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Absagenflut in Cleveland

Darum wollte keiner Head Coach der Browns werden

Sanders scheint eines der Probleme in der Head-Coach-Suche der Browns zu sein
Sanders scheint eines der Probleme in der Head-Coach-Suche der Browns zu sein
Foto: © IMAGO/Ian Johnson/Icon Sportswire
29. Januar 2026, 10:59
sport.de
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Von zehn offenen Head-Coach-Stellen in diesem Jahr in der NFL sind noch zwei offen. Keine davon schien jedoch so schwer vermittelbar wie die der Cleveland Browns - bis Todd Monken kam. Und das hat klare Gründe.

Zuletzt haben die Pittsburgh Steelers zugeschlagen und Mike McCarthy als neuen Head Coach verpflichtet und die Buffalo Bills wählten die interne Lösung Joe Brady. Das mögen kontroverse Entscheidungen sein, doch hatten sie nicht das Problem, geeignete Kandidaten anzulocken. Gleiches galt unter anderem für die Baltimore Ravens, die letztlich Jesse Minter von den Chargers an die Ostküste gelockt haben. Die Browns hingegen brauchten bis Mittwoch, ehe sie immerhin Todd Monken von sich überzeugten.

Bis jetzt ist bekannt, dass den Browns schon recht früh im Prozess gleich mehrere verheißungsvolle Kandidaten wie John Harbaugh (von Ravens zu Giants), Chris Shula (DC der Rams), Mike McDaniel (neuer OC der Chargers), Minter und zuletzt auch Grant Udinski (OC der Jaguars) von sich aus abgesagt haben. Udinski hatte zuvor noch Chancen auf den Head-Coach-Job der Bills, hatte es aber ansonsten schon vorgezogen, lieber OC in Duval zu bleiben, anstatt die Browns zu übernehmen. McDaniel traf diese Entscheidung bekanntlich schon zugunsten der Chargers und Shula soll einem Medienbericht zufolge kein gutes virtuelles Interview mit den Steelers gehabt haben und wird eventuell sogar DC der Rams bleiben, anstatt den Browns wirklich eine Chance zu geben. 

Gleich mehrere Kandidaten haben also schon sehr früh entschieden, dass ein Assistenzjob reizvoller oder zumindest perspektivisch gesehen sinnvoller ist als ein Head-Coach-Engagement in Cleveland. Und das spricht Bände. 

Hausaufgaben für neuen Head Coach?

Woran mag das liegen? Die Tatsache, dass die Browns ihren Kandidaten quasi Hausaufgaben gegeben haben beim Bewerbungsprozess und sie unter anderem ein Essay darüber verfassen sollten, warum sie der geeignete Kandidat für den Job sind, grenzt allein schon an Größenwahn, wenn man bedenkt, wo die Browns stehen. Sicherlich ist auch der Browns-Job einer von nur 32 seiner Art in der Welt - was kommt schon an einen Head-Coach-Posten in der NFL heran, zumindest in der Sportwelt? 

Doch zeigt eben die Historie, dass gerade dieser Job nicht unbedingt ein sicherer ist. Seit der Rückkehr in die NFL 1999 hatten die Browns sage und schreibe zehn hauptamtliche Head Coaches - die Interimstrainer lassen wir mal außen vor. Dass es Kevin Stefanski sogar sechs Jahre in Cleveland ausgehalten hat, grenzt da schon fast an ein Wunder. Und dass man ihn nun entlassen hat, obwohl er das Team zweimal in die Playoffs geführt hat und das erstmals seit 2002, macht die Sache noch unverständlicher, zumal er zweimal zum Coach of the Year gewählt wurde. 

Für Besitzer Jimmy Haslam war Stefanski indes der siebte Coach seit der Übernahme des Franchise im Jahr 2012, er hat also von 2012 bis 2019 sechs Coaches in sieben Jahren verschlissen! 

Monken kommt nun also mit der Gewissheit, dass nahezu nichts gewiss sein wird für ihn bei den Browns. Ein noch größeres Problem ist natürlich die Quarterback-Personalie. Seit Rückkehr der Browns ist dies ihr mit Abstand größtes Problem und eine Lösung ist auch weiterhin nicht in Sicht. 

