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"Hölle und zurück" für das NFL-Talent

Die bewegende Geschichte von C. J. Stroud

C.J. Stroud hat in seinen jungen Jahren schon einiges durchgemacht
C.J. Stroud hat in seinen jungen Jahren schon einiges durchgemacht
Foto: © IMAGO/Jose Marin / Marinmedia.Org / Cs
12. November 2023, 18:46

Für die meisten Experten galt C. J. Stroud lange als heißester Anwärter auf den ersten Pick im NFL Draft 2023. Was viele nicht wissen: In seiner Jugend musste der Quarterback einen familiären Schicksalsschlag verkraften, der ihn vor eine Entscheidung stellte.

Es ist nicht gerade Alltag, dass ein Football-Collegespieler auf einem Podium für eine Justizreform in den USA sitzt, an der Seite von Glamourstar Kim Kardashian. C. J. Stroud aber ist bei diesem Dinner der Initiative "Reform Alliance" Anfang des Jahres aus guten Gründen dabei.

Der Athlet der Ohio State Buckeyes vertritt ein persönliches Anliegen. Eines, das ihn in seiner Jugendzeit extrem geprägt hat. Stroud setzt sich dafür ein, dass Häftlinge in den USA früher aus dem Gefängnis kommen können. Davon würde auch sein Vater profitieren.

Stroud ist gerade einmal 13 Jahre alt, als sich sein Leben von Grund auf ändert. Vater Coleridge Stroud III wird im April 2015 zu einer Gefängnisstrafe in Höhe von 38 Jahren verurteilt. Er hatte sich des Autodiebstahls, Kidnappings, Raubes, Flucht vor einem Beamten mit rücksichtslosem Fahren und des Vergehens sexueller Nötigung schuldig bekannt.

Vater Stroud hatte kurz zuvor in Downtown San Diego eine Frau angehalten, den Wagen mit Gewalt übernommen – er wollte in einem Haus Drogen kaufen. Es kam anders: Am Ende stürzte er sich auf der Flucht in den Hafen der kalifornischen Küstenstadt. Ein einziges Drama - mit einem weiteren Problem: Stroud hatte zuvor schon Probleme mit dem Gesetz gehabt und war auch schon mal verurteilt worden.

Diese Vergehen wegen Drogenbesitzes, Diebstahls, unrechtmäßiger Fahrzeugübernahme und bewaffneten Raubüberfalls lagen zwar schon Jahrzehnte (über 20 Jahre) zurück. Doch das Gesetz in Kalifornien kennt bei wiederholten Verstößen keine Gnade mehr. Das umstrittene "Three Strike Law" ermöglicht es dann, dass sich die Strafe auch wegen nicht besonders schwerer Strafen verdoppelt. So landete Stroud dann bei 38 Jahren.

Die Familie leidet unter dem Verlust

Für die Familie und den 13-jährigen C. J. Stroud war der schmerzhafte Verlust des Vaters ein Schock, der sie fast in den finanziellen Ruin trieb. Mutter Kimberley musste die Rolle als alleinige Ernährerin übernehmen. Mehrmals musste sie mit den vier Kindern umziehen, einmal standen sie kurz davor, obdachlos zu werden.

Die Rettung bot eine Stelle als Managerin einer Lagerhalle. In der kleinen Wohnung über dieser durften die Familie wohnen. C. J. Stroud selbst machte in der Highschool keinen Hehl daraus, wie angespannt die Lage war. "Wir sind pleite", sagte er in diesen Zeiten.

Nicht nur um die Finanzen stand es schlecht, auch die Beziehung zwischen Vater und Sohn war zerrüttet. Der junge C. J. war am Boden zerstört. Er nahm es ihm übel, dass er nun ohne ihn und seine Unterstützung aufwuchs. Jahrelang sah und sprach er nicht mit seinem Vater.

"Mein Vater war mein bester Freund und ihn so zu verlieren, das war hart", sagt Stroud heute über die Beziehung. "Ich gucke jetzt auf die Seiten meines Vaters, die positiv waren, aber für eine ganze Weile, war es nicht so. Ich habe ihn wirklich gehasst. Ich meine, wie konntest du mich so hängen lassen?", erklärte Stroud im Podcast "The Pivot".

"Hölle und zurück"

In der Schule machten sich Lehrer und Football-Coaches Sorgen. Die schwierige Familiensituation im Leben schlug auch im Sport durch. Als Jüngster der vier Stroud-Kinder (zwei Brüder, eine Schwester) stand sein Leben plötzlich Kopf. Und dieses Leben war nun alles andere als einfach. Stroud spricht rückblickend von einer "Achterbahnfahrt", einer "Hölle und zurück".

Das Geld fehlte an allen Ecken und Enden, also spielte er oft mit alten Schuhen - Geld für neue Treter war einfach nicht da. Die Folge: Blasen an den Füßen. Teilweise verzichtete er sogar auf neue Kontaktlinsen, spielte nur mit einer. Einen privaten Coach gab es genauso wenig wie spezielle Sportlernahrung. Stattdessen bekam er sogar von der Schule abgepackte Essenspakete.

