Das Kandidatenturnier in Toronto/Kanada zieht in diesen Tagen die Blicke der Schach-Welt auf sich. Zuletzt machte aber nicht der sportliche Teil Schlagzeilen, sondern allen voran das Verhalten von Großmeister Alireza Firouzja und dessen Vater, der am Montag vom Weltverband aus der Veranstaltungshalle geworfen wurde.
Nein, das Schach-Kandidatenturnier in Toronto läuft wirklich nicht nach dem Geschmack von Alireza Firouzja. Nach 10 von 14 gespielten Partien sind seine Träume von der Qualifikation für die Weltmeisterschaft bereits ausgeträumt. Mit nur 3,5 Punkten liegt der im Vorfeld hoch gehandelte Franzose in der Tabelle auf dem vorletzten Platz (hier geht es zum aktuellen Gesamtstand).
Der Frust beim 20-Jährigen sitzt tief. So tief, dass er sich nach der 9. Runde öffentlich über den offiziellen FIDE-Schiedsrichter beschwerte. In einem Post auf X klagte er das "beschämende Verhalten" des Offiziellen an und sprach von "unprofessionellem Vorgehen". Dazu fordert er gar eine "Bestrafung" seitens der Organisatoren.
Spieler beschwert sich über Firouzja
Stein des Anstoßes war ein Gespräch, dass der Schiedsrichter mit Alireza während dessen Partie gegen Ian Nepomniachtchi führte. Ein anderer Spieler hatte sich darüber beschwert, dass Alireza beim Gehen zwischen den einzelnen Tischen zu laute Geräusche mache. Der Schiedsrichter sprach den 20-Jährigen darauf an und brachte ihn - so Firouzjas Version - damit aus dem Konzept. Die Partie endete trotz einer vorteilhaften Stellung für den Franzosen remis.
Im Nachgang behauptete Firouzja auf X, er sei aufgefordert worden, am nächsten Tag mit anderen Schuhen am Spielort zu erscheinen. Der FIDE-Schiedsrichter wies diese Behauptung jedoch zurück. Er sagte: Nicht die Schuhe seien das Problem gewesen, sondern Firouzjas Art zu gehen. Diese habe die störenden Geräusche auf dem Holzboden verursacht.
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Keine 24 Stunden später waren die Schuhe kein Thema mehr. Dafür allerdings Firouzjas Vater Hamidreza. Er wollte die zehnte Partie seines Sohns live in der Halle mitverfolgen. Das ist jedoch untersagt. Die FIDE hatte lediglich für wenige Runden eine Ausnahmeregel erlassen, die besagt, dass Angehörige der Spieler-Teams die ersten 15 Minuten live im Spielraum mitverfolgen dürfen. Danach müssen sie die Halle verlassen. So verlangt es die Fairy-Play-Vorgabe.
Hamidreza Firoujza wollte sich daran nicht halten und auch nach Ablauf der 15 Minuten in der Halle bleiben. Die FIDE spielte da aber nicht mit und eskortierte ihn kurzerhand auf die Straße. Geräuschlos ging das nicht vonstatten.
Firouzja-Vater droht mit der Polizei
"Nach dem Beginn der Runde hat er ein Mitglied unseres Teams angesprochen und damit gedroht, die Polizei zu rufen, wenn er nicht in die Halle gelassen wird, wann immer er will", schilderte Pavel Tregubov, Technischer Delegierter der FIDE, die Situation bei "chess24". "Dieser Forderung können wir aber natürlich nicht nachkommen", ergänzte Tregubov.
Er sei Hamidreza Firoujza anschließend noch in der Halle über den Weg gelaufen. "Und er hat dann angefangen, mir gegenüber etwas aggressiv zu werden", berichtete Tregubov, der auf weitere Einzelheiten nicht weiter einging. Der Spieler-Vater argumentierte, dass er selbst ein schlechter Schach-Spieler sei und seinem Sohn entsprechend nicht helfen könne. "Aber natürlich können wir das nicht als valide Begründung durchgehen lassen, denn wir können die Mitglieder der Teams nicht unterschiedlich behandeln. Wenn einer in die Halle darf, müssen die anderen auch dürfen."
Auf die Frage, ob Hamidreza Firoujza der Zugang zur Spielhalle noch einmal gewährt wird, sagte Tregubov: "Wir sind flexibel. Wenn er kommt und sich angemessen benimmt, dann werden wir es ihm erlauben. Ihn für die weiteren Runden auszuschließen, wäre zu hart."


