Alle für einen: Andreas Wellinger kämpft in einem Krimi gegen Ryoyu Kobayashi um den Tourneesieg - und seine Teamkollegen helfen mit.
Für Krimis hat Andreas Wellinger eher wenig übrig. Die Serie "Code des Verbrechens" lief zuletzt im fliegenden Doppelzimmer mit Stephan Leyhe, "aber da bin ich nach einer Viertelstunde eingeschlafen", verriet der Skisprung-Olympiasieger.
Bei der Vierschanzentournee wartet nun aber sein ganz eigener Thriller: Keine drei Meter liegt Wellinger vor dem Finale am Samstag (16:30 Uhr) hinter dem Gesamtführenden Ryoyu Kobayashi - und bei diesem Showdown will er hellwach sein.
"Ich werde voll angreifen, das ist meine Devise. Ich steige voll aufs Pedal", sagt Wellinger vor der Entscheidung in Bischofshofen. Am Ruhetag tankte er daher noch einmal Kraft - und durfte sich beim Abendessen "richtig schön den Bauch vollhauen", wie er mit einem Grinsen sagte: "Die anderen sind immer neidisch auf meinen Teller, meistens liegt da doppelt so viel drauf."
Ab Freitag wird es aber wieder ernst, vom Qualifikations-Tag erhofft sich Wellinger Aufwind für den Kampf um den Goldadler. Die Schanze kennt er jedenfalls aus dem Effeff. "Ich mag Bischofshofen extrem gerne. Auf keiner anderen Schanze mache ich so viele Sprünge, schon als Schüler bin ich oft von Berchtesgaden dorthin zum Training gefahren", sagt der Bayer.
Skisprung-Kollegen bringen sich ein
Damit es klappt mit dem ersten deutschen Tourneesieg seit 22 Jahren, helfen auch die Teamkollegen mit. "Wenn es etwas zu tun gibt, sei es die Tasche tragen bei der Dopingprobe oder was auch immer, dann machen wir das", sagt etwa Karl Geiger, der als 14. der Gesamtwertung weit hinter den eigenen Erwartungen liegt: "Und ansonsten sind wir zum Daumendrücken da."
Das gilt auch für Wellingers Zimmerkollegen Leyhe. "Es ist das höchste Ziel, dass Andi da gut durchkommt", sagt der 31-Jährige, betont aber auch mit einem Augenzwinkern: "In Watte packen werden wir ihn nicht. Ich bring ihm auch keinen Kaffee ans Bett. Den kann er sich schon selber holen." Wellinger müsse schließlich auch alleine springen.
Dass er das in Bischofshofen gut kann, hat Wellinger unter anderem 2017 bewiesen, als er die Qualifikation mit dem damaligen Schanzenrekord von 144,5 m gewann . "Das ist ein bisschen seine Heimschanze", sagt auch Bundestrainer Stefan Horngacher. Im Wettkampf allerdings lag Wellinger in Bischofshofen bei den letzten fünf Aufeinandertreffen mit Kobayashi immer hinter dem Japaner, der dort schon zweimal gewann.
Und auch der Rückstand ist nur auf den ersten Blick klein. Mehr als vier Punkte Rückstand holte im letzten Tournee-Wettkampf zuletzt Espen Bredesen auf - vor 30 Jahren. Und das auch nur dank der unsportlichen Hilfe seines Teamkollegen Lasse Ottesen, der vor Jens Weißflog auf dem Balken trödelte. Weißflog musste bei schlechtem Wind starten und fiel zurück.
Auf solche Tricks will Wellinger natürlich nicht zurückgreifen. "Ich werde mit Selbstvertrauen das Ding raushämmern, möglichst lange in der Luft bleiben und sauber landen - und dann wird es eine Ergebnisliste geben", sagt der Kobayashi-Jäger: "Und dann werdet ihr an meinem Gesichtsausdruck sehen, ob ich zufrieden bin oder nicht."

