Nach langer Funkstille hat der Boxweltverband WBC Schwergewichts-König Oleksandr Usyk verpflichtet, seinen WM-Gürtel gegen Deutschlands Box-Star Agit Kabayel zu verteidigen. Der äußert sich jetzt zu der lang ersehnten WBC-Ansage.
Schwergewichts-Weltmeister Oleksandr Usyk muss seinen WBC-Titel gegen Agit Kabayel verteidigen: Auf diesen klaren Satz des Weltverbandes hat der Deutsche lange gewartet. Vor zwei Wochen hat ihn WBC-Boss Maurico Sulaiman in einem Interview mit dem amerikanischen Box-Journalisten Chris Mannix ausgesprochen.
"Endlich wurde der Kampf vom WBC angeordnet. Eigentlich sollte er ja schon viel länger, nach dem Kampf gegen Zhang (Kabayels Sieg über den Chinesen Zhang Zhilei am 22. Februar 2025, Anm.d.Red.) angeordnet werden. Nichtsdestotrotz bin ich froh darüber, ich freue mich riesig, endlich ist es durch", sagte Kabayel in seinem Youtube-Vlog.
Nach dem Sulaiman-Interview hätten "viele spekuliert", ob die Sätze des WBC-Präsidenten nur heiße Luft seien, führte der 33-Jährige aus und erläuterte: "Nein! Wir haben ein offizielles Schriftstück des WBC, dass der Kampf steht. Usyk hat noch eine freiwillige Titelverteidigung, danach muss er gegen mich kämpfen. Besser kann es für uns gar nicht laufen."
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Er rechne damit, dass Usyk im Mai wieder in den Ring steigt, sagte Kabayel. Im Herbst könne er dann auf den WBA/WBC/IBF-Champion treffen. "Vom Bauchgefühl her - vielleicht könnte mein Kampf im Oktober, November stattfinden. Wenn wir Pech haben, könnte es auch erst Anfang nächsten Jahres sein."
Der "Leberking" aus Bochum hatte schon zuvor bei "DAZN" den Wunsch nach einem WM-Kampf in Deutschland geäußert und nannte das Westfalenstadion in Dortmund mit "95.000 Zuschauern" als möglichen Schauplatz.
Wird Kabayel "von der Couch aus" Weltmeister?
Kabayel ist seit seinem Sieg gegen den Chinesen Zhang vor einem Jahr WBC-Interims-Weltmeister und damit Usyks Pflichtherausforderer. Der WBC machte danach allerdings keinerlei Druck auf den Ukrainer, den Gürtel gegen den "Leberking" zu verteidigen - bis zu Sulaimans Interview.
Usyk drängt derzeit auf den US-Markt. Amerikanische Medien spekulieren über einen Kampf in den USA gegen Ex-Weltmeister Andy Ruiz, der unlängst bei der neuen Box-Liga "Zuffa" von MMA-Pate Dana White unterschrieben hat. Auch ein Duell mit Kickbox-Legende Rico Verhoeven ist im Gespräch.
Danach muss Usyk laut WBC gegen Kabayel ran, will er den Titel des Verbandes behalten. Und wenn nicht? "Dann werde ich von der Couch aus Weltmeister", sagte Kabayel in der "Stefan-Raab-Show" auf RTL+.
Er wäre nicht der erste Schwergewichtler, der am Grünen Tisch den WM-Titel erhält. Auch die Box-Legenden Ken Norton (1978) und Lennox Lewis (1992) wurden vom WBC zu Weltmeistern erklärt, als die Titelverteidiger (Muhammad Ali bei Norton, Riddick Bowe bei Lewis) ihnen aus dem Weg gingen.
Kabayel hätte dann seinen Lebensraum erfüllt, erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling (1930!) zu sein. Der Boxer aus dem Pott hat aber wiederholt klargemacht, viel lieber die Herausforderung Usyk vor die Fäuste zu bekommen, um sich im Ring die Krone aufzusetzen.
Macht Kabayel vor Usyk einen Zwischenkampf?
Ob er bis zu einem Kampf gegen Usyk noch einmal boxe, ließ Kabayel offen. Er sei mit seinem Promoter Queensberry und Manager Spencer Brown im Gespräch.
"Wir haben die goldene Eintrittskarte zu dem WM-Fight. Ob es Sinn macht, noch einen Kampf zu machen, wird man sehen", sagte Kabayel: "Wenn sich das alles in die Länge zieht, wäre es natürlich mein Wunsch, noch einen Kampf zu machen. Denn so lange ohne Kampf will ich nicht bleiben - und dann gegen Usyk in den Ring zu steigen. Usyk ist nochmal ein ganz anderes Kaliber. Wir warten die Zeit erst einmal ab und schauen, wie die Steine fallen."
Kabayels Promoter Frank Warren hatte kürzlich angekündigt, sein Protegé solle im Mai erneut in Deutschland boxen.
Der WBC-Interims-Champion stand zuletzt Anfang Januar in Oberhausen im Ring: Vor ausverkauftem Haus in der Rudolf-Weber-Arena verteidigte Kabayel seinen Interims-Titel durch einen T.K.o.-Sieg in Runde drei gegen den polnischen Zwei-Meter-Riesen Damian Knyba.