NFL: Coaching-Karussell 2026 
Teamoffene Stelle(n)
Arizona CardinalsHead Coach gesucht
Atlanta FalconsKevin Stefanski als HC verpflichtet/ GM gesucht
Baltimore RavensJesse Minter als HC verpflichtet
Buffalo BillsOC Joe Brady zum HC befördert
Cleveland BrownsTodd Monken als HC verpflichtet
Las Vegas RaidersHead Coach gesucht
Miami DolphinsJon-Eric Sullivan als GM verpflichtet, Jeff Hafley als HC verpflichtet
New York GiantsJohn Harbaugh als HC verpflichtet
Pittsburgh SteelersMike McCarthy als HC verpflichtet
Tennessee TitansRobert Saleh als HC verpflichtet

Quarterback als großes Hindernis

"Ich weiß, dass es Trainer gab, die an dieser Suche beteiligt waren und von der Quarterback-Situation nicht gerade begeistert waren", verriet etwa Browns-Reporterin Mary Kay Cabot im "Orange and Brown Talk"-Podcast. "Das sollte keine Überraschung sein. Einige von ihnen sind sich nicht wirklich sicher, wie es mit der Quarterback-Position weitergeht. Wenn sie eine andere Chance bei einem Team mit einer besseren Quarterback-Situation haben, stehen die Chancen gut, dass sie sich diese Option offenhalten oder auf einen anderen Job warten."

Und dieses Problem wird sich auch 2026 nicht lösen lassen. Mit Shedeur Sanders und Dillon Gabriel stehen die zwei wenig überzeugenden Rookies der Vorsaison weiterhin unter Vertrag, zudem kommt Skandal-QB Deshaun Watson in den aktiven Kader zurück und wird dort nach menschlichem Ermessen auch bleiben. Sein Cap Hit liegt bei schlanken 80 Millionen Dollar und eine Entlassung würde für ein Minus von weiteren 50 Millionen Dollar sorgen. Schwer vorstellbar, dass man ihn also vorzeitig - im immerhin letzten Vertragsjahr - loswerden wird.

Rein sportlich würde er wohl ohnehin noch immer die beste Lösung sein, sollte er zum Saisonstart fit sein. In jedem Fall aber dürfte damit auch 2026 ein Übergangsjahr in Cleveland werden, ohne klaren Weg vorwärts, zumal es unwahrscheinlich ist, dass man im diesjährigen Draft ein QB-Juwel findet, dass man für die Zukunft aufbauen kann.

Warum wurde es nun also Monken?

Doch keine interne Lösung

Erste Berichte aus Cleveland suggerieren, dass die Trainersuch-Kommission, in der unter anderem General Manager Andrew Berry saß, Owner Jimmy Haslam Nate Scheelhase, den aufstrebenden OC der Rams, nahegelegt habe. Haslam jedoch machte wie üblich, was er wollte, zumal er nicht mit dem 35-Jährigen warm geworden sein soll, und holte lieber den bald 60 Jahre alten Monken, der noch nie zuvor Head Coach in der NFL war. 

Immerhin kennt er die Browns, denn er war dort schon 2019 Offensive Coordinator. Medienberichten zufolge verbrachte er damals jedoch die Zeit vor den Spielen damit, gegnerischen Coaches erzählen, was für ein Chaos bei den Browns herrschte. Er weiß also, worauf er sich nun einlässt.

Ebenfalls in der Verlosung war noch Defensive Coordinator Jim Schwartz, der offenbar davon ausgegangen war, den Job zu bekommen. Nachdem er vom Gegenteil in Kenntnis gesetzt wurde, soll er sichtlich aufgebracht gewesen sein und hingeworfen haben. In dem Zusammenhang sei noch gesagt, dass Haslam Schwartz wohl unbedingt halten wollte - seine Defense war schließlich nicht das Problem. Es soll sogar eine Bedingung für die möglichen Head Coaches gewesen sein, ihn als DC zu behalten. Berry wiederum soll ihn einem Gerücht zufolge nicht als Head Coach haben wollen, was die Situation weiter verkomplizierte.

Unterm Strich ist das Resultat des ganzen Chaos wohl: Schwartz' Zeit in Cleveland scheint aufgrund des nun wohl zerschnittenen Tischtuchs vorbei zu sein. Die Browns haben also womöglich mit dieser Sache weitere Kandidaten vergrault und stehen nun doch mit einem womöglich runderneuerten Trainerstab da.

In jedem Fall hat das diesjährige Coaching-Karussell gezeigt, das auch ein eigentlich exklusiver Job nicht unbedingt für alle reizvoll ist. Speziell dann, wenn man eine langfristige und erfolgsversprechende Perspektive sucht.

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