, bei denen Spieler zu den Arbeitsbedingungen in ihren Klubs befragt werden. Er organisierte ein Golf-Turnier in Mexiko nur für Spieler und leitete eine Kampagne, um Reportern Interviews mit Spielern in der Umkleidekabine zu untersagen.
Tretters kostspielige Fehler
Allerdings hat Tretter als NFLPA-Präsident auch einige kostspielige Fehler begangen. Letztes Jahr stellte ein Schiedsrichter fest, dass seine Äußerungen aus dem Jahr 2023 über Verletzungen von Running Backs gegen den Tarifvertrag verstießen, da sie Spieler dazu ermutigten, Verletzungen vorzutäuschen. In der Entscheidung des Schiedsrichters wurde zitiert, wie Tretter in einem Podcast sagte, dass Spieler "versuchen müssen, so viele Druckmittel wie nur möglich zu erzeugen". Und erst letzten Monat entschied ein Schiedsrichter, dass die Veröffentlichung der Team-Zeugnisse durch die Gewerkschaft gegen den CBA verstieß, da diese "NFL-Klubs und Einzelpersonen herabwürdigten".
Diese Schiedsverfahren dürften zu den Rechtskosten der Gewerkschaft beigetragen haben, die sich von 2015 bis 2023 fast vervierfacht haben. Die Rechtskosten beliefen sich in den Jahren von Februar 2016 bis Februar 2022 auf durchschnittlich 5,1 Millionen Dollar pro Jahr. Laut Daten aus den LM-2-Berichten der Gewerkschaft sprangen sie dann im Jahr bis Februar 2023 auf 10,8 Millionen Dollar, auf 10,9 Millionen Dollar im Jahr bis Februar 2024 und schließlich auf 18,1 Millionen Dollar im Jahr bis Februar 2025.
Zusätzlich zu den Schiedsgerichtsstreitigkeiten ist die NFLPA auch in einen Konflikt mit dem Sammelkarten-Unternehmen Panini über Lizenzrechte verwickelt.
Der Spielerpräsident Jalen Reeves-Maybin, der 2024 in das Amt gewählt wurde, nachdem Tretter den Posten geräumt hatte, wurde am Montagabend wiedergewählt. Laut zwei Quellen, die mit dem Wahlvorgang vertraut sind, trat er ohne Gegenkandidaten an.




