Zwischendurch litt auch die Leistung. "Man hat es ihm angemerkt", sagte sein ehemaliger Coach Willie Munford der "Sports Illustrated". "Er war still. Er hat nicht so gut gespielt wie sonst. Er hatte immer noch einen guten Arm, aber er wurde sehr leise." Eine kritische Phase.

Mutter Kimberley bringt es auf den Punkt: "Er hatte die Wahl, als sein Vater wegging", sagt sie. "Er würde sich davon motivieren lassen und der Beste sein, oder er würde dem Ganzen erliegen und zur Statistik eines Kindes werden, dessen Elternteil etwas getan hat, was er nicht tun sollte." Noch heute verblüfft sie die Resilienz ihres Kindes. "Ich sitze und bin erstaunt, wie belastbar er ist. C. J. ist der erstaunlichste Mensch, den ich je getroffen habe."

Der Sport als Ventil

Als Highschooler entwickelte er sein Spiel weiter, im vierten Jahr wird er Starter als Spielmacher. Football wurde zum Ventil. Zusammen mit Basketball, seiner ersten sportlichen Liebe. Stroud hätte auch gut und gerne eine Karriere als Profi-Basketballer anstreben können.

Als talentierter Shooting Guard führte er auch das Basketballteam der Highschool in Rancho Cucamonga in Südkalifornien an. In den Playoffs traf er einmal einen wichtigen Dreier von weit draußen und ließ die Fans in der Halle ausrasten. C. J. Stroud - der gefeierte Held.

Schon damals sahen aber auch die Football-Trainer, wie viel Potenzial in ihm steckt. "Er konnte Bälle werfen, die anderen nicht konnten", erinnert sich Coach Munford. Und so überrascht es auch nicht, dass gegen Ende der Highschool-Zeit sich die Colleges mit Angeboten melden.

Als dann die renommierte Uni von Ohio State anrief, war C. J. Stroud zu Tränen gerührt. Coach Ryan Day schwärmte vom Ehrgeiz des Quarterbacks: "Er hat sich das alles selbst erarbeitet. Er hat YouTube-Filme von Drew Brees angeschaut und sich verbessert." Nach einem Lehrjahr als Backup startete er auch in Ohio durch. 2021 und 2022 führte er die Buckeyes als Starting-Quarterback zu einer starken Bilanz, 2022 bis ins Halbfinale der College-Meisterschaft. Die NFL-Scouts haben ihn da schon lange auf dem Zettel.

Experten loben seine akkuraten Würfe, die gute und sichere Hand. Durch seine Größe (1,91 m bei 97 kg) und Athletik könnte der 21-Jährige bei den Teams als sicherere Wahl gelten im Vergleich zum schmächtigeren Bryce Young (1,78 m), der als Quarterback ebenfalls als Nummer-eins-Pick gehandelt wird. Als erstes Team im Draft dürfen die Carolina Panthers auswählen, das Team kann einen guten Quarterback gebrauchen.

Gefängnisbesuch vor dem NFL-Draft

Vor dem Draft allerdings steht für ihn ein noch wichtigeres Date an. Noch bevor das Event in Kansas City steigt, will er seinen Vater endlich im Gefängnis besuchen. Es ist das erste Treffen seit Jahren. Jahrelang ignorierte er Anrufe und Nachrichten aus dem Gefängnis. Erst vor circa zwei Jahren entspannte sich die Beziehung. Per Telefon sprechen Vater und Sohn immer wieder miteinander – nach fünf Jahren Funkstille. 

Als C. J. Stroud 2022 bei der Verleihung der Heisman Trophy (bester Collegespieler) leer ausging, rief ihn sein Vater an, munterte ihn im Gespräch auf. Mutter Kimberley wusste spätestens seitdem: Der Junge hat dem Vater vergeben. "Wenn ich mit ihm spreche, hege ich keinen Groll mehr, sagte C.J.  Stroud bei "The Pivot". "Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Er hat Fehler gemacht, ich auch. Es geht nicht ums Schlechte."

Ob sein Vater früher aus dem Gefängnis raus darf, weiß zurzeit keiner. Mutter Kimberly bleibt optimistisch. Sie geht davon aus, dass ihr Mann noch vor 2040 aus dem Knast kommt. In jenem Jahr stünde ihm nach aktuellem Recht erst die vorzeitige Entlassung zu. Dann wäre er 74.

Sohn C. J. arbeitete währenddessen mit Auftritten wie bei dem Dinner von "Reform Alliance" an einem Ausweg. Er hat ein klares Motto. Zu Bildern und einordnenden Worten zu Ideen der Justizreform schrieb er: #FreePops. Freiheit für Papa.

Emmanuel Schneider

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