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"Du musst als Trainer doch auch mal dazwischenhauen"

"Werner beinhart" Lorant wird 70: Der Kritiker schlechthin

Werner Lorant verfolgt noch immer das Geschehen im Fußball
Werner Lorant verfolgt noch immer das Geschehen im Fußball
Foto: © getty, Joachim Sielski
21. November 2018, 11:37

Werner Lorant gilt bei Traditionsverein 1860 München als Legende. Am Mittwoch wird "Werner beinhart" 70.

Mit einigen Gerüchten räumt Werner Lorant auf seinem Campingplatz am idyllischen Waginger See gleich einmal auf. "Erst einmal muss ich klarstellen, dass ich hier in einer Penthouse-Wohnung lebe, auf 70 Quadratmetern. Ich bekomme regelmäßig meine Rente, mir geht es gut", sagt der ehemalige Kulttrainer von 1860 München im Interview mit "Sport Bild".

Dass er "abgestürzt" sei, wie immer wieder einmal behauptet wird, weist Lorant deshalb energisch zurück: "Ach, Unsinn. Aber lass die Leute doch quatschen, wenn sie das glauben. Über mich wurde schon so viel geredet und geschrieben."

In der Tat. Mit seinen markigen Sprüchen und seiner schroffen Art prägte "Werner beinhart" bei den Löwen an der Seite von Präsident Karl-Heinz Wildmoser von 1992 bis 2001 eine Ära. Am Mittwoch feiert Lorant seinen 70. Geburtstag bei seiner Mutter Gertrud in seiner Heimatstadt Welver im Kreis Soest.


Mehr dazu: Die besten Sprüche von Werner Lorant


Auch wenn sein Alltag inzwischen von seiner Freundin Brigitte und seinem Hund Jackson bestimmt werde, wie er erzählt - der Fußball hat Lorant nie losgelassen. Im Sommer betreibt er zusammen mit Ex-Nationalspieler Dieter Eckstein eine Fußballschule für Kinder zwischen fünf und 15 Jahren. Zudem verfolgt er das aktuelle Geschehen weiter aufmerksam - und gewohnt kritisch.

Seitenhieb gegen Joachim Löw

Joachim Löw etwa hätte er nach dem WM-Desaster sofort entlassen. Mit dem Bundestrainer spielte Lorant einst bei Eintracht Frankfurt zusammen. Aber, so sein vernichtendes Urteil, "dem Jogi konntest du beim Laufen die Schuhe besohlen. Er war damals schon nie aggressiv, er hat sich alles gefallen lassen".

Bei der heutigen Spielergeneration verabscheue er die vielen Tattoos. "Spielen die Jungs dann besser Fußball?", fragt Lorant in "Sport Bild". Überhaupt seien die Profis "zu sehr verhätschelt. Die jungen Kerle von heute hätten mit mir Probleme."

Aber offensichtlich auch die Kollegen. "Und dann das Gequatsche der Trainer! Das ist heute überall das Gleiche, keiner sagt mehr ein böses Wort", nörgelt Lorant, der Rotation als "Quatsch" bezeichnet. "Die machen das nur, damit sie Ruhe haben und keiner aufmuckt. Wenn einer beschissen trainiert, spielt er nicht, ganz einfach."

Einen Typen wie sich selbst sehe er "keinen. Du musst als Trainer doch auch mal dazwischenhauen. Wenn sich bei mir einer aufgeregt hat, bekam er eine Ansage und musste laufen".

Der Erfolg gibt Lorant recht

So war das damals unter dem früheren Profi (Essen, Frankfurt, Schalke, Hannover) Lorant. Wer nicht mitgezogen hat, flog raus. Doch der Erfolg gab ihm weitgehend recht.

In der Saison 1999/2000 gewannen seine Sechziger gleich zweimal gegen den großen FC Bayern, 2000 scheiterten die Löwen nur denkbar knapp an Leeds United in der Qualifikation zur Champions League.

Doch nach seiner Entlassung bei den Münchnern im Herbst 2001 fasste Lorant bei zahlreichen Stationen in der Türkei, Südkorea, China, der Slowakei, auf Zypern, im Iran oder auch in Deutschland (Ahlen, Unterhaching) nie mehr so richtig Fuß. Zuletzt trainierte er in Österreich die viertklassige Union Hallein - und rettete den Klub mit seinen eigenartigen Methoden immerhin vor dem Abstieg.

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