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Erkenntnisse des Wild Card Weekend

Eagles können dem Teufelskreis nicht entkommen

Video: Maye feuert perfekten Pass zu Henry für TD
13. Januar 2026, 16:11

Das Wild Card Weekend der NFL Playoffs erinnerte uns erneut an den Teufelskreis der Eagles. Die Packers stehen am Scheideweg und Justin Herbert braucht dringend Hilfe.

sport.de-Redakteur Marcus Blumberg nennt an jedem Montag seine Erkenntnisse der NFL-Woche. 

Eagles können dem Teufelskreis nicht entkommen

Nick Sirianni ist nun seit 2021 Head Coach der Philadelphia Eagles. Nach einem durchwachsenen Jahr eins unter dem damals aus Indy importierten Coaching Staff setzten die Eagles 2022 zum Höhenflug an. Ein Grund dafür war natürlich die Tatsache, dass man den Trade für A.J. Brown gemacht hatte, der die Offense vom damaligen Offensive Coordinator Shane Steichen auf ein neues Level hob.

Plötzlich lief's für Philly. Das Passspiel war explosiv und kaum zu stoppen und auch die Defense zog mit. Unterm Strich erreichte dieses Powerhouse den Super Bowl, den man letztlich nur knapp gegen die Chiefs verlor. Anschließend startete ein gewisser Trend. Aufgrund der starken Saison wurde die Konkurrenz hellhörig und beide Coordinators verließen das Team und wurden Head Coaches - Steichen übernahm die Colts, Jonathan Gannon die Cardinals. 

Sirianni griff dann komplett daneben und beförderte intern, um diese Rollen zu füllen. Brian Johnson übernahm die Offense, Sean Desai die Defense. Unterm Strich machte das Team gleich mehrere Schritte zurück, erreichte mit Ach und Krach die Playoffs und schied dann sang- und klanglos in der Wild Card Round in Tampa aus. Die Reaktion? Sirianni durfte zwar bleiben, musste jedoch neue Coordinators suchen. Die erwiesen sich als dann sogar als absolute Glücksgriffe, denn während Kellen Moore die Offense - unter Mithilfe von Neuzugang Saquon Barkley, versteht sich - wieder in die Spur brachte, sorgte der erfahrene Vic Fangio dafür, dass die Defense zu einer echten Waffe wurde.

Der weiterhin übertrieben gut besetzte Kader erreichte erneut den Super Bowl und zerstörte dieses Mal ein komplett chancenloses Chiefs-Team, das versuchte, einen einmaligen Threepeat zu schaffen. Moore wanderte anschließend als Head Coach zu den Saints ab und sein Nachfolger kam erneut aus den eigenen Reihen. Es lief nicht gut.

Wer sich meine Texte hier in der abgelaufenen Saison gegeben hat, wird merken, dass ich ohnehin kein Fan von Kevin Patullos Arbeit war. Am Sonntag nun sahen wir in allen Facetten, wie richtig ich - und sehr viele andere auch! - mit dieser Einschätzung und wie falsch Sirianni mit dieser Wahl lag. 

Die alte Leier in Philly

Die Kritikpunkte blieben immer dieselben: seine Offense ist einfach zu eintönig, zu simpel und zu berechenbar. Sein letzter Play Call des Spiels gegen die 49ers - 4th&11 nahe der Red Zone mit vier Punkten Rückstand - war ein 4-Verts-Konzept, was so viel heißt wie, es laufen einfach vier Receiver geradeaus. Er machte dies nach einer Timeout, man konnte sich also beraten. Kamerabilder zeigen Patullo, Jalen Hurts und Sirianni an der Seitenlinie bei der Vorbesprechung und keiner der Coaches fand das zu blöd. Hurts sah nicht begeistert aus.

Diesen Spielzug wählten sie gegen Cover 4 der 49ers. Die vier in Zone verteidigenden Defensive Backs hatten das Play also vor sich und sahen genau, was da kam. Dass Hurts dann in einen Bereich des Feldes warf, in dem letztlich der anvisierte Receiver von drei Mann umzingelt war, half natürlich auch nicht. Aber es war nicht so, dass Hurts eine bessere Alternative gehabt hätte. Das Ergebnis war eine Incompletion und das Ende der Hoffnungen der Eagles auf ein Comeback und eine so seltene Titelverteidigung in der NFL.

All das hätte man vermeiden können, doch die Eagles, die wie so oft in dieser Saison nach der Pause im Grunde gar nichts mehr zustande brachten, ließen es wie üblich einfach laufen. Vor der Pause brachte es Philly auf +3,54 EPA/Pass und +3,2 EPA/Rush. Nach dem Break? -6,78 EPA/Pass und -2,91 EPA/Rush - Zahlen von "SūmerSports". Vor der Pause waren sie also ziemlich effizient unterwegs, danach absolut gar nicht mehr. 

