Die NBA hat am Mittwoch Strafen gegen die LA Clippers und Kawhi Leonard verhängt. Das ist das Ergebnis einer fast auf den Tag genau einjährigen Ermittlung der Kanzlei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz, die eine Umgehung des Salary Caps durch die Clippers und Kawhi Leonards Repräsentanten Dennis Robertson ergeben hat.
Am 3. September 2025 ließ die Liga über Sprecher Mike Bass mitteilen, dass man eine Ermittlung einleiten werde. Diese hat nun Ergebnisse geliefert, welche die Clippers bis ins Mark treffen. Der Trade von Leonard zu den Toronto Raptors wird in der Folge nicht zum Ziel von Sanktionen. Somit steht der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte in Kanada nichts mehr im Weg.
Die Entscheidung des Commissioners hat ein bislang beispielloses Ausmaß.
Dieser Vergehen werden die Clippers und Leonard bezichtigt
- Die Clippers sollen aktiv vom Basketball unabhängige Einnahmemöglichkeiten zwischen Leonard und vier Unternehmen eingefädelt haben, die Geschäftsbeziehungen mit dem Team unterhalten: Aspiration Partners, Boingo Wireless, Daktronics und Lockton Insurance
- Die Clippers sollen bei der Aushandlung von Werbeverträgen zwischen diesen vier Unternehmen und Leonard geholfen haben
- Die Clippers sollen diesen Unternehmen als Anreiz für die Vereinbarungen mit Leonard Geschäftsbeziehungen mit dem Team in Aussicht gestellt haben
- Die Clippers sollen persönliche Ausgaben von Leonard und seinen Repräsentanten bezahlt haben
- Die Clippers sollen unzulässige Bemühungen um zusätzliche Einnahmemöglichkeiten außerhalb des Sports, getätigt durch Leonards Repräsentanten Dennis Robertson, nicht gemeldet haben
- Leonard verstieß durch das Verhalten von Herrn Robertson, der in seinem Namen handelte, gegen die Regeln zur Umgehung des Salary Caps. Robertson soll die Clippers unter Druck gesetzt haben, Leonard bei der Beschaffung zusätzlicher Einnahmemöglichkeiten außerhalb des Spielfelds zu unterstützen. Leonard soll solche Möglichkeiten tatsächlich erhalten haben und erstattete den Clippers zudem Zahlungen für persönliche Ausgaben nicht zurück.
Diese Strafe verhängt die NBA gegen die Clippers
- Die Clippers müssen fünf Erstrunden-Draftpicks abgeben – jeweils einen in den NBA-Drafts 2029, 2030, 2031, 2032 und 2033.
- Die Clippers werden mit einer Geldstrafe in Höhe von 30 Millionen US-Dollar belegt.
- Besitzer Steve Ballmer wird für ein Jahr von jeglichen Aktivitäten der Liga und des Teams suspendiert. Ursächlich dafür ist der wissentliche Versuch, Leonard dabei zu helfen, zusätzliche Einnahmemöglichkeiten außerhalb des Spielfelds zu erhalten. Außerdem genehmigte Ballmer einen Deal, von dem er wusste, dass es eine Bedingung für einen unzulässigen Werbevertrag zwischen Aspiration und Leonard war. Ballmer soll versäumt haben, Bedingungen zu schaffen, die die Einhaltung der NBA-Regeln zur Verhinderung einer Umgehung des Salary Caps gewährleisteten.
- Gillian Zucker, President of Business Operations der Clippers, wird für ein Jahr ohne Gehaltsfortzahlung suspendiert. Sie trug die hauptsächliche und unmittelbare Verantwortung für die unzulässigen Werbevereinbarungen und machte gegenüber den Ermittlern falsche und irreführende Angaben.
- Lawrence Frank, President of Basketball Operations der Clippers, wird für sechs Monate ohne Gehaltsfortzahlung suspendiert. Grund sind seine Beteiligung an den unzulässigen Werbevereinbarungen sowie die Genehmigung unzulässiger Ausgaben, die durch Herrn Leonard und dessen Familie entstanden waren.
- Die Organisation der Clippers und deren Mitarbeiter werden für einen Zeitraum von fünf Jahren einem von der Ligazentrale überwachten Compliance- und Kontrollprogramm unterstellt.
- Im Kontext seiner Verstößen muss Leonard 700.000 Dollar an die Liga zahlen.
- Robertson wird für einen Zeitraum von fünf Jahren untersagt, im Namen eines Spielers, Mitarbeiters oder sonstiger Liga- oder Teamangehöriger Geschäfte mit NBA-Teams und deren verbundenen Organisationen zu tätigen oder anderweitig mit diesen in Kontakt zu treten.
Die Reaktion von Adam Silver und der Clippers
Commissioner Adam Silver:
"Das im Tarifvertrag vereinbarte System der NBA zur Festlegung der Spielervergütung ist ein grundlegender Bestandteil des sportlichen Wettbewerbs, den die Liga im Interesse der Teams und Spieler und letztlich auch der Fans organisiert. Ich bin zutiefst enttäuscht über die eklatanten Verstöße gegen unsere Regeln sowie über das institutionelle Versagen und das Führungsversagen bei den Clippers, die dieses Fehlverhalten ermöglicht haben. Die Härte der Strafen spiegelt die Schwere der Verstöße wider."
David N. Kelley, Anwalt der Clippers:
"Bei der Ankündigung dieser Untersuchung erklärten Sie, dass das Verfahren von einem 'ordnungsgemäßen Verfahren' und einem 'grundlegenden Verständnis von Fairness' bestimmt sein werde. Sie stellten klar, dass die 'Beweislast bei der Liga liegen' werde, einen möglichen Verstoß anhand tatsächlicher Beweise und nicht aufgrund eines 'bloßen Anscheins' nachzuweisen. Abschließend versprachen Sie, dass jeder an der Untersuchung Beteiligte 'genauso behandelt werden würde, wie ich selbst behandelt werden wollte, wenn jemand Anschuldigungen gegen mich erheben würde'. Bedauerlicherweise wurde keines dieser Versprechen eingehalten."
Die Clippers bestreiten die Anschuldigungen durch ihren Anwalt vehement. Wie The Athletic berichtet, gibt es allerdings keine Möglichkeit zu einem Einspruch oder ein Schiedsverfahren in dieser Angelegenheit.
Kawhi Leonard:
"Integrität und Respekt vor diesem Sport sind grundlegende Werte für mich. Ich übernehme die volle Verantwortung für Fehlentscheidungen von Personen aus meinem engsten Umfeld und bedauere, dass diese Situation für Ablenkung bei den Fans und meiner Familie gesorgt hat.
Ich habe sowohl meinen Vertrag mit den Clippers als auch die betreffenden Vereinbarungen in gutem Glauben abgeschlossen. Dabei war ich fest entschlossen, meinen Verpflichtungen nachzukommen, und hatte keinerlei Kenntnis von irgendeiner Absicht einer beteiligten Person, den Salary Cap zu umgehen.
Seit 15 Jahren besteht meine Priorität darin, meiner Familie, dem Basketball und den Menschen, mit denen ich auf dem Feld stehe, alles zu geben. Bei meiner Rückkehr nach Toronto konzentriere ich mich auf die Dinge, die ich selbst beeinflussen kann, darauf, dieses Kapitel abzuschließen und mit einem unbelasteten Neuanfang nach vorn zu blicken."
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