Ene Kölsche Jung in der NFL? Marlin Klein hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan, damit dieser Traum schon in wenigen Wochen wahr werden dürfte. Die Geschichte von einem Talent, das mit 15 Jahren die Heimat hinter sich ließ, um die beste Liga der Welt zu erobern.
Köln ist für vieles ein Zentrum: Fußball, Medien, Karneval, eh klar. Köln ist allerdings ein ungewöhnlicher Startpunkt, um NFL-Profi zu werden. Marlin Klein beweist gerade das Gegenteil.
Beim kommenden NFL-Draft 2026, der Talentebörse der Liga, gilt er als aussichtsreicher Kandidat für eine der Runden drei bis sieben. Kurz gesagt: Der Tight End ist die nächste große Draft-Hoffnung aus Deutschland.
Diesen Status hat sich der 23-Jährige hart erarbeitet. Wie so viele junge Kinder in Deutschland begann er seine Sportlerlaufbahn mit einem Ball, nicht dem Lederei. Fußball, Basketball, erst dann folgte der Wechsel zum American Football. Erste Schritte machte er bei den Cologne Crocodiles.
Eiskalter Sprung in die USA
Im Alter von 15 Jahren wagte er den gewaltigen Sprung über den Atlantik. Durch ein Förderprogramm erhielt er einen Platz an der Highschool Rabun Gap-Nacoochee in Georgia. Der Startschuss für Kleins großes USA-Abenteuer. Neue Sprache, neues Umfeld, nicht jeder traut sich diesen Schritt zu. Klein machte einen nach dem anderen.
Als Rohdiamant zog er die Aufmerksamkeit vieler Colleges auf sich. Klein entschied sich für die renommierte University of Michigan. Der Deutsche avanciert dort zum Paradebeispiel, wie man als junger Athlet die Karriereleiter emporklettert. Vom No-Name und Bankdrücker bis zum Teamcaptain. Klein spulte das komplette Programm ab. Für ein Jahr drückte er auch mit dem heutigen NFL-Profi Julius Welschof die Uni- und Gym-Bank und teilte das Football-Feld.
Der Steelers-Spieler (Practice Squad) hebt die Bescheidenheit und das Arbeitsethos von Klein hervor. "Er ist jetzt nicht mit erhobener Brust reingegangen, sondern ruhiger - wie man sich das auch wünscht auf dem College", sagt Welschof bei RTL/ntv und sport.de. "Er hat viel gelernt von [Tight End] Luke Schoonmaker und sich seinen Spot erarbeitet durch harte Arbeit und war dann letztes Jahr auch Team Captain."
Kleins Ansatz sei "eigentlich genau richtig gewesen" und so, "wie man es machen sollte", erklärt Welschof. "Da wird man dann auch viel respektiert von den Coaches und dem Team."
Und mit genau dieser Einstellung erarbeitete sich Klein mehr und mehr Respekt, Reputation und Spielzeit. Der Durchbruch gelang dann in der Saison 2025 als Michigans Tight End Nummer eins.
| Saison | Spiele | Starts | Receptions | Yards | Ø Yards/Rec | TD |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2022 | 2 | 0 | 0 | 0 | – | 0 |
| 2023 | 10 | 0 | 1 | 8 | 8.0 | 0 |
| 2024 | 13 | 6 | 13 | 108 | 8.3 | 0 |
| 2025 | 11 | 6 | 24 | 248 | 10.3 | 1 |
| Total | 36 | 12 | 38 | 364 | 9.6 | 1 |
Bei den Wolverines entwickelte er sich so zum Stammspieler, vom Rohdiamanten zum Allround-Tight-End. Das bleibt auch den NFL-Scouts nicht verborgen.
NFL Draft 2026: Experten sind von Marlin Klein überzeugt
Draft-Experte Daniel Jeremiah hob ihn im Februar öffentlich heraus. Er erklärte, was den Youngster so besonders macht. "Klein hat den idealen Körperbau für einen Tight End. Er kommt schnell von der Line of Scrimmage weg und kann den Ball sauber vom Körper weg fangen."