Vor der Pause setzten sie in fast 20 Prozent der Plays auf Motion sowie in fast 17 Prozent auf Play Action. Nach der Pause war Motion nur noch Teil von fast 17 Prozent der Snaps und die PA-Quote krachte runter auf knapp über acht Prozent. Die beste Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass man in den Verwaltungsmodus stellte, in der Hoffnung, dass es die Defense schon regeln würde. Doch auch die Fangio-Defense kann keine Wunder vollbringen, gerade in den Playoffs braucht es auch mal Entlastung einer Offense, speziell, wenn diese so viel Potenzial hat.

Die Konsequenz daraus dürfte einmal mehr sein, dass man den OC feuern wird. Und wenn die Serie weitergeht, wird 2026 wieder ein fähiger Mann an der Seitenlinie stehen und vermutlich geht es dann wieder in den Super Bowl. Oder wird man sich in der Führungsebene der Eagles doch nochmal grundlegend überlegen, ob nicht vielleicht Sirianni das Problem ist, weil er eben regelmäßig mit dieser wichtigen Personalie daneben liegt und dann auch nicht gewillt ist, einen solchen Fehlgriff frühzeitig zu fixen und lieber eine komplette Saison vor die Wand fährt? Eine spannende Frage für Owner Jeffrey Lurie und General Manager Howie Roseman.

Die Packers am Scheideweg

Einfach den Offensive Coordinator auszutauschen wird bei den Green Bay Packers nach deren bitterer Last-Minute-Pleite gegen die Bears nicht viel helfen. Play-Caller ist bekanntlich Head Coach Matt LaFleur, der mittlerweile ein Händchen dafür zu haben scheint, Spiele zu versenken, in denen sein Team gegen Ende klar führt. 

Die Packers führten im Soldier Field zur Pause 21:3 und nach Matthew Goldens erstem NFL-Touchdown mit rund sechseinhalb Minuten auf der Uhr betrug der Vorsprung immerhin noch elf Punkte. Das war ungefähr der Moment, an dem wir wohl alle gedacht hatten, dass damit die Messe gelesen war, oder? 

Denkste! Die Bears erzielten mit einem wie besessen aufspielenden Caleb Williams noch zwei Touchdowns, während Kicker Brandon McManus zum dritten Mal in dieser Partie seinen Job nicht machte - er vergab aus 44 Yards, nachdem er schon aus 55 Yards und beim Extrapunkt versagt hatte. Und am Ende ging den Packers einfach die Zeit aus, auch, weil LaFleur seine Timeouts viel zu früh verschwendete.

Nun muss man wissen, dass die Packers einige Ausfälle in der Defense hatten und im Laufe des Spiels mehr dazu kamen. Entsprechend kann man Defensive Coordinator Jeff Hafley nicht allzu viel vorwerfen, was dieses Ende betraf. Doch LaFleur und seiner Offense? Aber sicher! Die Packers-Offense spielte vor der Pause wie aus einem Guss und erzielte drei Touchdowns in den ersten drei Drives. Im letzten Drive vergab McManus den Kick aus 55 Yards. Nach der Pause jedoch ging es den Bach runter.

Vor dem eigentlich befreienden Touchdown von Golden gab es vier Punts am Stück für Green Bay. Auch hier illustriert ein Blick auf die Zahlen, dass man im zweiten Durchgang einfach nicht mehr sein "A Game" gezeigt hat, aus welchen Gründen auch immer. Vor der Pause sahen wir von Green Bay Motion in über 28 Prozent der offensiven Snaps, dazu immerhin fast 16 Prozent Play Action. Nach der Pause? nur noch 7,89 Prozent in beiden Fällen! Und das, obwohl man in der zweiten Hälfte in über 80 Prozent der Plays aufs Passspiel setzte!

Packers nach der Pause zu berechenbar

Das heißt, man schaltete nicht etwa in den Verwaltungsmodus, sondern war einfach viel zu eindimensional und berechenbar. In der ersten Hälfte lag das Verhältnis zwischen Run und Pass noch bei 50:50 und die Bears hatten keinen Schimmer, was passierte.

LaFleurs Vertrag geht noch ein Jahr und in der NFL ist es nicht üblich, einen Head Coach zur "Lame Duck" zu machen - es sei denn, wir reden über die Cowboys, da ist es im Grunde Tradition. Bei seriös geführten Organisationen jedoch vermeidet so etwas. Das heißt, der neue Teampräsident Ed Policy muss nun zügig entscheiden, wie es weitergeht. Soll LaFleur gehalten werden oder ist es Zeit für einen Neuanfang? 

