Die Indianapolis Colts sind mit dem Ziel in die Offseason gestartet, ihre zwei größten Free Agents langfristig zu halten. Nach Dienstag drohen sie nun aufgrund eines unnötig riskanten Schritts komplett mit leeren Händen da zu stehen. Ein Kommentar.
"Du hattest nur einen Job", also zwei, um genau zu sein. Doch diese gängige Phrase passt sehr gut zu dem, was die Colts am Dienstag gemacht haben - und dabei ist es auch egal, ob General Manager Chris Ballard der Entscheider war oder vielleicht sogar Teambesitzerin Carly Irsay Gordon. Es war einfach unsinnig.
Was war passiert? Die Colts haben zwei prominente Free Agents in Wide Receiver Alec Pierce und Quarterback Daniel Jones. Pierce führte die NFL zum zweiten Mal in Serie in Yards pro Reception an und hatte mehr als 20 solcher Yards pro Reception. Und Jones erlebte bis zu seinem Achillessehnenriss so etwas wie seinen zweiten Frühling in der NFL - und der Mann wird gerade mal 29!
Bei beiden laufen die Verträge aus und das erklärte Ziel war es, beide zu halten. Die Frage war nur: wie? Man hörte zuletzt, dass Indy optimistisch war, mit Jones einen langfristigen Deal auszuhandeln, zudem wurde Pierce wohl darüber in Kenntnis gesetzt, dass man ihn mindestens mal per Franchise Tag halten wollte, um ihn vom Markt fernzuhalten.
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Colts: Jones bekommt Transition Tag
Als jedoch die Deadline für den Franchise Tag näher rückte, sickerte plötzlich durch - Überraschung! -, dass Jones mit dem unterbreiteten Angebot der Colts nicht wirklich einverstanden war. Die Vermutung liegt nahe, dass sie aus welchem Grund auch immer ein Low-Ball-Angebot gemacht hatten. Und wenn die Berichte vom Dienstag zutreffen, geriet man letztlich in Panik und wendete am Ende den Transition Tag auf Jones an. Den Transition Tag!
Niemand benutzt den Transition Tag! Kein Quarterback seit Jeff George im Jahr 1996 wurde mit dem Transition Tag belegt. Und dies mit gutem Grund. Ein Transition Tag dient nicht der Abschreckung, sondern ist einfach nur ein letzter Weg, vielleicht doch noch einen Spieler eventuell zu halten - oder eben ein anderes Team für sich Verhandlungen führen zu lassen. Dafür allerdings sollte man genügend Cap Space haben - die Colts stehen nach diesem Geniestreich bei -4,7 Millionen Dollar für den Moment.
Der Transition Tag räumt einem Team nur das "Right of First Refusal" ein, sprich: unterschreibt ein Spieler anderswo ein Offer Sheet, dann kann das bisherige Team dieses Angebot einfach für sich beanspruchen und den Spieler halten. Sollte nun ein Team besonders motiviert sein und einen Deal machen, der vielleicht sehr viel Grundgehalt zum Start hat, hätten die Colts arge Probleme, da mitzuziehen. Darum nutzt man in solchen Fällen den Franchise Tag, denn der ist zwar in diesem Jahr rund sechs Millionen Dollar teurer, schreckt aber dadurch ab, dass das neue Team eben nicht nur Geld investieren, sondern auch zwei Erstrundenpicks abtreten müsste. Das hätte für Jones niemand getan. Ein hohes Angebot dagegen ist für ein besonders verzweifeltes motiviertes Team zumindest denkbar.
Die Colts wetten nun also darauf, dass kein Team so verrückt ist, Jones, der von einem Achillessehnenriss zurückkommt, für sehr viel Geld in der kommenden Saison zu verpflichten. Doch wenn sie so denken, stellt sich mir schon die Frage, warum sie dann überhaupt den Transition Tag angewendet haben. Wäre es da nicht sinnvoller gewesen, sich gegen einen Abgang von Pierce zu schützen?
Pierce wird ein gefragter Mann
Pierce, so ist zu hören, zögert schon deshalb mit einer Unterschrift, weil er Stabilität auf Quarterback wünscht. Wer will es ihm verdenken, nachdem er in vier Jahren nun schon von sieben verschiedenen Quarterbacks Touchdowns gefangen hat? Diese Stabilität ist nun aber nicht gesichert, denn solange Jones nicht unterschreibt, bleibt hier ein Fragezeichen. Insofern wird Pierce sehr wahrscheinlich am Montag auf den Markt kommen und sich Angebote von allen Interessenten einholen. Ein Bieterwettbewerb um den wohl besten Receiver der diesjährigen Free Agency ist damit vorprogrammiert.
Wenn es dumm läuft, verlieren die Colts mit der Entscheidung, den Transition Tag auf Jones anzuwenden, also womöglich ihre zwei besten Free Agents und müssten dann gerade in Sachen Quarterback mal wieder bei null anfangen, während das Receiving Corps seine größte Waffe verlöre. Was Anfang der Saison 2025 noch wie ein Umschwung in die richtige Richtung aussah, könnte nun ganz schnell im Keim ersticken und den üblichen Trott bewirken, in dem sich dieses Team mindestens seit dem Abgang von Andrew Luck, aber wirklich schon seit Peyton Mannings Abgang über ein Jahrzehnt zuvor befindet.







