Zwischen den norwegischen Ski-Alpin-Stars und dem Verband herrscht derzeit dicke Luft. Nun attackierte Aleksander Aamodt Kilde den "Skiforbundet" scharf und drohte sogar mit einem Rücktritt.
"Ich bin so glücklich mit diesem Sport, dass ich zurückkommen möchte", sagte Kilde im Interview mit "NRK".
Dann drohte der 31-Jährige jedoch indirekt mit einem Rücktritt: "Ich merke auch, dass sich an der Spitze des Skiverbandes etwas ändern muss, wenn ich zurückkomme."
Kilde war Mitte Januar beim Weltcup in Wengen gestürzt und mit hoher Geschwindigkeit in den Fangzaun gekracht. Er hatte sich an der Schulter und schwer am Unterschenkel verletzt.
Der Norweger holte im weiteren Interview-Verlauf zu einem Rundumschlag gegen den Verband aus.
Beim Skiforbundet herrsche eine "Alles-oder-Nichts-Einstellung", bei der die Sportler und Sportlerinnen nicht richtig unterstützt würden. In dem Zusammenhang warf Kilde dem Verband sogar "Arroganz" und "unprofessionelles Verhalten" vor.
"Ich muss sagen, dass das Vertrauen meinerseits stark geschwächt ist", polterte der Gesamtweltcupsieger von 2019/20 weiter: "Wenn Sie mich fragen, ist ganz klar, was wir hier ändern müssen: Es ist der Vorstand und die Art und Weise, wie Dinge verwaltet werden."
Kilde fordert daher eine komplette Neustrukturierung. "Wir brauchen jemanden mit Persönlichkeit, der bereit ist, dafür zu kämpfen", so der Alpin-Superstar.
Auf entsprechende Anfragen von Kilde habe der Verband zuletzt nicht mehr reagiert. "Wir sind immer wieder gegen die Wand gefahren", berichtete er: "Es ist eine Frustration, die uns bleibt."
Norwegischer Verband weist die Vorwürfe zurück
Ski-Präsidentin Tove Moe Dyrhaug und der Leiter des Alpinkomitees Ola Evjen bewerten die Situation allerdings anders. "Die Sportler sind das Wichtigste, was wir haben, und wir arbeiten jeden Tag für sie", hieß es in einer Stellungnahme bei "NRK".
Man habe Kilde sogar ins Komitee eingeladen. "Wir werden ihm und den anderen Athletenvertretern zuhören, wenn wir gemeinsam überlegen, wie die Nationalmannschaftsvereinbarung modernisiert werden kann", hieß es weiter.
Hintergrund zu dem Zoff sind wohl Missstände im Verband. Diese hatten den erst 23 Jahre Lucas Braathen bereits im Oktober zu einem Karriereende getrieben. Die Nachwuchshoffnung hatte sich wegen seiner Persönlichkeits- und Vermarktungsrechte mit dem Verband gezofft.
Der Skiforbundet zwingt sämtliche Mitglieder seiner Mannschaften dazu, nur auf die von ihm vorgegebenen Ausrüster zurückzugreifen.
Alle großen Stars wie Johannes Kläbo, Petter Northug (beide Skilanglauf) oder Henrik Kristoffersen (Ski Alpin) hatten deswegen schon teils heftigen Streit mit dem Verband.