LaFleur ist seit 2019 Head Coach der Packers und erreichte in sieben Saisons sechsmal die Playoffs. Allerdings gelang es ihm nur in seinen ersten drei Saisons mit Aaron Rodgers die NFC North zu gewinnen. In den Playoffs kam er dreimal in die Divisional Round, wobei der letzte Playoff-Sieg nach der Saison 2023 war - in Dallas. Für Packers-Verhältnisse sind das ordentliche Ergebnisse, doch wenn man einen Jordan Love bezahlt und einen Trade für Micah Parsons macht - der bekanntlich verletzt ist -, sind die Ansprüche eigentlich größer als gelegentlich mal die Divisional Round zu erreichen.

Zu allem Überfluss könnte LaFleur nun auch noch Hafley verlieren, der Kandidat auf einen Head-Coach-Posten anderswo ist, was die Probleme von vor 2024 auch wieder aufleben lassen könnten. In Green Bay neigt man zwar eher dazu, Dinge in aller Ruhe zu regeln, doch da anderswo die Head-Coach-Suchen schon fortgeschritten sind, sollte man in Wisconsin schnell Klarheit schaffen - mit welchem Ergebnis auch immer.

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Greift Justin Herbert unter die Arme!

"Tis But a Scratch!" Justin Herbert erinnerte am Sonntagabend nach manch einem Hit der New England Patriots ein wenig an den Black Knight aus "Monty Python and the Holy Grail". Im Gegensatz zu besagtem Schwarzen Ritter aber verließ Herbert Gillette Stadium aber immerhin mit allen seinen Gliedmaßen an Ort und Stelle. Doch übel einstecken musste er dennoch.

Es ist das eingetreten, was man im Vorfeld aus Sicht der Chargers befürchten musste - die verletzungsbedingt komplett zerschossene Offensive Line der Bolts erwies sich nicht als Hilfe für Herbert, der unter Dauerbeschuss stand. Die Patriots, die in diesem Jahr personell bedingt nicht unbedingt für ihren Pass Rush standen, lieferten an dieser Front eine absurde Vorstellung ab. Je nach Quelle sammelten sie irgendwas zwischen 16 und 25 Pressures gegen Herbert und erzielten sechs Sacks. Und das, obwohl Herbert im Schnitt 3,24 Sekunden bis zum Pass hatte.

Doch hier soll es nicht um New England und dessen Defense gehen. Hier steht die Offense der Chargers im Mittelpunkt, die ganze drei Punkte erzielte und 0-2 in der Red Zone war, obwohl die eigene Defense, die stark aufspielte, sogar früh im Spiel eine Interception tief in der Patriots-Red-Zone gefangen hatte. Die Chargers bekamen den Ball damit Mitte des ersten Viertels an der gegnerischen 10-Yard-Linie und hatten Punkte damit fast schon sicher.

Was folgte, war jedoch ein Reminder daran, dass OC Greg Roman ebenfalls ein recht limitierter Play-Caller ist. Erstes Play: ein Scramble von Herbert, weil die Coverage gut war, für vier Yards an die 6. Es folgte ein designter Run von Herbert für drei Yards an die 3. Und dann noch ein Scramble von Herbert an die 2. Anstatt ein Field Goal zu nehmen, wurde Head Coach Jim Harbaugh dann überraschend aggressiv und spielte den Versuch aus.

In solchen Fällen erwartet man einen der besten Spielzüge, die ein Team im Arsenal hat, schließlich können solche Situationen ein Spiel entscheiden. Was tatsächlich folgte, war jedoch ein schnödes Pass-Play mit Trips rechts (nach Motion immerhin) mit den Patriots in Man Coverage. Sie spielten Cover 0, brachten als alles, was sie hatten und der anvisierte Receiver, Keenan Allen, war unter Bewachung von Christian Gonzalez, der in dem Spiel keine einzige Reception zugelassen hat.

Herbert hatte keine Zeit, wurde sofort aus der Pocket gedrängt und brachte nur noch einen schwachen Wurf zustande, der im Dreck landete. 

Quelle: NFL Pro
Quelle: NFL Pro

Kein echter Plan für Chargers-Offense?

Das jedoch war eines von nur ganz wenigen Plays, in denen Roman überhaupt mal auf Motion setzte, auch Play Action nutzten die Chargers im ganzen Spiel nur in 15,25 Prozent der Snaps. Das Spiel bestand wie so oft nur daraus, dass Herbert irgendwie selbst kreieren sollte, ein echter Plan und vor allem Lösungen durch das Scheme wurden ihm nicht geboten. Dass die Protection nicht passte, lässt sich mit den vielen Verletzungen erklären, doch auch schematisch scheint es nicht zu passen. 

