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Rampenlicht-Spezial: Torjäger als Trainer

Bei Borussia Dortmund verschmäht, in Ungarn gefeiert: Thomas Doll
Bei Borussia Dortmund verschmäht, in Ungarn gefeiert: Thomas Doll
Foto: © imago sportfotodienst
18. Januar 2017, 11:40

Viele hierzulande bekannte Gesichter sind weitgehend unbeachtet von der deutschen Presse aktiv. Diese Woche blickt sport.de in einem Rampenlicht-Spezial auf einstige Stürmer-Stars, die ihre Schuhe an den Nagel gehängt haben und nun im Trainer-Business aktiv sind.

Tatzeit: 23. April 2008. Tatort: Der Presseraum des Dortmunder Stadions. Wortlaut: "Spieler, die von den Zeitungen bereits aus dem Verein geschrieben werden, sollen am Freitag bei Eintracht Frankfurt für den Verein die Knochen hinhalten. Da lach' ich mir den Arsch ab."

Die Minuten, in denen dem damaligen Dortmunder Trainer Thomas Doll in der Pressekonferenz vor der Partie gegen die Eintracht förmlich der Kragen platzte, genießen mittlerweile Legendenstatus. Einen Monat später musste der einstige Nationalspieler seinen Hut nehmen, Jürgen Klopp übernahm fortan das Steuer.

Doll blieb für einige Jahre ohne einen Verein, ehe er sein Glück in der Türkei und Saudi Arabien suchte. Es sollten eher kurz Intermezzos werden als ernsthafte Karrierestationen. Der in Hamburg so geschätzte Trainer schien keinen neuen Verein mehr zu finden, bei dem er ansatzweise so erfolgreich arbeiten konnte wie in der Hansestadt. 

Unverhofft kommt oft

Im Dezember 2013 wagte der einstige Stürmer einen erneuten Versuch und unterschrieb in Ungarn bei Ferencvárosi TC, einem Klub aus Budapest. Der vielleicht kurios wirkende Wechsel zahlte sich aus. In seinem zweiten Jahr gewann er mit den Hauptstädtern gleich den nationalen Pokal sowie den Ligapokal. 2016 holte er mit den Grün-Weißen schließlich die lang ersehnte 29. Meisterschaft.

Im Kampf um die Titelverteidigung hinkt der Klub derzeit zwar etwas hinterher, vier Punkte Rückstand auf Platz eins sind aber nicht uneinholbar. Zu seinen Schützlingen gehören zahlreiche, namhafte Ex-Bundesligaspieler: Tamás Hajnal, Florian Trinks und Marco Djuricin kicken allesamt im Dress von Ferencvárosi. Letzterer zählt mit acht Saisontreffern sogar zu den Toptorschützen der Liga.

Bleibt abzuwarten ob Doll den Traum der Fans, die 30. Meisterschaft, erfüllen kann oder nicht.

Abstiegskampf statt Titeljagd

Vom Rennen um die Meisterschaft kann Ioannis Amanatidis im Augenblick nur träumen. Seit Oktober heißt es für den einstigen Frankfurt-Star: Abstiegskampf. Im Herbst letzten Jahres unterzeichnete der ehemalige Torjäger ein Arbeitspapier bei dem griechischen Erstligisten AEP Iraklis FC.

Der Verein aus Saloniki ist die erste Trainerstation für den Griechen. Tipps für sein Training hat er sich von echten Profis geholt: "Ich war unter anderem bei Markus Weinzierl beim FC Augsburg oder bei Huub Stevens bei PAOK Saloniki und habe bei den beiden viel gelernt," verriet Amanatidis im Oktober im kicker. "Die Situation ist nicht leicht. Aber leicht kann schließlich jeder", gab sich der Stürmer damals noch kämpferisch.

Drei Monate später ist Iraklis Tabellenschlusslicht und hat fünf Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. In der Rückrunde müssen dringend Punkte her, sonst endet die erste Trainerstation als große Enttäuschung. Mit 35 Jahren zählt Amanatidis noch zu den absoluten Jungspunden seines Fachs, man darf gespannt sein, wohin ihn sein Weg als Coach noch führt. Vielleicht ja zurück in die deutsche Wahlheimat?

Von der Regionalliga in die Europa League?

Zu seiner aktiven Zeit war Amanatidis die Lebensversicherung der Frankfurter. Blieb er verletzungsfrei, so konnten sich die Adler stets auf seinen Torinstinkt verlassen. Einen ähnlichen Spieler hatte damals auch Hannover 96 in den eigenen Reihen – Thomas Brdarić.

Nach über 350 Partien in der ersten und zweiten Bundesliga endete 2008 die Karriere des Stürmers, der für Deutschland 2004 an der EM teilgenommen hatte. Zunächst probierte sich der gebürtige Schwabe bei den deutschen Amateurklubs Union Solingen und TSG Neustrelitz als Trainer aus, ehe es ihn sich im Juli 2014 zu seinem Ex-Klub, dem VfL Wolfsburg verschlug. Brdarić trainierte fortan die zweite Garde der Wölfe, musste aber nach einem Jahr wegen "sportlicher Differenzen" mit dem damaligen Manager Klaus Allofs wieder gehen. Länger als ein Jahr hielte auch sein folgendes Engagement in der Regionalliga beim TSV Steinbach nicht.

Vor einigen Wochen folgte dann die Überraschung: Thomas Brdarić unterschrieb in Mazedonien beim KF Shkëndija 79 bis Juni 2018. Warum es den ehemaligen Angreifer nach Osteuropa verschlägt, liegt für ihn auf der Hand: "Der Verein kann eine Plattform bieten, mit der 1. Liga und der Möglichkeit auf internationalen Fußball. Die Aufgabe ist es, Meister zu werden. Der Verein hat zuletzt Europa-League-Quali gespielt, man hat Blut geleckt," erklärt der Ex-Hannoveraner seine Entscheidung gegenüber dem Kölner "Express".

In der Liga hat Shkëndija mit 37 Punkten nach 18 Partien die Meisterschafts-Playoffs schon schon so gut wie gebucht, in denen der Titelträger ermittelt wird. Sein Debüt in Mazedonien feiert Brdarić am 19. Februar, man darf gespannt ob er seine Ziele erreicht und man ihn in Zukunft auf internationaler Bühne wieder sieht – vielleicht ja auch in Deutschland.

 

Fabian Benterbusch

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