"Alle ducken sich weg" - Homosexualität im Fussball
Fußball
"Alle ducken sich weg" - Homosexualität im Fussball
25.03.2026 07:13 | 3:31m
Nach dem Coming Out von Pauli-U19-Trainer Christian Dobrick ordnet RTL-Reporter Timo Latsch den mutigen Schritt des Coaches ein und erklärt, warum der Fußball sich mit dem Thema Homosexualität so schwer tut.
Timo Latsch aus der Sportredaktion ist da. Timo, grüß dich! Guten Morgen. Guten Morgen. Warum ist es 2026 immer noch so ein Ding? Ach, ich glaube. In weiten Teilen der Gesellschaft ist es gar kein Ding mehr. Aber eben in der Fußballbranche schon, weil da vermeintlich zwei Dinge zusammenkommen, die nicht zusammenpassen. Da sind einerseits die Fußballer, die müssen stark sein, die dürfen keine Schwäche zeigen, die ziehen wie Gladiatoren ein in die Fußballarenen. Und auf der anderen Seite ist das Thema Homosexualität, was viele mit Schwäche, mit einer gewissen Verletzlichkeit, mit einer hohen Sensibilität verbinden. Und deswegen tut man sich gerade im Fußballbereich so schwer. Dazu kommt, dass viele Männer auch so Fußballshow noch so als ihr eigenes Ding ansehen. Also der eine oder andere bekommt ja schon einen Herzinfarkt, wenn eine Frau ein Fußballspiel kommentiert. Wenn jetzt auch noch Homosexuelle auf dem Spielfeld rumlaufen, ist das für den einen oder anderen ein bisschen too much. Ja, es wird ja immer viel spekuliert und da stehen Namen im Raum. Wenn man ins Internet geht. Das ist ja Wahnsinn, wie viele offen schwul lebende Profifußballer gibt es denn eigentlich? Die Zahlen sind beeindruckend. Es gibt weltweit 150.000 Menschen, die professionell Fußball spielen, in 190 Ländern Offen homosexuell leben. Fünf In Deutschland gibt es drei Profiligen, also erste, 2. 03. Liga. Es gibt keinen einzigen Spieler, der sich bisher als schwul geoutet hat. Wenn man davon ausgeht, dass das sagt zumindest die Wissenschaft etwa 5 bis 10 % der Menschen homo oder bisexuell sind, dann passen diese Zahlen natürlich überhaupt nicht zueinander. Aber wenn du das jetzt so erzählst wie reif ist denn die Bundesliga für ein Outing? Also die Bundesliga tut sich nach wie vor sehr schwer mit diesem Thema. Das haben auch unsere Recherchen gezeigt. Wir haben natürlich auch angefragt im Vorfeld dieses Interviews, beim DFB, beim Fußballverein. Alle ducken sich weg, keiner will so richtig drüber reden. Also man hat nach wie vor Berührungsängste mit dem Thema Homosexualität. Einerseits umgekehrt. Es gibt dann auch beispielsweise eine große Solidarität, auch für Christian Dobrik vom FC St. Pauli. Da hat der Präsident gesagt wir unterstützen ihn voll. Und ich bin 100 % davon überzeugt, dass auch andere Vereine, wenn es einen Spieler oder Trainer geben würde, genauso handeln. Ob der FC Bayern, der erste FC Köln oder auch kleinere Vereine. Also die Tür ist jetzt einen kleinen Spalt weiter aufgegangen. Ja. Auf der anderen Seite kann man natürlich auch sagen, es geht ja auch niemanden was an, Es ist mir ja eigentlich auch komplett egal. Warum sollte man sich trotzdem oder. Oder warum? Warum ist dieses Thema Outen überhaupt so ein Thema? Ja, interessant was du sagst, weil das haben auch viele in den sozialen Medien dann geschrieben. Ist doch egal, der kann doch machen was er will, der kann doch ins Bett gehen, mit wem er möchte. Ja, das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, er möchte ja auch frei leben. Das sagt er ja auch in dem Interview. Das Versteckspiel soll aufhören. Er hat ja auch Lust, mit seinem Partner einfach durch die Stadt zu gehen oder ihn vielleicht mitzunehmen zur Weihnachtsfeier. Was für heterosexuelle Fußballer komplett selbstverständlich ist. Aber als Schwule hast du nur zwei Möglichkeiten Entweder du gehst den Schritt nach vorne oder du versteckst dich ein Leben lang. Und ich finde, er hat genau den richtigen Schritt gemacht. Der ist mutig, der ist richtig. Und das zeigen ja auch die ersten Reaktionen. Es gibt eine breite Unterstützung von sehr, sehr vielen, übrigens auch Fans und vor allem auch von vielen dann doch auch aus der Bundesliga. Ja, trotzdem Wahnsinn, dass wir im Jahr 2026, wir müssen es immer betonen über dieses Thema überhaupt so ausführlich sprechen müssen. Timo Deswegen ist die Woche der Vielfalt auch so wichtig bei uns. Absolut. Danke dir. Gerne.