Gute Coaches passen das, was sie im Laufe einer Saison tun, an die Spieler an, um diese in die bestmögliche Position zu bringen. Roman hingegen scheint das nicht unbedingt zu tun. Guard Mekhi Becton, der sicherlich von den Eagles schmerzlich vermisst wurde, sagte am Montag gegenüber Reportern: "Es sind viele verschiedene Dinge, die ich nicht gewohnt bin." Auf die Frage, ob er glaubt, dass er sich daran gewöhnen könnte, sagte er schlicht: "Nein." Hat er denn mit Roman darüber gesprochen, wie man die Dinge fürs nächste Jahr verbessern kann? "Nein. Wir haben nicht darüber gesprochen nach dem Spiel, also weiß ich es nicht." 

Vermutlich aber wäre eine solche Unterredung ohnehin Zeitverschwendung gewesen, denn offenbar denkt Harbaugh darüber nach, eine Veränderung vorzunehmen. Schon am Sonntag sagte er auf die, ob Roman noch die richtige Person dafür ist, die Plays zu callen: "Ich habe darauf im Moment nicht die Antwort." Das klingt wie ein elaborierter Weg, "nein" zu sagen.

Ob Harbaughs langjähriger Weggefährte also seinen Posten behält, steht angesichts des neuerlichen Misserfolgs infrage. Insgesamt allerdings setzte sich für Roman mit diesem Spiel in New England nur ein bedenklicher Trend fort. In seinen vergangenen sieben Playoff-Spielen als Play-Caller - von 2019 bis 2022 war er etwa in Baltimore tätig, seit 2024 in L.A. -, brachte es seine Offense auf 13,9 Punkte im Schnitt. Seine letzten drei Spiele erbrachten 12, 12 und 3 Punkte.

Vermutlich ist es Zeit für neue Impulse. Und idealerweise auch eine Offensive Line für Justin Herbert.

Young sichert sich nahe Zukunft in Carolina

Bryce Youngs Saison 2025 war insgesamt sehr wechselhaft. Seine Leistungskurve glich einem Zick-Zack-Kurs und spiegelte im Grunde die Tendenz der Panthers wieder, über weite Strecken der Saison eine Niederlage an seinen Sieg und wieder eine Niederlage zu reihen. Konstanz sieht anders aus, weshalb ich für meinen Teil zumindest mal bezweifelt habe, dass die Panthers die 5th-Year Option in Youngs Rookie-Vertrag bis Mai ziehen würden.

Nach der Vorstellung am Samstag bei der Heimniederlage gegen die Rams muss ich diese Meinung aber wohl revidieren. Young begann zwar erneut schwach und warf eine schlimme Interception. Doch er brachte sein Team gegen einen auf dem Papier übermächtigen Gegner ins Spiel zurück und hatte besagten Gegner sogar am Rande der Niederlage nach dem sehenswerten Touchdown-Pass auf Jalen Coker mit 2:39 Minuten zu spielen.

Es sollte nicht reichen, weil die Defense letztlich zu berechenbar war und beim entscheidenden Touchdown der Rams Star-Cornerback Jaycee Horn fehlte. Doch Young zeigte, dass er durchaus in diese Liga gehört. Und - das mag am Ende wenig aussagen -, er zeigte letztlich eine bessere Leistung als All-Pro-Quarterback Matthew Stafford, der laut "ESPN" lediglich ein QBR von 49,0 zusammenspielte. Young hingegen lag bei 74,4, wobei 100 der Maximalwert ist. 

Am Ende war das egal, schließlich gewannen die Rams, doch Young machte der Teamführung die Entscheidung über die Option auf ein fünftes Jahr deutlich leichter als zu Beginn des Spiels. 

Zugleich hat er womöglich eine starke Nummer 2 im Passspiel neben dem diesjährigen Erstrundenpick Tetairoa McMillan gefunden, denn Jalen Coker legte gegen eine starke Defense sein bislang bestes NFL-Spiel hin. Der Undrafted Rookie der Saison 2024 fing neun Pässe für 134 Yards und besagten Touchdown. Die Receptions und Yards waren Career-Highs! 

Die Defense braucht mehr Substanz, das Run Game mehr Konstanz und womöglich weitere Verstärkungen in der Offensive Line. Doch wenn es Young gelingt, seine guten Leistungen häufiger aufs Feld zu bringen, dann wäre die größte Frage dieser Organisation immerhin geklärt. Und das war die wichtigste im Vorfeld dieser Saison.

New England Patriots
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Seattle Seahawks
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00:30
Mo, 09.02.
Beendet
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