Man stelle sich folgendes Szenario vor: Wäre am Wochenende die Bundesliga-Saison zu Ende gegangen, wäre der VfL Wolfsburg erstmals in der Vereinsgeschichte in die 2. Bundesliga abgestiegen. Ein Szenario, das völlig gegensätzlich zu dem ist, was sie sich in der Autostadt ausgemalt haben. Aber eines, das immer wahrscheinlicher wird. sport.de nennt die Gründe für den Absturz der Wölfe.
VfL Wolfsburg hinten offen wie ein Scheunentor
Der VfL spielt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte. Die Wolfburger haben nach 24 Spieltagen erst 20 Punkte auf dem Konto, weniger waren es zu diesem Zeitpunkt der Saison noch nie. Der VfL hat ein massives Defensivproblem: 53 Gegentore bedeuten zusammen mit Heidenheim die schlechteste Defensive der Liga.
Jüngster Beweis: Die 0:4-Klatsche beim VfB Stuttgart, durch die die Wolfsburger erstmals in dieser Saison auf einem direkten Abstiegsplatz stehen. VfL-Mittelfeldspieler Yannick Gerhardt schlägt Alarm: "Der Verein sieht gerade nicht gut aus, er ist nicht gesund."
Trainerwechsel, die verpufften
Der "Wolfsburger Weg", den Sportchef Peter Christiansen zu Beginn seiner Amtszeit im Sommer 2024 ausgerufen hatte, sollte genau in die andere Richtung führen: nach Europa. Dafür wurde zu Beginn der Saison Paul Simonis als Cheftrainer verpflichtet.
Acht Punkte in zehn Spielen bedeuteten sein Aus. Als Nachfolger wurde Daniel Bauer präsentiert. Unter ihm setzte es in bisher 14 Spielen acht Niederlagen – Absturz auf Platz 17. Trotzdem sei er "total bereit, mein letztes Hemd dafür zu geben. Aber ich entscheide es nicht am Ende des Tages." Die Zahlen allein zeigen aber, dass der Effekt, durch einen neuen Trainer einen Richtungswechsel einzuleiten, in Wolfsburg in dieser Saison nicht gezogen hat.
Transfer-Fails – prominentester Fall: Christian Eriksen
"Die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Klubs sind aktuell nicht bundesligatauglich." Dieser Satz von Daniel Bauer am "DAZN"-Mikro nach dem erneuten Rückschlag am Wochenende macht deutlich, dass die Probleme tiefer liegen und nicht nur auf der Trainerbank.
Ein Name, um den man nicht herumkommt, ist der angesprochene Sport-Geschäftsführer Christiansen. Nicht nur die beschriebenen Trainerentscheidungen waren fragwürdig. Auch die Zusammenstellung des Kaders im Sommer passt hinten und vorne nicht.
Hier ist zum einen der defensive Mittelfeldspieler Vinicius Souza zu nennen. Er wurde vor der Saison für 15 Millionen Euro geholt, sitzt nach schwachen Leistungen aber nur auf der Bank.
Und zum anderen der prominenteste Christiansen-Flop: Christian Eriksen. Vergangenen Sommer als vermeintlicher Königstransfer gefeiert, sollte der Däne mit seiner Erfahrung den Unterschied im Wölfe-Spiel machen. Davon ist nichts zu sehen.
Ein weiteres großes Kader-Problem: das Überangebot an zentralen Mittelfeldspielern, das nicht gerade harmonische Stimmung in die Mannschaft bringt. Zu viele Spieler bekommen nicht genügend Einsatzzeit. Der Frust-Faktor ist entsprechend.
Wie bedrohlich die Lage für den Werksklub ist, unterstrich der Besuch von VW-Konzernchef Oliver Blume in der VfL-Kabine nach der Pleite in Stuttgart. Ein Zweitligist mit halbvollem Stadion wäre für den angeschlagenen Hauptsponsor der Wolfsburger so attraktiv wie ein Feldsalat für einen Wolf.
Marius Hüttmann




























