Wenn der FC Schalke 04 am Samstagabend (ab 20:15 Uhr live bei NITRO) im Top-Spiel der 2. Bundesliga den VfL Bochum empfängt, ist der Ruhrpott elektrisiert. Für beide Mannschaften geht es um viel mehr als die Revier-Vormachtstellung im Unterhaus.
Sowohl für den FC Schalke 04 als auch für den VfL Bochum hätte der Saisonstart besser laufen können: Die beiden Traditionsklubs aus dem Pott sind mit je einem Sieg und einer Niederlage in die neue Saison der 2. Bundesliga gestartet, im DFB-Pokal mühte man sich jeweils mit Biegen und Brechen gegen unterklassige Gegner eine Runde weiter. Euphorie sieht anders aus.
sport.de blickt vor der Partie der Revier-Nachbarn am Samstag (ab 20:15 Uhr live bei NITRO, die Highlights gibt es direkt nach Abpfiff auf RTL+) auf die besonderen Vorzeichen. Wie gehen die beiden Trainer Miron Muslic und Dieter Hecking vor? Wie verlief die Vorbereitung? Und wie fällt eigentlich die Bilanz zwischen beiden Klubs aus?
FC Schalke 04: Besondere Muslic-Maßnahme vor dem Bochum-Duell
Miron Muslic, selbst erst seit rund zwei Monaten beim FC Schalke 04, hat vor dem Revierduell seine Spieler auf einen kleinen Ausflug mitgenommen. Bereits in der vergangenen Woche ging es auf den höchsten Punkt in Gelsenkirchen, sagte der Cheftrainer zu seiner "Teambuilding"-Maßnahme: "Da haben wir auf unsere Nachbarn geblickt. Wir wollten damit ein Gefühl vermitteln, wie wichtig Schalke für die Menschen ist - und wie wichtig die Spiele gegen direkte Nachbarn sind."

Der Hintersinn: Schalke 04 hat im Sommer fünf Neuzugänge begrüßt, erst am Donnerstag kam Finn Porath von Bundesliga-Absteiger Holstein Kiel dazu. So soll die Mannschaft schnell zueinander finden und im besten Fall auch eine Beziehung zur Region aufbauen.
"Wir haben der Mannschaft den hohen Stellenwert der Partie gezeigt, ein Bewusstsein dafür geschaffen", führte der 42-Jährige aus: "Auch für mich war dieses Teambuilding sehr wertvoll. Ich bin ja auch erst seit zweieinhalb Monaten hier. Ich bin froh und happy, dass wir das gemacht haben."
Im Training, so Muslic auf der Pressekonferenz am Donnerstag vor der Partie, wird der Fokus derweil inzwischen mehr und mehr auf die Offensive gelegt. In den ersten Wochen lag das Hauptaugenmerk noch auf der "defensiven Stabilität" - um nicht die Fehler der letzten Saison zu wiederholen.
Dass selbst gegen den Regionalligisten 1. FC Lok Leipzig im Pokal nach 120 Minuten nur ein mageres Tor heraussprang, liege auch an der Personalsituation. "Was ihr manchmal vergesst: Die drei Spieler, die in den letzten zwei Spielen gespielt haben mit Kenan (Karaman, Anm. d. Red.), Brian (Lasme) und Emil (Höjlund), die hatten keine Vorbereitung." Karaman habe in den Tests vor dem Ligastart aufgrund seiner Verletzung "null Minuten" gespielt, Höjlund und Lasme kämen "in der gesamten Vorbereitung auf 30 Minuten". Es sei nur "normal", dass "die Connection" fehlt.
Immerhin: Der Gegner aus Bochum zeigte sich defensiv bislang nicht allzu sattelfest und steht bei fünf Gegentreffern in drei Pflichtspielen.
VfL Bochum: Hecking will gegen die Schalker "Wucht" bestehen
Dieter Hecking weiß aus eigener Erfahrung nur allzu gut: Die Arena auf Schalke mit ihren über 60.000 Zuschauern kann sich in einen wahren Hexenkessel verwandeln.
Daher lautet die "Aufgabe" des 60-Jährigen für seine Spieler, dass sie gegen "die Wucht" ankämpfen, sofern die Euphorie von den Fans auf die Hausherren überschwappt. "Dass wir Lösungen finden und selbst die Nadelstiche setzen, um Schalke vor Aufgaben zu stellen, ist auch klar." Die über 6.000 Gästefans werden sicher ebenfalls für eine stimmungsvolle Partie sorgen.
Zugleich stellt der Übungsleiter des VfL klar, dass man sich bei der taktischen Marschroute nicht allzu sehr auf den Gegner einstellen wird. "Natürlich wissen wir, wie Schalke gerne spielt - hohes Pressing, hohe Aggressivität. Aber Schalke bietet auch Räume auf, diese müssen wir suchen, finden und ausnutzen."
Mit Kenan Karaman, Daniel Becker, Nikola Katic, Adrian Gantenbein oder Ron Schallenberg habe Schalke 04 derweil durchaus mehrere Spieler, "die wissen, wie es geht". Auch vor dem Ex-Bochumer Christopher Antwi-Adjej und dessen Schnelligkeit warnte Hecking - und fügte in aller Deutlichkeit hinzu: "Im Vergleich zu uns ist das eine gestandene Mannschaft. Auch, wenn sie neu zusammengestellt wurde."
Während Muslic, dem jüngst Mittelfeldspieler Porath aus Kiel an die Seite gestellt wurde, zuletzt positive Personalnachrichten verkünden konnte, hat Hecking in Bochum ein volles Lazarett. Moritz-Broni Kwarteng und Erhan Masovic fallen schon länger aus, zuletzt kamen noch Ibrahima Sissoko und Koji Miyoshi hinzu, die gegen S04 definitiv fehlen. Kjell Wätjen, Samuel Bamba und Noah Loosli seien "alle mehr als fraglich", so Dieter Hecking ernüchtert.
Gefragt, ob er bald einen Neuzugang präsentieren darf, sagte der Trainer-Fuchs nur knapp: "Falscher Ansprechpartner."
Bilanz: Klarer Vorteil für den FC Schalke 04
Den Heim- und Personal-Vorteil haben die Schalker vor dem Anpfiff bereits auf ihrer Seite. Doch damit nicht genug: Auch die Bilanz spricht eine deutliche Sprache.
79 Mal trafen beide Klubs in der Vergangenheit bislang in Pflichtspielen aufeinander, 47 Mal ging Königsblau als Sieger vom Platz. Für die Bochumer reichte es nur zu 20 Siegen.
Was S04 besonders Mut machen dürfte: Letztmals gelang dem VfL ein Auswärtssieg in Gelsenkirchen in der Saison 2003/04 (2:0). Den letzten Dreier überhaupt fuhren die Bochumer in der Spielzeit 2008/09 ein (2:1), damals noch mit Spielern wie Christian Fuchs - der ein paar Jahre später die Seiten wechselte -, Christoph Dabrowski oder Diego Klimowicz.




























