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Die Adrian-Franke-Kolumne im Mai

Warum niemand Bryce Young aufgeben sollte

Bryce Young hat nach seiner Rookie-Saison einiges zu beweisen
Bryce Young hat nach seiner Rookie-Saison einiges zu beweisen
Foto: © IMAGO/Scott Kinser
29. Mai 2024, 09:24
sport.de
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Während Bryce Young eine desaströse Rookie-Saison erlebte, mussten die Carolina Panthers mitansehen, wie ihr im Trade nach Chicago wandernder Erstrunden-Pick sich als Nummer-1-Overall-Pick herausstellte. Es wird nicht leicht für Young, all dem jemals gerecht zu werden - aber er wird jetzt seine Chance bekommen. Immerhin ist er der Einzige, der einen potenziell desaströsen Trade noch retten kann.

In seiner monatlichen Kolumne schreibt RTL-Experte Adrian Franke exklusiv über die NFL bei sport.de.

Selten wurde ein Draft-Trade hoch für einen Quarterback bereits im Folgejahr so auseinandergenommen, wie das, was Panthers-Fans in dieser Offseason über sich ergehen lassen mussten. Der Trade im Vorjahr, um sich den Nummer-1-Pick von den Bears zu sichern, könnte angesichts des investierten Preises - inklusive des Nummer-1-Overall-Picks im diesjährigen Draft - zeitnah als eine der schlechtesten Entscheidungen eines Franchise in die Geschichte eingehen.

Die abgegebenen Ressourcen lassen sich nicht zurückholen. Und so gibt es nur einen Faktor, der den Trade im Nachhinein halbwegs retten könnte: Bryce Young.

Sollte Young der Franchise-Quarterback werden, den man sich in Charlotte erhofft hat, wird der teure Preis über die Jahre mehr in den Hintergrund rücken. Doch selbst hier lief das erste Jahr alles andere als ideal: Während C.J. Stroud in Houston eine fantastische Rookie-Saison spielte, hatte Young enorme Probleme.

Und so gilt es zunächst einmal, diese Frage zu beantworten: Kann Young überhaupt ein NFL-Franchise-Quarterback werden? Hat er in seiner ersten Saison irgendetwas gezeigt, das das andeuten könnte? 

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Carolinas schwaches Waffenarsenal

Man kann eine Analyse von Youngs Rookie-Saison nicht seriös aufziehen, ohne nicht die Umstände als gravierenden Faktor zu berücksichtigen. Nicht etwa, um Ausreden zu finden, sondern eher, um die Mittel, die Young zu seiner Verfügung hatte und den Schwierigkeitsgrad, auf welchem er operieren musste, vernünftig einzuordnen. 

Unter allen Receivern und Tight Ends mit mindestens 45 Targets waren die drei Panthers-Receiver D.J. Chark (2,3 Yards durchschnittliche Separation), Jonathan Mingo (2,8) und Adam Thielen (2,9) alle unter der Marke von 3 Yards durchschnittlicher Separation. Erweitert man den Filter, waren Chark und Terrace Marshall zwei der schlechtesten Receiver in puncto Separation.

Nach Expected Yards after the Catch pro Reception, also die Next-Gen-Stats-Statistik, die angibt, wie viele Yards nach dem Catch pro Reception der Receiver gemessen an unter anderem Spielsituation, Speed und Separation herausholen sollte, belegte Adam Thielen den letzten und Jonathan Mingo den viertletzten Platz. Beide waren im negativen Bereich mit -1,1 und -0,7 Yards.

Thielen ist ein Nummer-3-Receiver an diesem Punkt seiner Karriere. Er hat keinen Speed mehr, sein ideales Aufgabengebiet liegt darin, Underneath als verlässlicher Possession-Receiver zu fungieren. So haben die Panthers ihn auch letztes Jahr schon eingesetzt: 80 Wide Receiver hatten mindestens 50 Targets in der vergangenen Regular Season, nur acht hatten eine im Schnitt niedrigere Target-Tiefe als Thielen.

Die Panthers-Offense: Wo ist die Dynamik?

