Im Trikot des FC Bayern wurde Philipp Lahm unter anderem achtmal Deutscher Meister, sechsmal Pokalsieger, Champions-League-Gewinner und Deutschlands Fußballer des Jahres 2017. Der größte Erfolg der Karriere des einstigen Defensivspezialisten ist aber sicher der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014, bei der Lahm das DFB-Team als Kapitän aufs Feld führte. Zwölf Jahre später blickt der 42-Jährige auf den Ist-Zustand des deutschen Fußballs - und schlägt Alarm.
"Die Bundesliga insgesamt macht mir Sorgen im Vergleich mit anderen europäischen Top-Ligen. Die englische Premier League steht für Wucht und Athletik, die spanische La Liga für anspruchsvollen Ballbesitzfußball - und die Bundesliga? Mir fällt kein passendes Etikett ein", führt Philipp Lahm im Interview mit dem "stern" aus.
Konkret liege vor allem in der Talentförderung einiges im Argen: "Wir bilden zu viele ähnliche Spielertypen aus, die alles ganz gut können, aber keine Position perfekt beherrschen. Es fehlen klare Profile", so der gebürtige Münchner.
Bei der anstehenden WM in den USA, Mexiko und Kanada wird Lahms ehemaliger Teamkollege Joshua Kimmich daher als Rechtsverteidiger auflaufen, obwohl er seit Jahren beim FC Bayern im zentralen Mittelfeld gesetzt ist. Ein Umstand, der Lahm zufolge zumindest nicht optimal ist.
"Ich würde mir wünschen, dass Joshua in der Nationalelf im zentralen Mittelfeld spielt. Bei den Bayern tut er das seit Jahren auf höchstem Niveau. In der Nationalmannschaft hätte Joshua im Zentrum ebenfalls den größten Wert. Aber auch auf rechts sehe ich ihn nicht als Notlösung. Er ist ein Weltklassespieler, auch auf der Außenbahn."
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Lahm hofft auf "besondere Stimmung in Deutschland"
Lahm weiß, wovon er spricht: Er selbst begann seine Laufbahn als Außenverteidiger, wechselte später aber immer häufiger ins Mittelfeldzentrum. Auch beim WM-Sieg 2014 agierte Lahm auf beiden Positionen. Benedikt Höwedes, eigentlich gelernter Innenverteidiger, half zudem auf dem linken Defensivflügel aus.
Lahm zufolge habe man damals auch Erfolg gehabt, da man "das Fehlen von Spezialisten" durch ein Gerüst von "fünf bis sechs Stammspielern, die miteinander harmonieren", hatte und die vermeintlichen Schwachstellen so kompensieren konnte. Dieses Gerüst sehe er beim Team 2026 allerdings nicht, warnt Lahm. "Das hat mit Verletzungen von Spielern zu tun, aber nicht nur. Ein bisschen mehr Konstanz würde der Nationalmannschaft guttun", so der ehemalige DFB-Spielführer.
Abschreiben will Lahm seine Nachfolger vor Turnierbeginn aber längst nicht: "Wenn der Bundestrainer es früh im Turnier schafft, eine Achse zu finden", sei viel möglich, sagte Lahm: "Der Weg kann bis ins Halbfinale oder sogar Finale führen. Ich wünsche mir jedenfalls, dass die Mannschaft lange im Turnier bleibt. Dann kann auch in diesem Sommer wieder eine besondere Stimmung in Deutschland entstehen."


























