In der kommenden Woche startet die NFL Free Agency 2026. Die Quarterback-Position steht dabei wie immer im Fokus, denn es gibt genügend Teams, die einen neuen Quarterback brauchen. Doch wer ist verfügbar und wer sind die besten Optionen?
In der NFL gilt seit langer Zeit, dass man, wenn man keinen Franchise-Quarterback hat, dringend einen braucht. Ein solcher dürfte in diesem Jahr nicht auf dem Free-Agent-Markt zu haben sein, weshalb die Suche eher nach einer kurzfristigen Lösung für mindestens mal die kommende Saison im Fokus steht. Das gilt schon deshalb ganz besonders, weil es in diesem Jahr vermutlich auch im Draft keine eindeutige Lösung gibt, wenn man mal von Fernando Mendoza absieht, der wohl bei den Las Vegas Raiders an Position 1 landet.
Alle anderen Teams, die sich auf der Suche befinden, müssen also mit einem Plan B Vorlieb nehmen. Doch welche Teams sind überhaupt akut auf der Suche?
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NFL: Diese Teams brauchen einen Quarterback
Natürlich ist der Grad der Not nicht bei allen Teams gleich hoch, doch die folgenden Klubs werden in diesem Frühjahr sicher auf der Suche nach einem neuen Signal Caller sein:
- Arizona Cardinals
- Cleveland Browns
- Miami Dolphins
- Minnesota Vikings
- New York Jets
- Pittsburgh Steelers
- (Las Vegas Raiders)
- (Indianapolis Colts)
Die Raiders stehen in Klammern, weil sie sehr sicher mit Mendoza planen, weshalb sie eigentlich abgesichert sind für 2026. Und die Colts haben Daniel Jones mit dem Transition Tag belegt, was sicherlich nicht der beste Move war, aber immerhin haben sie so halbwegs Planungssicherheit.
Die Cardinals werden Kyler Murray entlassen, bei den Browns herrscht mit Watson, Sanders und Gabriel das totale Chaos und Miami wird sich sicherlich auch noch von Tua Tagovailoa trennen. Die Vikings suchen mindestens mal erfahrene Konkurrenz für J.J. McCarthy, die Jets sind die Jets und in Pittsburgh weiß Anfang März naturgemäß niemand, ob Aaron Rodgers noch ein Jahr dranhängt oder sich vollends dem Rinde kauen in der Dunkelheit widmen wird.
All diese Teams - und vielleicht noch ein paar andere - haben jedoch nur einen sehr überschaubaren Pool an Alternativen, auf die sie setzen könnten in dieser Free Agency. Ich habe jetzt mal eine Top 10 zusammengestellt, die ich für die bestmögliche Lösung für mindestens mal die kommende Saison betrachte - mit langfristiger Perspektive als Bonus.
Vorweg sei gesagt, dass ich Tua und auch Kirk "Kurt" Cousins direkt mitzähle, da beide sehr wahrscheinlich ab Mittwoch oder Donnerstag auf dem Markt sein werden.
NFL Free Agency: die besten Quarterbacks auf dem Markt
Honorable Mentions
Die folgenden Spieler sind auch noch da, haben den Cut aber nicht geschafft:
- Mac Jones (San Francisco 49ers, bei Trade)
- Geno Smith (Raiders, bei Entlassung)
- Kenny Pickett (Las Vegas Raiders)
- Tyson Bagent (Chicago Bears, bei Trade)
- Andy Dalton (Carolina Panthers, bei Trade)
- Anthony Richardson (Indianapolis Colts, bei Trade/Entlassung)
- Justin Fields (New York Jets, bei Entlassung)
- Jacoby Brissett (Arizona Cardinals, bei Entlassung)
Kommen wir nun zu den besten QBs, die verfügbar sind:
10. Russell Wilson - New York Giants (bisheriges Team)
Wilson startete nur noch drei Spiele in der vergangenen Saison, kam in drei weiteren als Backup zum Einsatz. Er hatte in dieser Zeit noch einen guten Auftritt, als er für 450 Yards und drei Touchdowns gegen die Dallas Cowboys warf. Allerdings besiegelte seine Interception letztlich die Giants-Niederlage und solche Zahlen waren damals gegen die Cowboys durchaus üblich.
Insgesamt enttäuschte er bei Big Blue und wurde durch Rookie Jaxson Dart nach einer Niederlage Kansas City in Woche 3 ersetzt, als er mit -0,5 EPA/Dropback eine katastrophale Vorstellung ablieferte. Jedoch bringt er mehr Erfahrung mit als die oben Genannten und schafft es deshalb noch knapp in diese Liste. Als Platzhalter und Spot-Starter könnte er noch seinen Wert haben, bis dann womöglich ein weiterer Youngster übernimmt.