Thielens Marke von 8 Yards durchschnittlicher Target-Tiefe war gleichauf mit Amon-Ra St. Brown, doch St. Brown holte im Schnitt 2,3 Yards pro Catch mehr nach dem Catch raus (5,7 vs. 3,4). Thielen war ligaweit der einzige Receiver mit einer durchschnittlichen Target-Tiefe unter neun Yards, der dennoch weniger als mindestens vier Yards nach dem Catch im Schnitt produzierte.

Diese Outlier-Statistik unterstreicht einen ganz entscheidenden Punkt: Die Panthers hatten keinerlei Dynamik in der Offense. Oder anders formuliert: Es fehlten die Playmaker. Diontae Johnson, der via Trade aus Pittsburgh kam, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er ist ein verlässlicherer Separator und ein Target-Magnet über die Mitte des Feldes. Xavier Legette, Carolinas Erstrunden-Pick, hat ein komplett anderes Receiver-Profil. Er könnte insbesondere im Yards-after-Catch-Department für signifikante Verbesserungen sorgen.

Dass Carolina hinsichtlich seiner Playmaker in Youngs erster Saison Probleme bekommen könnte, war einigermaßen absehbar. Dafür sollte die Offensive Line ein stabilisierender Faktor sein - doch das Gegenteil war der Fall. Der einzige Quarterback mit mindestens 300 Dropbacks in der vergangenen Saison, der häufiger in unter 2,5 Sekunden Druck von der Defense bekam, war Geno Smith. 63-mal wurde Young in unter 2,5 Sekunden unter Druck gesetzt, zur Einordnung: 21 der 30 Quarterbacks mit mindestens 300 Dropbacks knackten nicht die 50 in dieser Kategorie.

Die Offensive Line: Problem erkannt - Problem gebannt?

Young hatte überall fraglos seinen Anteil, aber gerade diese Problematik ist ein gutes Beispiel: Youngs Pressure-to-Sack-Rate in unter 2,5 Sekunden lag bei 17,5 Prozent. Einzig Justin Fields und Russell Wilson lagen noch darüber. Young hätte hier einige Probleme fraglos besser lösen können; gleichzeitig ist es viel von einem Rookie-Quarterback verlangt, eine Offense am Leben zu erhalten, in der er regelmäßig schnell unter Druck gesetzt wird, während keiner seiner Receiver Separation kreiert. Denn das ist auf den Punkt gebracht die bittere Zusammenfassung der hier aufgelisteten Statistiken.

Neun Offensive Linemen spielten 2023 je mindestens 190 Blocking Snaps für die Panthers und der einzige, dem man guten Gewissens überdurchschnittliche Leistungen attestieren kann, ist Right Tackle Taylor Moton. Left Tackle Ikem Ekwonu konnte seinen hohen Draft-Spot bislang nicht rechtfertigen, und die Interior Offensive Line war nicht nur ein personelles Karussell, sondern qualitativ auch die womöglich schlechteste Interior Line in der NFL.

Der schmalste, schmächtigste Quarterback in der NFL hinter der vielleicht schwächsten Interior Offensive Line, das für sich betrachtet ist schon ein massives Problem. Und es legte eine Sache schonungslos offen: Die Playmaking-Qualitäten als Passer, die Youngs Spiel im College so geprägt haben, lassen sich nur sehr bedingt auf die NFL übertragen. Young ist limitiert darin, was er in einer engen Pocket machen kann, insbesondere einer engen Interior Pocket, weil er schlicht nicht die Physis und nicht das Armtalent dafür hat, um hier viele Probleme zu kaschieren und Dinge selbst zu kreieren. Young hatte seine Playmaker-Momente als Scrambler, aber deutlich seltener als Passer.

Das neue Regime in Carolina sieht diesen Part offensichtlich sehr ähnlich - zumindest lassen sich ihre Taten so interpretieren: Mit Robert Hunt und Damien Lewis wurde die Interior Line massiv verstärkt, bis zu 153 Millionen Dollar investierte Carolina in die beiden Guards.

