Die deutschen Sprinterinnen demonstrieren bei der Bahnrad-EM erneut ihre Stärke, doch auch in vielen anderen Disziplinen gelingt der Start ins Olympiajahr. Auf dem Weg nach Paris gibt es trotzdem noch viel zu tun.
Die Gold-Mission von Paris war schon in Apeldoorn allgegenwärtig. Auf dem Weg zu ihrem großen Ziel nahmen die Teamsprinterinnen Pauline Grabosch, Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze den Titel-Hattrick in Fast-Weltrekordzeit bei den Europameisterschaften gerne mit, den Blick richtete das Trio aber umgehend auf die Olympischen Spiele im Sommer.
"Das war die erste Etappe auf dem Weg nach Paris, Olympia haben wir immer im Kopf", sagte Hinze und ergänzte: "Es geht jetzt in den nächsten Wettkämpfen darum, Feinheiten abzustimmen."
Das gelang in den Niederlanden schon bemerkenswert gut. Anfahrerin Grabosch brachte die viermaligen Weltmeisterinnen in persönlicher Bestzeit ins Tempo, der dritte EM-Titel nacheinander war dann nur noch Formsache.
Friedrich und Hinze als Top-Favoriten für Olympia
Doch ein ganz spezielles Stück Edelmetall fehlt noch im längst prall gefühlten Trophäenschrank der Ausnahmesprinterinnen: die Olympia-Goldmedaille.
Diese ist das klar formulierte Ziel, nach der Dominanz der letzten Jahre wäre bereits Silber wie bei den vergangenen Sommerspielen in Tokio - damals noch als Duo, in Paris wird nun auch zu dritt gefahren - eine Enttäuschung.
Auch in den Einzeldisziplinen gehören vor allem Friedrich und Hinze, die beide jeweils acht WM-Titel vorweisen können, zur Weltspitze. Im Sprint von Apeldoorn musste sich Titelverteidigerin Friedrich als Zweite aber wie bei der Weltmeisterschaft in Glasgow der britischen Senkrechtstarterin Emma Finucane geschlagen geben. Hinze holte Bronze, so auch Grabosch im nicht-olympischen 500-m-Zeitfahren.
Gold gab es dafür für den nimmermüden Roger Kluge und seinen treuen Partner Theo Reinhardt im Zweier-Mannschaftsfahren. Das routinierte Duo sicherte sich nach München 2022 und Grenchen 2023 zum dritten Mal in Folge den Madison-Titel.
"Haben wir gezeigt, dass wir mit vorn dabei sind"
Langsam aus dem Formtief zu kommen scheint der Bahn-Vierer der Frauen. Nach Olympiagold mit Weltrekord und dem Karriereende von Lisa Brennauer hatte es bei der WM 2023 in Glasgow mit Platz sieben einen schweren Rückschlag gegeben.
Mit Bronze rehabilitierte sich das Quartett um die Olympiasiegerinnen Franziska Brauße, Lisa Klein und Mieke Kröger in Apeldoorn zumindest ein wenig. Auch der Männer-Vierer macht mit Platz vier Hoffnung.
"Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden", bilanzierte BDR-Sportdirektor Patrick Moster: "Da wo es drauf ankommt, haben wir gezeigt, dass wir mit vorn dabei sind. Das betrifft vor allem die Bereiche Sprint, Teamsprint, Madison und Mannschaftsverfolgung der Frauen."
In anderen Disziplinen hinken die Deutschen allerdings hinterher. Die Silbermedaille von Lea Lin Teutenberg im Ausscheidungsfahren war eher eine Ausnahme. Denn im Ausdauerbereich, so Moster, "haben wir derzeit keine Fahrerin, die ganz vorn in die internationale Spitze fahren kann."