9. Joe Flacco - Cincinnati Bengals
Flacco weiß mit seinen 41 Jahren, wie der Hase in der NFL läuft. Er mag als Starter über eine ganze Saison vielleicht nicht mehr allzu viel im Tank haben, aber als Backup kann er an einem guten Tag durchaus noch überzeugen. Bei den Browns ging nichts für ihn, doch als er zu den Bengals kam, glänzte er gelegentlich durchaus noch. Sein bester Auftritt war sicherlich die Vorstellung gegen die Bears in Woche 9, als er für vier Touchdowns (2 INT) und sage und schreibe 470 Yards warf.
Wer einen soliden Backup benötigt, auf den man sich gelegentlich auch als Starter verlassen kann, sollte hier zumindest mal anklopfen.
8. Marcus Mariota - Washington Commanders
Nachdem er schon ein wenig in Vergessenheit geraten war, brachte ihn die Verletzung von Jayden Daniels im Vorjahr wieder ins Rampenlicht. Und Mariota erinnerte uns dann daran, für was er eigentlich steht. Er war schon immer ein Top-Athlet und zeigte dies in mehreren Spielen. Mit seinen Scrambles allein beeindruckte er immer wieder und machte es Defenses schwer, ihn zu halten.
In seinen zehn Spielen (8 Starts) lief er für 297 Yards und einen Touchdown. Durch die Luft war er immerhin passabel und brachte seine besser über die statistischen Erwartungen hinaus präzise an (+3,9 CPOE). Dass er dennoch nur zwei von acht Spielen als Starter gewann, lag derweil hauptsächlich an der katastrophalen Defense des Teams. Er selbst jedoch zeigte, dass er in der richtigen Situation durchaus helfen kann.
7. Jimmy Garoppolo - Los Angeles Rams
Jimmy G war zuletzt 2023 als etatmäßiger Starter für die Raiders aktiv und das auch nur zu Saisonbeginn. Anschließend fungierte er als selten benötigter Backup der Rams hinter Matthew Stafford. Doch das genauso wie seine Niners-Vergangenheit sprechen in der heutigen NFL durchaus für ihn, denn er beherrscht das Shanahan/McVay-Scheme, was ihn per se mal interessant für entsprechende Teams macht.
Er ist sicherlich nicht vielmehr als ein Game Manager, doch könnte dies genau die Art QB sein, die ein Team um Umbruch gebrauchen kann. Und es gibt das Gerücht, dass sein letzter Offensive Coordinator Mike LaFleur gerne nach Arizona holen würde. Dort wird Kyler Murray zum Start des neuen Liga-Jahres entlassen und Jacoby Brissett dürfte auch keine allzu große Job-Sicherheit in der Wüste haben. Der Weg nun könnte sein, Jimmy G und vielleicht einen Rookie zu holen und damit die Saison halbwegs kompetent zu überbrücken.
Mehr dazu:
6. Tua Tagovailoa - Miami Dolphins
Tua legte seine schwächste Saison überhaupt in der NFL hin und man muss sich schon die Frage stellen, ob er noch viel im Tank hat trotz seines noch jungen Alters (28). Die zahlreichen Gehirnerschütterungen und sonstigen Verletzungen haben ihm über die Jahre sicherlich zugesetzt und die Dolphins haben die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Topform offenbar aufgegeben.
Möglich ist jedoch, dass er vielleicht nur einen Tapetenwechsel benötigt, vielleicht ein anderes Scheme oder andere Coaches, um wieder in die Spur zu finden. Tua war vor 2025 immer ein recht effizienter Quarterback, der schnell den Ball los wurde. Im Vorjahr hielt er den Ball dann im Schnitt länger als je zuvor (2,65 Sekunden) und wurde dafür mit den meisten Sacks seiner Karriere bestraft (30). Seine -0,06 EPA/Dropback waren ebenfalls sein schlechtester Wert seit seiner Rookie-Saison 2020 und das erste mal, dass er hier seit damals im negativen Bereich landete.
Dennoch würde ein Tua zum Schnäppchenpreis (rund 1,2 Millionen Dollar) sicherlich mit gewisser Upside kommen, die für manch ein Team spannend ist.
5. Kyler Murray - Arizona Cardinals
An ihm werden sich die Geister scheiden, doch muss man seine Leistung 2025 genauer unter die Lupe nehmen. Er war immer noch ziemlich effizient unterwegs (+0,04 EPA/Dropback) und wurde den Ball so schnell los wie noch nie (2,68 Sekunden). Doch das hatte eben auch seinen Preis: seine Deep-Ball-Quote war noch nie so niedrig wie in der vergangenen Saison (7,5 Prozent), obwohl solche Shots schon immer eine seiner Stärken waren.
Er verpasste weite Teile der Saison mit einer Fußverletzung, doch wenn er wieder fit ist, sollte er im richtigen Scheme durchaus noch etwas im Tank haben. Also wenn er sich auf Sport und weniger auf "Call of Duty" konzentriert ...