Austin Corbett, der vergangenes Jahr verletzungsbedingt nur vier Spiele absolvieren konnte, rückt somit vermutlich auf die Center-Position, und Spieler wie Cade Mays, Calvin Throckmorton, Chandler Zavala und Nash Jensen, die 2023 noch relevante Snaps in der Interior Line gespielt haben, sind entweder nicht mehr im Team oder rücken in die zweite und dritte Reihe.

Welche sind Bryce Youngs beste Qualitäten?

Die Guard-Upgrades sollten dafür sorgen, dass Young eine sauberere Pocket bekommt. Und hier kommt man auf eine übergreifende Frage: Was ist Youngs realistischer Best Case in der NFL? Diese Frage können wir noch nicht beantworten, aber es ist sinnvoll, mit seinen besten Qualitäten zu beginnen.

Youngs beste Spiele kamen spät in der Saison. Insbesondere gegen die Falcons und die Packers in Woche 15 und Woche 16. Gegen Atlanta hatte er die wenigsten Pressures (8) in einem Spiel letztes Jahr, gegen Green Bay eine der besten Pressure-to-Sack-Rates seiner Rookie-Saison.

Insbesondere gegen Green Bay bestätigte sich ein Trend, den Young zuvor schon angedeutet hatte: Der 22-Jährige ist ein guter Passer über die Mitte des Feldes.
Das ist erwähnenswert, nicht zuletzt weil viele Rookies damit noch Probleme haben. Hier ist der meiste Traffic, hier sind die potenziell gefährlichsten Bälle, wenn man einen Safety oder Linebacker falsch - oder gar nicht - liest. Young selbst machte direkt in seinem ersten NFL-Spiel gleich zweimal Bekanntschaft mit Falcons-Safety Jessie Bates.

Aber sein Timing, sein Ball Placement, sein Touch, und auch schon sein Spielverständnis war insbesondere in der Mitte des Feldes auffällig. Young ist gut darin, die verschiedenen Ebenen des Spiels in der Mitte des Feldes zu identifizieren und Crosser zu finden, die er auch zwischen die verschiedenen Ebenen der Defenses mit Touch bedient. Häufig war das so ziemlich das einzige, was im Passspiel funktionierte.

Das Packers-Spiel war hier das extremste Beispiel, Young brachte gegen Green Bay 11 von 13 Pässen über die Mitte des Feldes für 171 Yards und einen Touchdown an. Aber sein Tape zeigt, dass diese Qualitäten immer wieder mal aufblitzten.

Was kann Dave Canales aus Young herausholen?

Um das unmissverständlich festzuhalten: Das waren Flashes. Es waren einzelne Spiele, es waren einzelne Momente. Aber darauf lässt sich aufbauen, weil es skalierbar ist.
Youngs beste Momente kamen nicht, als er etwas Verrücktes kreierte oder Sandkasten-Football spielte, der sich kaum planbar wiederholen lässt. Seine besten Momente kamen innerhalb der Struktur, bei Crossern, Curls und Seam-Pässen über die Mitte des Feldes - genau hier funktionieren viele NFL-Offenses bevorzugt.

Das gilt auch für die Offense von Dave Canales, der die Panthers als neuer Head Coach übernimmt. Auch Baker Mayfield war unter Canales insbesondere in der 10-19-Yard-Range im Zentrum gut. Das ist etwas, worauf Canales und Young aufbauen können. Gleichzeitig gilt es wiederum, Youngs Accuracy konstanter zu machen. Er hat nicht die Armstärke, um hier kleine Fehler zu kompensieren, umso besser und konstanter müssen seine Mechanics sein - und eben seine Pocket.

Ich erwarte im zweiten Jahr einen merklichen Sprung von Young. Nicht einfach, weil er in seine zweite Saison kommt, sondern weil die neue Offense seine Stärken in den Mittelpunkt rückt und das neue Regime schon jetzt ein Verständnis dafür an den Tag legt, wie man Young bestmöglich unterstützen kann.

Wird das Panthers-Fans diesen Trade zeitnah vergessen lassen? Vermutlich nicht. Aber es könnte viel dazu beitragen, dass man all den hypothetischen Szenarien nicht mehr ganz so sehr hinterhertrauert.

Adrian Franke

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