Von den Vorschusslorbeeren, mit denen Niclas Füllkrug auf der Zielgeraden des Sommer-Transferfensters von Werder Bremen zu Borussia Dortmund gewechselt war, profitiert der Mittelstürmer noch heute. Als amtierender Bundesliga-Torschützenkönig hatte der Angreifer schnell viele Fürsprecher beim BVB, als derzeit gesetzter Neuner in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sowieso. Doch nach einigen unsichtbaren Auftritten drängt sich immer mehr die Frage auf: Verliert Füllkrug bald seinen Stammplatz beim BVB?
Als er kurz vor dem dritten Spieltag gegen den 1. FC Heidenheim (Endstand 2:2) für rund 13 Millionen Euro von der Weser ins östliche Ruhrgebiet gewechselt war, war die Zielsetzung eindeutig: Als zweiter klassischer Mittelstürmer im Kader des Vizemeister sollte der 30-Jährige für neue Torgefahr sorgen, dem bis dato formschwachen Sébastien Haller mehr Druck machen als Youngster Youssoufa Moukoko.
Zunächst ging die Rechnung der BVB-Bosse auch auf: Nach zwei Joker-Einsätzen zu Beginn lief Füllkrug seinem ivorischen Stürmerkollegen Haller vollkommen den Rang ab, stand seit Mitte September in allen BVB-Pflichtspielen in der Bundesliga und Champions League in der Startformation.
Während "Fülle" als meinungsstarker Kommunikator schnell seinen Platz innerhalb des Profi-Kaders der Schwarz-Gelben fand, auffallend häufig sogar das Wort bei letzten Besprechungen vor dem Anpfiff ergreift, fällt er in seiner eigentlichen Kernkompetenz doch immer mehr ab.
Füllkrug gegen Newcastle und den FC Bayern bisweilen unsichtbar
Nachdem der Torjäger schon in seiner finalen Phase bei Werder Bremen merklich an Treffsicherheit eingebüßt hatte, insgesamt seit dem 25. Bundesliga-Spieltag der Vorsaison nur noch eine Bude erzielt hatte, stehen für den BVB bislang magere zwei Tore in elf Pflichtspielen zu Buche.
Vor allem in den letzten bedeutenden Partien gegen Newcastle United (1:0) in der Champions League und den FC Bayern (0:4) in der Bundesliga war vom gebürtigen Hannoveraner praktisch nichts zu sehen.
Sowohl in der Königsklasse als auch beim Bundesliga-Klassiker wurde Füllkrug komplett aus dem Spiel genommen, kam auf lediglich 21 beziehungsweise 26 Ballaktionen. Gegen die Bayern schoss der Torschützenkönig kein einziges Mal aufs Tor, brachte sich auch als Anspielstation in der vordersten Reihe nur viel zu selten in das Dortmunder Angriffsspiel ein.
Im Vergleich zu Bayerns Superstar Harry Kane auf der anderen Seite, der mit drei Treffern um Lichtjahre torgefährlicher auftrat als Dortmunds Nummer 14, sprachen alle wichtigen Parameter zu Ungunsten Füllkrugs: Er lief weniger als Kane, war deutlich weniger ins Spiel der eigenen Mannschaft eingebunden und war in den meisten Phasen der Partie schlichtweg nicht zu sehen.
Ein für Füllkrug, der gemeinhin als guter Wandspieler mit dem Rücken zum Tor gilt, besonders desaströser Wert: Gegen den FC Bayern kamen nur 42 Prozent seiner gespielten Pässe auch bei einem Dortmunder Kollegen an. Heißt konkret: In den meisten Fällen waren die Dortmunder Angriffsbemühungen beendet, nachdem der Sommer-Neuzugang den Ball berührte.
Miserable Note im Top-Spiel gegen den FC Bayern
Die Performance gegen die Münchner bedeutete aus Sicht Füllkrugs den bisherigen Tiefpunkt einer schlimmer werdenden Formkrise, von sport.de gab's folgerichtig für das mangelhafte Passspiel und die fehlende Präsenz auf dem Platz die Note 5,5.
Setzt sich diese Entwicklung weiter fort, droht der eigentlichen Sturmhoffnung schon bald wieder die Ersatzbank. Youssoufa Moukoko macht aus seiner Unzufriedenheit ob seiner Rolle als Joker längst keinen Hehl mehr, will unbedingt neue Bewährungschancen in Bundesliga und Champions League bekommen.
Moukoko einzusetzen, sei "immer ein Ansatz", wie Cheftrainer Edin Terzic am Montag auf der Pressekonferenz vor dem Rückspiel gegen Newcastle United (Dienstag, 18:45 Uhr) offenbarte. "Wir wissen um die Qualitäten von Youssoufa, er ist extrem fleißig und läuferisch sehr gut. Es gibt kein Spiel, in dem er keine Torchance hatte." Der Youngster habe "definitiv auf sich aufmerksam" gemacht, ließ Terzic durchblicken, dass Füllkrugs Stammplatz durchaus wackelt.
Und auch Sébastien Haller, der im Spätsommer auch aufgrund besorgniserregend schlechter Fitnesswerte keine Option mehr für längere Einsätze war, scharrt in der zweiten Reihe schon wieder mit den Hufen. Der 29-Jährige war mit seinen neun Rückrunden-Treffern in der letzten Saison einer der Garanten dafür, dass der BVB bis zum 34. Spieltag überhaupt so lange von der ersten Meisterschaft seit elf Jahren träumen durfte.
Egal, ob die erste Alternative im Zweifel Moukoko oder Haller heißen würde: Reißt Füllkrugs Leistungskurve noch weiter ein, werden ihm als Startelf-Spieler schon bald die Argumente ausgehen.
Mats-Yannick Roth




























