Die Miami Dolphins befinden sich nach dem Trade von Jaylen Waddle zu den Denver Broncos in der NFL nun eigentlich im kompletten Rebuild. Dennoch senden sie widersprüchliche Signale.
Ein kompletter Austausch der sportlichen Führung bringt in der NFL meist eine Form von Rebuild mit sich. Doch selten fällt dieser so radikal aus wie derzeit bei den Miami Dolphins. Der neue General Manager Jon-Eric Sullivan und Head Coach Jeff Hafley haben offensichtlich den Auftrag, ein neues Team auf die Beine zu stellen. Doch wie aggressiv, wie radikal sie dabei vorgehen sollen und wollen, ist nach den vergangenen zwei Wochen noch recht unklar.
Die Dolphins haben die Free Agency damit begonnen, die Regale leer zu räumen. Zahllose Free Agents sind gegangen, man tradete Minkah Fitzpatrick zu den New York Jets, Tyreek Hill wurde entlassen und man kündigte die erwarteten Entlassungen von Tua Tagovailoa und Bradley Chubb an, beide formell als Post-June-1-Cuts, um nicht die volle Ladung an Dead Money schon in diesem Jahr abzubekommen. Trotzdem werden sie in der Saison 2026 einen astronomischen Dead-Cap-Hit von fast 180 Millionen Dollar mit sich führen, was ihre Manövrierfähigkeit enorm einschränkt.
Und dennoch wurde in der vergangenen Woche der Eindruck erweckt, dass man immerhin im Rahmen der Möglichkeiten angreifen wollte. Die Verpflichtung von Quarterback Malik Willis, den JES und Hafley auf gemeinsamen Tagen in Green Bay kennen, war ein klares Signal, denn er war für viele der beste Quarterback auf dem Markt. Er bringt jede Menge Upside mit und das reflektiert auch sein Vertrag, der essenziell ein Zweijahresvertrag über garantierte 45 Millionen Dollar ist. Starter-mit-Upside-Money eben.
Waddle-Trade gegen den Trend
Mit Jamaree Salyer kam noch dazu ein neuer Guard, um die Offensive Line zu stärken, ebenso fanden die Dolphins mit Jalen Tolbert und Tutu Atwell zumindest mal vielversprechende Wide Receiver, die in der richtigen Rolle sicherlich brauchbar sind.
Defensiv wurden einige neue Starter, darunter der einst richtig gute Pass Rusher Josh Uche, verpflichtet, ebenso tauschte man die Special Teams nahezu komplett aus. Das waren alles Schritte, die zeigten, dass man für 2026 zwar eingeschränkt operieren würde, aber keineswegs die Flinte ins Korn werfen wolle.
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Bis Dienstag jedenfalls, denn am Dienstag machte plötzlich die Meldung die Runde, dass die Dolphins ihren besten Receiver Jaylen Waddle für einen Erst-, Dritt- und Viertrundenpick nach Denver getradet haben - inklusive eines eigenen Viertrundenpicks. Der Top-Receiver des Teams ist somit der 2024er Sechstrundenpick Malik Washington. Innerhalb weniger Tage gingen sie in Südflorida also von Aufbruchstimmung zum sicheren Tanking über.
Tanking für die Top-Picks im Draft 2027, in dem mutmaßlich gleich mehrere Top-Quarterback-Talente warten - namentlich Arch Manning, Dante Moore oder auch Justin Sayin. Und das sind nur die aktuell am heißesten gehandelten Namen, weitere werden sicher folgen. Warum genau investiert man also 45 Millionen Dollar in Willis, wenn der ohnehin nicht gewinnen soll?
| Runde | Pick (gesamt) | Anmerkung |
|---|---|---|
| 1 | 11 | - |
| 1 | 30 | Von Broncos |
| 2 | 43 | - |
| 3 | 75 | - |
| 3 | 87 | Von Eagles |
| 3 | 90 | Von Texans |
| 3 | 94 | Von Broncos |
| 4 | 130 | Von Broncos |
| 5 | 151 | - |
| 7 | 227 | - |
| 7 | 238 | Von Chargers |
Jede Menge Draftkapital für Dolphins
Die gute Nachricht für die Dolphins ist jedoch, dass sie qua Draftkapital die Mittel haben, sich schon in diesem Jahr sehr gut für die nahe und ferne Zukunft aufzustellen. Sie besitzen nun sieben (!) Top-100-Picks im diesjährigen Draft, zwei in Runde 1 und drei in den Top 50. Genügend Munition für Picks und etwaige Trades - vielleicht sogar für 2027? - haben sie nun genug. Ebenso viele Baustellen sind aber auch offen, weshalb sowohl der kommende Draft als auch die anstehende Saison ein wilder Ritt werden könnten.
Und letztlich können die Dolphins damit eigentlich nicht verlieren, selbst wenn sie - nun ja - verlieren. Sind sie überraschend erfolgreich, dann wohl deshalb, weil Willis eine starke Saison gespielt hat. Und dann hätte man wohl endlich seinen Franchise-Quarterback gefunden. Geht die Nummer hingegen komplett den Bach runter, dann ist man gut positioniert für den Draft 2027, in dem gleich mehrere Top-Quarterbacks mutmaßlich vorhanden sein werden.
Die Dolphins stehen damit vor einem spannenden Spagat zwischen frühzeitig die Flinte ins Korn zu werfen, ohne die Flinte zwangsläufig ins Korn zu werfen. Man sollte von diesem Team nicht zu viel erwarten, doch Überraschungen sind für den nun etablierten klaren Underdog durchaus möglich.