4. Kirk Cousins - Atlanta Falcons
Zum Start des neuen Liga-Jahres wird Kirk Cousins mal wieder ein Free Agent sein. Und dann dürfte er einen interessanten Markt vorfinden. Er war sicherlich zum Start seiner Falcons-Zeit nicht gut, was man aber durchaus als Nachwehen seiner Achillessehnenverletzung bewerten kann. Denn als er nach dem Kreuzbandriss von Michael Penix im vergangenen Jahr wieder als Starter übernahm, zeigte er wieder Leistungen, die an sein früheres Topniveau erinnerten.
Er führte die Falcons zu vier Siegen am Stück zum Ende der Saison und versaute den Buccaneers damit nebenbei noch die Playoffs. Aber vor allem unterstrich er, dass er eine Offense immer noch kompetent führen kann in dieser Liga, auch noch mit nun bald 38 Jahren. Sein ideales Ziel wären vermutlich die Vikings, bei denen er unter Kevin O'Connell schon früher gute Leistungen gezeigt hat. Doch auch andere Teams dürften für einen kurzfristigen Vertrag einen Platz für Cousins haben. Letztlich wird er wohl dahin gehen, wo er eine faire Chance sieht, wieder zu starten. Einen Wettkampf mit McCarthy müsste er aber wohl nicht fürchten.
3. Aaron Rodgers - Pittsburgh Steelers
Rinde kauen oder noch ein Jahr dranhängen? Das ist hier die Frage. Rodgers ist keineswegs mehr der Alte, aber mit seiner Stilveränderung hin zu einer heftigen Dosis an Quick Passing Game und nur noch gelegentlichen Deep Balls hat er zumindest ein Effizienz-Niveau erreicht, dass er zuletzt 2022 in Green Bay an den Tag gelegt hat. Das war zwar auch schon schwach (-0,04 EPA/Dropback), minimierte aber auch seine Fehler aus seiner letzten Jets-Saison.
Realistisch betrachtet scheinen die Steelers nun seine einzige Anlaufstation zu sein, doch will er wirklich nochmal mit Mike McCarthy zusammenarbeiten? Oder würde ihm O'Connell in Minnesota dieses Mal eine echte Perspektive aufzeigen, mit J.J. McCarthy zu konkurrieren? Bei den Vikings hätte er vermutlich eine bessere sportliche Chance auf Erfolg als in Pittsburgh. Doch allzu wahrscheinlich scheint eine Fortsetzung seiner Karriere nicht unbedingt zu sein.
2. Daniel Jones - Indianapolis Colts
Ohne den Achillessehnenriss wäre er vermutlich die Nummer 1 in diesem Ranking. Er führte die Liga in den ersten zwei Monaten der Vorsaison in vielen Statistiken an und war sogar ein legitimer MVP-Kandidat. Die Niederlage gegen die Steelers warf ihn dann in alte Zeiten zurück, anschließend zogen ihm Verletzungen ultimativ den Stecker. Doch bis dahin und abgesehen vom Steelers-Spiel machte er eine gute Figur und spielte vielleicht so gut wie nie zuvor in der NFL. 2025 war bis zum Ausfall seine beste Saison in der NFL.
Der Transition Tag dürfte nun kaum ein Hindernis für andere Teams sein, seine Verletzung, die den Start der nächsten Saison infragestellt, aber schon. Doch wenn jemand glaubt, dass Jones nun tatsächlich seinen Weg gefunden hat und die Zukunft in einer modernen NFL-Offense sein kann, dann sollte Geld kein großes Hindernis sein. Die Frage ist aber tatsächlich, ob das jemand basierend auf seiner bisherigen Vita tut.
1. Malik Willis - Green Bay Packers
Ja, Small Sample Size ... Aber was Willis in seinen wenigen Auftritten in Vertretung von Jordan Love bei den Packers gezeigt hat, war bemerkenswert. Kein Vergleich mehr zu dem überforderten Prospect von Liberty, das in Tennessee keinen Fuß auf die Erde gebracht hat. Willis war 2025 extrem effizient (+ß,69 EPA/Dropback), machte kaum Fehler durch die Luft und scheute sich auch nicht, Deep Balls zu werfen. Er war vielmehr aus allen Lagen sehr präzise (+13,9 CPOE). Hinzu kommt natürlich seine enorme Athletik.
In einer Offense, in der man ihm die Freiheit gibt, selbst zu laufen und darüber hinaus eben mit einem guten Arm Plays zu machen, könnte er als Starter aufblühen. Idealerweise sollte man ihn allerdings in eine Shanahan/McVay-Offense stecken, denn die hat er in Green Bay gelernt und beherrscht. Ob er wirklich das ganz große Geld bekommt, wie manch einer veranschlagt, wird sich zeigen. Aber mit seinem Talent bringt er in jedem Fall viel Potenzial mit, um eventuell mehr zu sein als eine Lösung für nur eine Saison.









