Baker Mayfield läuft am Sonntag für das vierte Team in 21 Monaten auf und plötzlich ist der einstige Top-Pick aus dem NFL Draft 2018 wieder erfolgreich. Viele fragen sich nun, ob seine Spielweise nachhaltig ist und er seine aktuelle Form konservieren kann. Denn das würde den Tampa Bay Buccaneers die Möglichkeit geben, erneut die NFC South zu gewinnen.
Es gibt gute Gründe, daran zu glauben, dass Baker Mayfield der diesjährige Geno Smith sein kann. Während andere gefeierte junge Quarterbacks nie zurückgekommen sind, überraschte Geno im letzten Jahr viele Kritiker, nachdem eigentlich niemand mehr an ihn glauben wollte. Doch ein Coach hat zu ihm gehalten: Dave Canales, der nun für Tampa Bay als Offensive Coordinator tätig ist.
Dave Canales mausert sich gerade zu etwas wie einem Quarterback-Guru. Er arbeitete jahrelang mit Russell Wilson bei den Seattle Seahawks und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass "RW3" seit seinem Wechsel nach Denver nicht mehr so gut spielt, wie im Beisein von Quarterbacks Coach Canales.
Später nahm der 42-jährige Trainer aus Kalifornien dann Geno Smith unter seine Fittiche. Die Zusammenarbeit zahlte sich ein weiteres Mal für einen Quarterback aus. Denn Geno gewann schnell an Selbstvertrauen und entwickelte sich vom Backup zum vollwertigen Starter.
Baker Mayfield hat nichts zu verlieren
Im Grunde hat auch Baker Mayfield in diesem Jahr nichts zu verlieren und das erleichtert die Arbeit mit ihm. Nachdem er als Quarterback in Cleveland und später bei den Carolina Panthers und Los Angeles Rams gescheitert war, hatte ohnehin niemand mehr große Erwartungen an den Spielmacher.
Vor der Saison leistete er sich ein "Camp Battle" mit Backup Kyle Trask, was er aber schnell für sich entschied. Hier findet sich bereits eine weitere Parallele neben der Arbeit mit Coach Canales, denn auch Geno Smith lieferte sich im Vorjahr zunächst ein Duell mit Drew Lock um den Startplatz bei den Seahawks.

Buccaneers-Offense passt zu Mayfields Stärken
Die Offense, in der Mayfield nun spielt, ist berechnend und weniger auf riskanten tiefen Passversuchen aufgebaut. Die Anzahl an Pass- und Laufspiel-Zügen liegt ausbalanciert ungefähr bei jeweils 50 Prozent. Selbst wenn der Lauf einmal nicht gut funktioniert, ist Dave Canales ein Play Caller, der trotzdem daran festhält und nicht anfängt, das Spiel allein in die Hände seines Quarterbacks zu legen.
"Ich war angenehm überrascht von seinem Game Management", sagte Canales jüngst in einer Pressekonferenz. "Weil du es nicht wirklich weißt. Ich wusste, dass er Erfahrung hatte. Aber man weiß nicht wirklich, wie dieser Typ ein Gefühl dafür bekommen soll - so wie die Guten ein Gefühl dafür haben, was auf beiden Seiten des Balls passiert."
Deshalb gibt es viel Play Action und schnelle kurze Reads, die Mayfield den Job an jedem Sonntag erheblich erleichtern. So findet die Hälfte seiner Pässe die beiden Playmaker Chris Godwin und Mike Evans, womit sich eine weitere Gemeinsamkeit zur Offense in Seattle findet, wo Geno Smith vor allem DK Metcalf und Tyler Lockett häufig in sein Spiel einbindet.
Diese Spielweise wird Mayfield auch am Sonntag (ab 22:25 Uhr live auf RTL) im Spiel gegen die Detroit Lions ins Feld führen. Canales wird die Plays callen, die Baker dazu befähigen, den beiden sichersten Passempfängern so oft wie möglich den Ball zu geben. Sollten sie einmal keine Option sein, bleiben ihm immer noch Tight End Cade Otton und sogar Running Back Rachaad White, der ein sehr zuverlässiger Receiver auf kurzen Routes ist.
"Er hat ein unglaubliches Gespür für diese Dinge. Er gibt mir das Gefühl, dass er sozusagen der ultimative Competitor ist. Dass er einfach versuchen wird, einen Weg zu finden, diese Situation zu meistern und das Spiel zu gewinnen. Mit allen notwendigen Mitteln."
Die nötige Zeit, um "einen Weg zu finden", wie Canales sagt, wird Mayfield erhalten. Denn er kann sich auf einen neuen Left Tackle auf seiner Blindside verlassen. Tristan Wirfs wechselte in der Offseason von rechts nach links und ist nun der wichtigste Beschützer für den 28-jährigen Veteran-Quarterback in Diensten der Tampa Bay Buccaneers. Er ist einer der zuverlässigsten Offensive Tackles der Liga, wenn es darum geht, dem eigenen Spielmacher so viel Zeit wie möglich zum Wurf des Balls zu geben.
Buccaneers: Auch die Defense überzeugt
Baker Mayfield spielt so selbstbewusst und sicher wie noch nie in seiner NFL-Karriere. Das Einzige, was von seinen Auftritten als Gunslinger aus seiner College-Zeit übrig geblieben ist, dürfte seine ungebrochene Mentalität als Kämpfer und Führungsspieler sein. Canales und Mayfield holen nun das Maximum aus seinem Talent heraus. Das bedeutet auch weiterhin, dass der Quarterback die Spiele nicht im Alleingang gewinnen wird, sondern sich auf gehörige Unterstützung seiner Teamkameraden verlassen muss und wird.
Auch die Defense sollte dabei nicht unerwähnt bleiben. Die Front Seven ist mit Shaq Barrett, Lavonte David, Calijah Kancey, Joe Tryon-Shoyinka, Vita Vea und Devin White überaus gut bestückt. Head Coach Todd Bowles weiß, wie er seine Stars im Team in Szene setzen kann, damit alle gemeinsam zu einer starken Einheit zusammenfinden.
Philipp Forstner




































