Anfang des Jahres trennen sich die Wege des Hamburger SV und Stefan Kuntz. Zunächst gibt der Sportvorstand "familiäre Gründe" an, wenig später spricht der HSV von Vorwürfen "eines schwerwiegenden Fehlverhaltens von Stefan Kuntz". Der Europameister von 1996 weist alles zurück - jetzt werden konkrete Vorwürfe öffentlich.
Der "stern" berichtet erstmals von konkreten Vorwürfen gegen den früheren HSV-Vorstand Stefan Kuntz. Das Magazin zitiert eine Anwältin, die in der Causa Kuntz mehrere Mitarbeiterinnen des Bundesligisten vertritt.
Sie teilte mit, "dass mir meine Mandantinnen im Zusammenhang der internen Aufklärung der HSV Fußball AG & Co. KGaA betreffend deren ehemaligen Mitarbeiter, Stefan Kuntz, von unangemessenen Berührungen, Sprüchen (insbesondere über die Brüste einer der Mitarbeiterinnen), sexuellen Anspielungen und wenig zweideutigen Aufforderungen zu sexuellen Handlungen des Mitarbeiters berichtet haben".
Der "stern" schreibt unter Berufung auf eigene Recherchen zudem von "deutlichen Widersprüchen" zwischen einer von Kuntz gestellten Strafanzeige und den Aussagen der betroffenen Frauen.
Kuntz hatte sich in der Anzeige als Opfer von Stalking dargestellt - mit anonymen Liebesbriefen, Anrufen und aufdringlichem Annähern der Mitarbeiterinnen. Auffällig ist der Zeitpunkt: Die Anzeige ging kurz nach Beginn vereinsinterner Untersuchungen gegen Kuntz ein.
HSV: Kuntz bestreitet alle Vorwürfe
Nach Informationen des "stern" sind in internen HSV-Unterlagen mehrere der von Kuntz geschilderten Situationen vermerkt - sie werden allerdings gegenteilig dargestellt.
Zum Beispiel berichtet Kuntz in der Strafanzeige, in einer Büroküche des HSV in eine für ihn unangenehme Situation gebracht worden zu sein. Einer Mitarbeiterin zufolge soll aber Kuntz derjenige gewesen sein, der in jener Küche die Nähe auf unangemessene Weise gesucht habe.
Der "stern" berichtet zudem von einer "Urlaubs-Episode" auf Mallorca. Laut Kuntz habe ihn eine Mitarbeiterin dort zu einem Treffen gedrängt. Die Anwältin der Frau teilte dagegen mit, es lägen Chatnachrichten vor, die beweisen sollen, dass Kuntz selbst dreimal ein Treffen – unter anderem auf einen Gin Tonic am Abend – vorgeschlagen habe.
Kuntz und seine Anwälte äußerten sich auf Anfrage des "stern" nicht zu den Vorwürfen. Zuvor hatte der 63-Jährige in der "Süddeutschen Zeitung" die Vorwürfe bestritten. Der HSV widersprach dem öffentlich, stufte die Vorwürfe "nach sorgfältiger Prüfung" als "glaubhaft ein".
Für Stefan Kuntz gilt die Unschuldsvermutung. Eine rechtliche Klärung der Vorgebrachten Vorwürfe steht noch aus.





