Das steche besonders hervor, wenn er in Bewegung ist, so der Draft-Experte. "Am besten ist er, wenn er mit Tempo arbeiten kann – etwa bei einer Wheel Route, bei der er in der vergangenen Saison auch einen Touchdown erzielt hat."
Mit seinen 1,98 Metern Größe und ca. 113 kg Gewicht ist er ein Musterathlet mit viel Speed. Seine Vorbilder? Travis Kelce, George Kittle, Tony Gonzalez und Rob Gronkowski.
Einziger Kritikpunkt ist laut Jeremiah, wenn Klein "zurück zum Quarterback arbeiten muss". Das Fazit aber ist mehr als positiv. "Ich denke, da kommt noch mehr", sagt der Experte.
In der Draft-Vorausschau landet Klein spät am zweiten Tag oder bei einem soliden dritten Tag. Jeremiah traut ihm sogar den Pick in der dritten Runde zu. Andere Draft-Analysten sehen ihn etwas weiter hinten.
Klein ist keiner, der die großen Reden schwingt, den größten Hype erzeugt, sondern einer, der mit Leistung überzeugt, der was "schafft". Ackert. Genau solche Spieler lieben Coaches. Da passt es auch irgendwie ins Bild, dass er gar keinen offiziellen Spitznamen hat.
Die Bereitschaft, die "Drecksarbeit" zu erledigen, macht ihn zu einem Liebling der Coaches. Kleins Stärke ist das Blocking. Aber: "Es gibt wahrscheinlich nichts auf dem Football-Feld, das er nicht kann", sagte sein Tight-End-Coach Steve Casula. Sein früherer Highschool-Trainer pries ihn als "einzigartigen Jungen, einzigartigen Spieler und sehr vielseitigen Athleten".
Viel getan hat er für sein Ranking auch beim NFL Combine Ende Februar. Unter anderem lief Klein 4,61 Sekunden beim 40-Yard-Dash, was für seine Statur sehr ordentlich ist. Sein Relative Athletic Score gilt für einen Tight End sogar als außerordentlich.
Beim Combine führte der Rheinländer zudem viele Gespräche mit den Teams. Als "längstes Job-Interview der Welt" bezeichnete er diesen Rummel. Nach eigener Aussage liefen die Gespräche mit den Eagles, den Bengals, den Lions, den Texans und den Cardinals am besten.
Klein betont seine Stärken
Welches Team ihn am Ende wählt, kann Klein nicht beeinflussen. Sicher ist für ihn, dass dieses Team einen guten Fang machen wird. "Ich würde sagen, ich bin physischer als die anderen. Ich habe keine Angst, egal, wer da vor mir steht. Ich denke immer: 'Ich bring dich dahin, wo du nicht hinwillst und bin stärker als du, schneller als man denkt'", beschrieb Klein seine Stärken.
Sein nicht immer einfacher Weg habe ihn stärker gemacht. Daraus zieht er Kraft. "Ich bin als Receiver ans College gekommen und musste stärker werden, schneller werden und auch schlauer werden, weil ich aus Deutschland Football nicht so kannte, wie es die Amerikaner tun. Ich musste härter arbeiten. Doch am Ende hat es alles gut funktioniert", erinnert er sich.
Generell sei der Start am College "keine leichte Zeit" gewesen. "Ich bin aufgewachsen und war immer der Größte, der Schnellste, der Top-Schüler, der Top-Sportler und dann bist du erstmal hinten dran", rekapituliert er. "Das war in den ersten beiden Jahren nicht einfach. Aber ich habe mich durchgekämpft, habe von den Jungs gelernt. Ich sage immer: 'Trust the Process' und ich habe schließlich auch noch nie hinter jemandem gesessen, der in der NFL dann nicht zum Starter wurde."
Das bleibt auch sein Ziel. Nun ist er an der Reihe. Gut vier Wochen muss er sich nun noch gedulden, dann weiß er, wie sein USA-Abenteuer weitergeht. Es riecht schwer nach Happy End.
Alles begann in Köln. Am 24. und 25. April blickt er nach Pittsburgh. Er ist dem Traum so nah wie noch nie.




































