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Zwischenfazit zur deutschen Biathlon-Saison

Gelbe Gegenwart, goldene Zukunft und trübe Aussichten

Franziska Preuß (r.) und Selina Grotian (l.) sorgen für eine starke deutsche Biathlon-Saison
Franziska Preuß (r.) und Selina Grotian (l.) sorgen für eine starke deutsche Biathlon-Saison
Foto: © IMAGO/GEPA pictures/ David Geieregger
28. Januar 2025, 18:18

Sechs Weltcupstationen haben die Biathleten und Biathletinnen bereits in den Beinen, die Weltmeisterschaft in Lenzerheide (12. bis 23. Februar) sowie drei weitere Stationen stehen noch an: Ein guter Zeitpunkt, einen Blick auf die bisherigen Leistungen der deutschen Skijäger und Skijägerinnen zu werfen.

Zu Beginn des Weltcupwinters schien der Glanz der einstigen Biathlon-Nation Deutschland deutlich verblasst: Die Männer galten angesichts der übermächtigen Konkurrenz aus Norwegen sowie den starken Franzosen allenfalls aus Außenseiter, die im Optimalfall das Podest entern können. Den Frauen des DSV war vereinzelt mehr zuzutrauen, gerade die vielen jungen Talente, die zwangsläufig in den knallharten Weltcupalltag geworfen werden mussten, warfen allerdings große Fragen auf: Einige davon sind inzwischen beantwortet - und das durchaus positiv.

Allen voran die ewige Thronfolgerin Franziska Preuß sorgt dafür, dass der Biathlon-Winter aus schwarz-rot-goldener Sicht einen positiven Anstrich erhält. Dass Preuß zu Großem fähig ist, bewies sie schon in jungen Jahren, als sie mit 20 Jahren den Massenstart-Weltcup gewann und ein ganz großer Coup nur eine Frage der Zeit zu sein schien. Der Körper machte der Deutschen aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Gelbe Gegenwart - und goldene Biathlon-Zukunft?

Klar, Staffel-Bronze bei den Olympischen Spielen in Peking sowie sieben WM-Medaillen (1 Gold, 5 Silber, 1 Bronze) sind beeindruckend, angesichts von Preuß' unbestrittenen Fähigkeiten ist eine einzige Einzel-Medaille aber eigentlich ebenso zu wenig, wie der einzelne Weltcup-Einzelsieg, den die inzwischen 30-Jährige bis zu diesem Winter verbuchen konnte. 

Letztere Ausbeute hat Preuß in der laufenden Saison allerdings mal eben verdreifacht, an einem weiteren Erfolg schrammte sie zudem nur haarscharf vorbei, Top-Plätze fuhr die Staffelweltmeisterin von 2015 allerdings beinahe immer ein. Den Saisonschlussspurt hat Preuß daher völlig zurecht im Gelben Trikot gekleidet vor der Brust. 

Gewonnen ist die große Kristallkugel natürlich noch nicht, zuzutrauen ist Preuß 2024/25 allerdings alles. Das galt auch für Vanessa Voigt, die ebenfalls schon zweimal auf dem Podium landete. Allerdings verkündete der DSV am Dienstag, dass die 27-Jährige aus gesundheitlichen Gründen die WM und den Rest der Weltcupsaison verpassen werde.

Was den Winter aus deutscher Sicht aber schon jetzt vergoldet, ist das überragende Auftreten der jungen Skijägerinnen.

Selina Grotian hat den Sprung vom Megatalent in den Weltcup scheinbar mühelos gemeistert. Die 20-Jährige gewann in Annecy sensationell ihr erstes Rennen und landete jüngst in Antholz auf Platz zwei - Ein Platz unter den Top 10 des Gesamtweltcups ist derzeit der beeindruckende Lohn. Im Windschatten des Topduos hat die erst 19-jährige Julia Tannheimer zudem schon drei Platzierungen unter den besten zehn eingeheimst. 

"Ich kann es eigentlich noch gar nicht so richtig glauben, dass es bisher so gut gelaufen ist", ordnete Tannheimer im exklusiven Gespräch mit sport.de ihren überraschend starken Saisonverlauf ein.

Nadelstiche vertreiben die dunkelsten Wolken

Talente à la Grotian oder Tannheimer sucht man bei den deutschen Männern vergebens, auch ein echtes Eisen in Kampf um das Gelbe Trikot hätten wohl nur die allerkühnsten Träumer vor dem Winter beim DSV verortet - völlig unzufrieden wird man aber auch im Herrenlager nicht sein. 

Gegen die Konkurrenz aus Schweden, Frankreich und vor allem Norwegen ist im Normalfall zwar kein Kraut gewachsen, Philipp Nawrath mit seinem dritten Platz im Sprint von Kontiolahti und Danilo Riethmüller als Sensationszweiter im Massenstart von Annecy haben allerdings bewiesen, dass positive Ausrutscher möglich sind.

Dass Philipp Horn, Justus Strelow und vor allem Johannes Kühn der Weltspitze insgesamt zu selten Paroli bieten können, lässt sich zwar nicht von der Hand weisen. Angesichts der Erwartungen muss man allerdings dennoch zufrieden sein. Zumal sich noch eine große Chance bietet: Sollte die deutsche Männerstaffel bei der WM eine Medaille gewinnen, wären wohl viele Wogen geglättet. Platz drei in Ruhpolding hat immerhin gezeigt, dass man nicht chancenlos ist.

Der Blick in die Zukunft ist allerdings ein eher trüber: Selbst im IBU-Cup tummeln sich kaum deutsche Männer, die noch zum Nachwuchs zu zählen sind. Immerhin gab es Lichtblicke bei der Junioren-EM, wo Fabian Kaskel und Elias Seidl im Sprint zuletzt einen Doppelsieg feierten

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