Vor dem Beginn der Tour de France (5. bis 27. Juli) hat die Streckenführung für reichlich Kritik gesorgt - sowohl mit Blick auf die ersten als auch auf die letzte Etappe. Deutlich dagegen positioniert hatte sich der zweifache Gesamtsieger Jonas Vingegaard. Tour-Boss Christian Prudhomme lässt die Kritik aber recht kalt.
Tour-de-France-Organisator Christian Prudhomme lässt sich von kritischen Stimmen rund um die Etappenplanung bei der 112. Frankreich-Rundfahrt nicht beirren.
Der 64-Jährige verstehe zwar, wie er im Gespräch mit "AFP" ausführte, warum Radsport-Superstars wie Jonas Vingegaard oder Remco Evenepoel alles andere als glücklich über das Streckenprofil auf der letzten Tour-Etappe sind: "Genauso wie ich verstehe, dass Fahrer nicht begeistert waren, dass wir Kopfsteinpflaster- oder Gravelpassagen ins Rennen integriert haben." Doch Prudhomme lässt die Kritik eher kalt: "Das ist jetzt Teil des Sports."
In diesem Jahr kehrt die Tour zwar am Schlusstag auf den berühmten Champs-Élysées zurück, nimmt dabei aber einen umstrittenen Umweg. Dreimal muss das Peloton auf den legendären Montmatre im Herzen von Paris steigen, ehe es auf den Prachtboulevard geht.
Die Organisatoren erwarten ähnliche Bilder wie im vergangenen Jahr im August, als das Straßenrennen die Massen bei den Olympischen Spielen begeisterte. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass das ein spektakuläres Finale wird", so Prudhomme.
Letzte Etappe "unnötig kompliziert" gemacht
Deutlich dagegen positioniert hatte sich im Vorfeld etwa Olympiasieger Remco Evenepoel, der im vergangenen August ausgerechnet auf dem Montmatre seinen bislang größten Erfolg gefeiert hatte. Der jetzige Abstecher über den Montmatre mache die Tour aber "unnötig kompliziert", nach drei harten Wochen erwartet er "noch mehr Erschöpfung und Stress", so der Belgier im Vorfeld.
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Auch sein Konkurrent Jonas Vingegaard, immerhin zweifacher Tour-de-France-Champion hatte Kritik geübt: "Bei Olympia sah das schön aus. Aber da waren 50 Fahrer zusammen, jetzt sind es 150 im Positionskampf - keine gute Idee."
Ob damit nun auch Schluss ist mit dem traditionellen Massensprint? Möglich, so Prudhomme, der gegenüber der "Sportschau" erklärte: "Nach der letzten Überquerung des Montmartre sind es nur noch sechs Kilometer bis zum Ziel auf Frankreichs Prachtboulevard. Somit ist es nicht sicher, dass wir eine Sprintankunft erleben werden."
Tour-Chef bringt Lipowitz ins Spiel
Unterdessen freut sich der Tour-Chef auf den Zweikampf zwischen den Top-Favoriten Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar. "Es gibt nichts Besseres als ein Duell. Das ist das Salz in der Suppe aller sportlichen Wettkämpfe", sagte Prudhomme.
Der 64-Jährige wünscht sich einen "Kampf" der beiden Top-Stars, traut aber auch dem deutschen Hoffnungsträger Florian Lipowitz einen gute Rolle zu. "Wir wollen, dass das Duell weitergeht", sagte Prudhomme, aber "warum nicht mit einem (Remco) Evenepoel oder einem anderen dritten Mann, vielleicht (Florian) Lipowitz ..."
Lipowitz, der für das Team Red Bull-Bora-hansgrohe sein Tour-Debüt feiert, hatte die Dauphiné im Juni als Gesamtdritter hinter Pogacar und Vingegaard beendet. Doppel-Olympiasieger Evenepoel ließ der Deutsche hinter sich.






